FUSSBALL: KREISKLASSE 2 WÜRZBURG

Gülchsheim steht vor einer Rückkehr

Seit mehr als 20 Jahren geht Claus Bidner mit der SpVgg Gülchsheim durch Höhen und Tiefen. Jetzt sieht es für ihn mal wieder rosig aus, auch wenn er nicht mehr ganz vorn steht.
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Mittendrin statt nur dabei: So kennt man Gülchsheims Abteilungsleiter Claus Bidner, hier nach dem Abstieg des Klubs im Sommer 2015 aus der Kreisliga. Inzwischen hat der Abteilungsleiter etwas Abstand genommen. Foto: Foto: Alexander Rausch

Wer sich mit der Spielvereinigung Gülchsheim und deren Fußballern beschäftigt, der stößt unweigerlich auf den Namen Claus Bidner. Seit wann er beim Kreisklassisten an der Spitze der Abteilung steht? Da muss Bidner erst mal überlegen. „Das dürfte in der Saison 1996/97 oder ein Jahr später gewesen sein.“

Seit mehr als 20 Jahren kennt er die Befindlichkeiten der Fußballer aus dem zur Gemeinde Hemmersheim in Mittelfranken gehörenden Verein. Offiziell ist Bidner, der in Oberickelsheim wohnt, derzeit Abteilungsleiter Sport, also jener Mann, der bei der SpVgg für die Senioren und für den Nachwuchs zuständig ist.

Auch nach 20 Jahren ist Bidner bei den Spielen der Gülchsheimer dabei, wenn auch nicht mehr unbedingt an der Trainerbank oder an der Seitenlinie wie sonst. „Da fehlt einem etwas, wenn ich Sonntag mal ein Spiel verpassen würde. Ein bisschen Abstand habe ich aber mittlerweile“, sagt er. Mit „Abstand“ meint Bidner, dass er sich nun halt unter das Publikum mischen oder erst kurz vor dem Anpfiff kommen könne. Denn in Ernst Veeh hat sich einer gefunden, der bei den Spielen als Betreuer erster Ansprechpartner für den neuen Trainer Tobias Schmidt ist. Nach 20 Jahren habe die Motivation denn doch etwas nachgelassen, direkt an der Seitenlinie zu stehen.

Unmittelbar an der Linie zu finden ist Claus Bidner noch bei der U 15, die wie die meisten Gülchsheimer Juniorenteams eine Spielgemeinschaft mit Gollhofen, Ippesheim, Aub und Weigenheim bildet. Bidners Tochter spielt dort, der Vater ist als Trainer dabei, um mit dem Nachwuchs das Kapital des kleinen Vereins zu pflegen. Das funktioniert, immer wieder kommen Talente nach. „Wir haben“, sagt Bidner, „das Glück, dass wir immer mal vier oder fünf Leute aus der Jugend bekommen. Sie spielen mit Weigenheim teilweise höherklassig, wie die U19. Das sind keine schlechten Fußballer.“ Bereits in der U15 sieht Bidner manche Akteure, die in wenigen Jahren nachkommen sollen und müssen.

Denn so langsam werde es auch in Gülchsheim schwierig, genug Personal für zwei eigenständige Männermannschaften zu stellen. Das klappe gerade noch so, „es ist aber jede Woche knapp, 30 Mann zusammen zubringen“, erklärt der Abteilungsleiter Sport. Die Option einer Spielgemeinschaft für die Reserve müsse der Klub dennoch prüfen. „Wir haben Spieler, die bei der Polizei arbeiten oder als Lehrer studieren. Da müssen wir damit rechnen, dass sie auch mal weggehen wegen des Berufs“, sagt Bidner. Eine recht junge Mannschaft schickt die Spielvereinigung in der Kreisklasse aufs Feld. Routiniers wie Vereinsvorsitzender Christian Gebhardt (30) oder Stefan Hirsch (35), der „Philipp Lahm Gülchsheims“, wie ihn Binder nennt, sind in diesem Team eher die Ausnahme.

Kapitän ist in Andreas Eisenmann ein 21-Jähriger. Die Mischung passt, Gülchsheim mischt wieder ganz vorne in der Tabelle mit, auch wenn etwa Torjäger Ralf Dehm wegen eines Kreuzbandrisses noch für einige Zeit ausfallen werde und auch Angreifer Harald Schmidt nach einem Unfall noch nicht ganz der alte sei. Manch anderer vom Stamm, etwa Sebastian Kinzinger, Adrian Kömm, Kevin Völker und David Hegwein fällt oder fiel zuletzt aus.

„Es ist heute schwierig, die jungen Leute abzuholen.“
Claus Bidner, SpVgg Gülchsheim

Dennoch ist es dem neuen Trainer Tobias Schmidt gelungen, die Mannschaft wieder nach vorne zu bringen. Schmidt kommt aus Gülchsheim, er kickte zuletzt bei der SG Seinsheim/Nenzenheim. „Es war für mich die logische Konsequenz“, so Bidner, „dass wir versuchen werden, ihn zu uns zu lotsen. Er kennt die Spieler und das Umfeld.“ Der Trainer, der selbst nur in Notfällen mitspielt, kann gut mit den jungen Leuten, trifft deren Ton. „Es ist heute schwierig, sie anzusprechen und abzuholen. Tobias macht das sehr gut. Die Jungen nehmen an, was er sagt“, lobt der Abteilungsleiter den Übungsleiter.

Wohin in dieser Runde die sportliche Reise gehen wird, ob es zur Rückkehr in die Kreisliga reichen wird wie zuletzt als Meister der Saison 2013/14 mit Trainer Sven Drexel, da mag sich Bidner noch nicht festlegen. Vergangene Saison habe man bis weit in das Frühjahr hinein vorne mitgemischt und landete am Ende deutlich hinter Bütthard und Sickershausen auf Rang drei. Ganz vorne in der Kreisklasse sei vielleicht besser als ganz hinten eine Etage höher? Sicherlich, aber „es ist schon das Ziel, dass wir wieder mal in die Kreisliga kommen“, bekennt der Funktionär. Bis zum Abstieg 2010/11 stand Gülchsheim 15 Jahre am Stück in der Kreisliga.

Wenn in der Rückrunde die derzeit verletzten Spieler wieder genesen seien, sieht er alle Chancen. Zunächst gilt es an diesem Sonntag die Aufgabe gegen den Tabellendritten, den TSV Sulzfeld, zu lösen, um den zarten Vorsprung von zwei Punkten (bei einem Spiel mehr) vor dem SV Geroldshausen zu wahren. Bidner sagt: „In der Vorrunde haben wir dort eines unserer besten Spiele gemacht und 3:1 gewonnen. Das wollen wir bestätigen, auch wenn Sulzfeld zurzeit gut drauf ist.“

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