FUSSBALL: KREISLIGA

Giebelstadt aus dem Gleichgewicht

Die SpVgg gehört zum Inventar der Kreisliga, doch nun droht der Abstieg. Warum der Mannschaft diesmal ihre chronische Abwehrschwäche zum Verhängnis werden könnte.
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Mit gutem Beispiel vorangehen will Giebelstadts Kapitän Stefan Reinhard (links), hier gegen den Kitzinger Jerome Brandtner. Foto: Foto: Hans Will

Die sechste Saison in Folge spielt die SpVgg Giebelstadt inzwischen in der Kreisliga. Ernsthaft vom Abstieg bedroht war der Verein aus der Marktgemeinde in den vergangenen fünf Jahren nie. Zumindest ein Mittelfeldplatz sprang am Ende in der Tabelle immer heraus. 2019 ist das anders. Giebelstadts weitere Zugehörigkeit zur Kreisliga hängt in diesen Tagen mehr denn je am seidenen Faden. Schließlich steht das Team als Tabellenvorletzter zwei Spieltage vor Saisonende auf einem direkten Abstiegsplatz.

Ein ungewohntes Bild ist das für den Klub, der sich guten Gewissens zum Establishment der Kreisliga rechnen darf. Höhepunkt in der jüngeren Historie des Vereins in dieser Liga war der dritte Platz in der Saison 2013/14. Damals als Spielertrainer maßgeblich am Erfolg beteiligt war Stefan Reinhard, der die Mannschaft bis 2014 drei Jahre lang anleitete und mit ihr den Aufstieg in die Kreisliga geschafft hatte.

Noch immer hält der 31-Jährige gebürtige Eßfelder der Spielvereinigung, deren Trikot er seit Kindesbeinen – unterbrochen nur durch ein zweijähriges Intermezzo beim Würzburger FV – trägt, die Treue. Aus Zeitgründen ist er inzwischen nur noch Spieler und Mannschaftskapitän, was nichts daran ändert, dass er mit den Kollegen die schwierigste Phase seit Langem erlebt.

„Es ist irgendwie wie ein Fluch. Mit Ausnahme des Spiels gegen den SSV Kitzingen haben wir die letzten Wochen eigentlich gute Spiele gemacht, aber zu wenig Zählbares mitgenommen“, sagt Reinhard über das zuletzt ausbleibende Spielglück. Magere zwei Zähler hat das Team aus den sieben Partien seit Ende März erzielt – eine Bilanz, die Reinhard und seine Mitstreiter tabellarisch in die Bredouille brachte. Der Spielführer weiß, wo die Hauptprobleme anzusiedeln sind: in der Defensive.

Mit 89 Gegentreffern stellt Giebelstadt die Schießbude der Kreisliga. Dabei ist die Anfälligkeit in der Verteidigung kein neues Phänomen, sondern ein Makel, der diesem Klub schon länger anhaftet. „Bei uns hat sich das mittlerweile zur Kopfsache entwickelt“, sagt der Mittelfeldstratege, der als Sechser die ordnende Kraft auf dem Platz ist. Schieße man vorn ein Tor, würden sich die Gedanken vieler Akteure sofort darauf ausrichten, wie sich hinten Treffer vermeiden ließen. Doch die Umsetzung gelingt zu selten.

„Bei uns hat sich das mittlerweile zur Kopfsache entwickelt.“
Stefan Reinhard über Giebelstadts Abwehrschwäche

Erschwerend kommt hinzu, dass das Prunkstück der Mannschaft – die stark besetzte Offensive um Torjäger Benjamin Kemmer – die eigene Flut an Gegentoren nicht mehr in der Art ausgleichen kann wie in den Vorjahren. 37 Tore sind der drittschwächste Wert der Liga. Dazu Verletzungspro-bleme und fehlende Automatismen, schon erwächst daraus ein Abstiegskandidat.

Stefan Reinhard ist sich im Klaren, worauf es im Saisonendspurt nun ankommt: den Sturz in die Kreisklasse zu vermeiden. „Wir müssen jetzt versuchen, alles, was passiert ist in dieser Saison, auszublenden und trotzdem selbstbewusst auftreten.“ Er probiere, die bestmögliche Leistung zu zeigen, voranzugehen und die Teamkollegen aufzumuntern. „Die Art und Weise, wie wir zuletzt aufgetreten sind, war gut“, so Reinhard, „das stimmt mich zuversichtlich.“ Und doch blickt der 31-Jährige mit gemischten Gefühlen auf das Restprogramm, das seiner Elf noch eine Fahrt nach Sonderhofen sowie ein Heimspiel gegen Bütthard beschert.

Weniger brisante Aufgaben wären Reinhard in der entscheidenden Saisonphase lieber. „Das sind zwei Derbys, in denen beide Gegner alles reinwerfen werden.“ Geschenke erwartet er jedenfalls nicht. Gelingt es Giebelstadt zu punkten, so steht im besten Fall demnächst die Relegation an. „In solchen Spielen hat man so viel Adrenalin im Körper, dass man die Müdigkeit vergisst“, stellt Reinhard fest. Vor einer möglichen Saisonverlängerung wäre dem Kapitän also nicht bange.

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