Frauenfussball: Bayernliga

Frickenhausens verhinderte Gipfelstürmerinnen

Dritte Niederlage in Folge für Frickenhausen: Beim 0:4 in Forstern verliert der TSV gegen ein Team, das ebenfalls erst aufgestiegen ist und dennoch nicht als unbedarfter Emporkömmling gilt.
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Die weiteren Aussichten? Gernot Haubenthal sieht für Frickenhausen keineswegs schwarz. Foto: Foto: Hartmut Hess

Sie waren auf dem Weg zum Gipfel, aber sie kamen dort nie an; zu schwer und zu mächtig waren die Brocken, die ihnen entgegenkamen und den weiteren Aufstieg behinderten. Aber ist es nun ein Eingeständnis von Schwäche, unter diesen Bedingungen erst mal umzukehren? Oder nicht doch der logische, der vernünftige Schritt? Man weiß in diesen Tagen nicht so recht, ob der Pfad für die Seilschaft des TSV Frickenhausen zu steil war, ob sie sich übernommen hat; oder ob der Aufbruch nach oben nur mal eben vertagt ist und sie gerade Luft holt für den nächsten Gipfelversuch.

0:6, 2:3, 0:4, das sind die aktuellen Wegmarken der Fußballerinnen, und wer bei diesen ernüchternden Zahlen nach ermunternden Signalen sucht, der findet sie in den Worten des Trainers Gernot Haubenthal. „Wir haben noch Ziele vor Augen“, sagt er in der Überzeugung, bald die Kurve zu kriegen. Doch er sagt auch: „Wir sind auf dem Boden der Tatsachen gelandet.“ Das 0:4 (0:2) beim Tabellenführer FC Forstern hat die Fallhöhe noch etwas größer werden lassen – vor allem im Vergleich mit dem Gegner. 6000 Einwohner hat dieses Forstern im Landkreis Erding, keine dreißig Kilometer von München entfernt. Wie Frickenhausen ist der Klub gerade erst in die Bayernliga eingezogen. Ein Sommermärchen also in schönster oberbayerischer Idylle?

Trainer Hans-Jürgen Lukschanderl muss lächeln, wenn man ihm mit der Geschichte des unbedarften Neulings kommt. Fußball in Forstern ist weitgehend weiblich, die Männer spielen gerade mal A-Klasse. Sieben Jahre hat der FC vorher in der Frauen-Landesliga verbracht. Die Mannschaft ist seit 29 Spielen unbesiegt, kennt sich aus gemeinsamen Jugendzeiten, und im Training finden sich regelmäßig um die 30 Spielerinnen zusammen. Klare Strukturen, die sich auf das Spiel des Teams übertragen und den Erfolg begründen.

Mit seinem Hang zu Sturm und Drang zwang Forstern auch die Frickenhäuserinnen in eine Verteidigungshaltung, aus der sie nur schwer herausfanden. Selten wagten sie sich in der ersten Hälfte aus der Deckung, vor Gegners Tor machten sie sich rar. Eine naheliegende Strategie nach zuvor neun Gegentoren in zwei Partien. Doch etwas mehr Mut und Offensivgeist hätten dieses Mal nicht geschadet. „Wenn sie offensiver aufgetreten wären“, gab Forsterns Trainer zu bedenken, „hätten wir mehr Probleme bekommen.“

Lukschanderl lobte Frickenhausen als sympathische und technisch veranlagte Mannschaft. Aber ihr fehlten am Samstag die Möglichkeiten eines FC Forstern, spielerisch wie personell. Zweimal war es den Oberbayerinnen in der ersten Hälfte gelungen, die tief stehende Abwehr Frickenhausens zu überspielen (24., 35. Minute). In der zweiten Halbzeit nahm Lukschanderl seine zwei Außenstürmerinnen vom Platz und brachte zwei frische Kräfte, ohne dass die Elf an Substanz verlor. Über die Flügel fielen später die Tore zum 4:0.

Und Frickenhausen? Hatte nur zwei Wechselspielerinnen dabei, weil Sarah Schmidt im Prüfungsstress steckte, Sarah Wintzheimer zu Hause im Weingut half und Romina Kuffner kurzfristig erkrankt war. Zum Schluss suchte der TSV häufiger den direkten Weg nach vorne, wo Sandra Abersfelder bis dahin meist auf sich allein gestellt war.

„Das war die stärkste Mannschaft, gegen die wir bisher gespielt haben“, sagte Haubenthal nach dem siebten Saisonspiel. Bei seinem Team fällt die Einordnung schwerer. Wo stehen die Frickenhäuserinnen im Herbst 2015? Ist die Mannschaft der Sonne zu nah gekommen – so sehr, dass ihre Flügel geschmolzen sind? Das nicht, meint Haubenthal. Aber: „Wir müssen aufpassen. Wir haben dieses Jahr noch vier Spiele.“ Am Sonntag kommt der Tabellenzweite SV Thenried nach Frickenhausen.

Das Spiel in der Statistik

FC Forstern – TSV Frickenhausen 4:0 (2:0)

Forstern: Christina Kneißl; Martina Mittermaier, Corinna Grimm, Stefanie Kothieringer (56. Anna Kreißl), Stephanie Richter (73. Lena Schedo), Evi Kopp (56. Sophia Schwaiger), Franziska Stimmer, Julia Deißenböck, Verena Krumay, Helena Altenweger, Sandra Obermeier.

Frickenhausen: Dominique Göpfert; Kim Kißler, Pauline Großer, Sabine Müller, Candida Schwarz, Denise Stich, Katrin Hauck, Manuela Schlör, Anna Thormann (53. Katharina Other), Sandra Winkler, Sandra Abersfelder.

Schiedsrichter: Andre Eichhorn (München).

Zuschauer: 60.

Gelbe Karte: Mittermaier.

Tore: 1:0 Evi Kopp (24.), 2:0 Sandra Obermeier (45.), 3:0 Anna Kreißl (80.), 4:0 Sandra Obermaier (86.).

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