Frauenfussball: Bayernliga

Frickenhausen verliert zum Jahresabschluss

Sechste Niederlage im siebten Spiel: Im diffusen Memminger Kunstlicht erlebt Frickenhausen einen weiteren schwarzen Tag, der Fragen aufwirft.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gequältes Lächeln: Frickenhausens Trainer Gernot Haubenthal zieht eine zwiespältige Bilanz. Foto: Foto: Stöckinger

Die Bühne war bereitet für den letzten Auftritt des Jahres, aber Frickenhausens Fußballerinnen kamen sich vor wie im absurden Theater. Als das Spiel in Memmingen angepfiffen wurde, war tiefste Nacht, vom Himmel fiel fahles Flutlicht auf ein irgendwie surreales Treiben, und im diffusen Dunkel huschten einige Gestalten, passenderweise in schwarzen Leibchen, über den Plastikrasen; Gestalten, die für einen lichten Moment wie aus dem Nichts erschienen und anschließend wieder im Nichts verschwanden. In solch unwirklicher Szenerie führten die Frickenhäuserinnen am Samstag ein Stück auf, das sie auf ihrer Bayernliga-Tournee zuletzt immer wieder gaben. Es hieß: „Ende der letzten Illusion.“ Die Illusion beruhte darauf, dass man mit schönem Spiel automatisch den angemessenen Lohn bekommt. Dass diese Kausalität nicht passt, weiß man in Frickenhausen nicht erst seit Samstag – seit dem neuerlichen 0:2 (0:1) beim FC Memmingen.

Dieser TSV Frickenhausen hat sich nach dem Aufstieg in die Bayernliga nicht verbiegen lassen wollen. Er hat versucht, seine Fußball-Ideale mit in die neue Spielklasse zu retten, seinen Auftritten ein Profil zu verpassen und sich eine Art Alleinstellungsmerkmal zu geben, wie Marketingexperten das heute nennen. Unterscheiden wolle er sich gegenüber anderen Teams, hat Trainer Gernot Haubenthal unlängst gesagt.

Die Frage wird sein: Kann diese romantische Idee überleben in der vierthöchsten deutschen Spielklasse, oder muss sich der TSV für die Rückrunde pragmatischer aufstellen? Die Tabelle spricht eine klare Sprache: In elf Spielen sind beim Aufsteiger zwölf Punkte hängen geblieben – nicht viel angesichts des Potenzials, das in der Mannschaft steckt; zu wenig auch für die Entwicklung, die Haubenthal ihr bescheinigt.

„Ich schätze die Mannschaft weitaus stärker ein, als sie sich momentan präsentiert“, sagt der Trainer, der angetreten ist, den Horizont womöglich auch über die Grenzen des Freistaats zu weiten. Nun besteht seine Mission erst einmal darin, das Limit nicht zu überziehen. Der Auftritt in Memmingen gehörte laut Haubenthal „spielerisch zu den besten der Saison“, aber die Dramaturgie entwickelte sich mal wieder anders, als vom Regisseur im Drehbuch festgeschrieben.

Das frühe Führungstor der Allgäuerinnen nach einem hohen Ball vors Tor und dem kühlen Abschluss durch Nikolic (13. Minute) hatte die Handlung ebenso wenig vorgesehen wie die vielen vergebenen Chancen des TSV in der Folge. „Wir müssen hier mindestens vier oder fünf Tore schießen“, sagte Haubenthal. Statt des Ausgleichs fiel eine Viertelstunde vor Schluss nach einer Ecke das 2:0. Zu sehen war davon wenig, wie Frickenhausens Trainer feststellte: „Man hat nicht vom einen bis zum anderen Ende des Platzes schauen können.“

Sechs Niederlagen hat der Aufsteiger damit in den vergangenen sieben Spielen kassiert – Niederlagen, die es aufzuarbeiten gilt in der Winterpause. Vier Monate bleiben Haubenthal, um an „kleinen Nuancen“ zu tüfteln, wie er sagt. Noch einmal wiederholte er nach dem Auftritt in Memmingen sein Mantra: „Entscheidend ist, dass man in der Bayernliga druckvoll und körperbetont auftritt.“ Daran fehlt es seiner Mannschaft, die nun erst einmal weitertrainieren wird – im Freien wie in der Halle. Bis zum Neustart im März hofft Haubenthal auf zwei, drei Verstärkungen. Sie sollen dazu beitragen, den Schattenplatz in der Tabelle zu verlassen.

Das Spiel in der Statistik

FC Memmingen – TSV Frickenhausen 2:0 (1:0)

Memmingen: Esra Demirel; Sonja Moog, Anna Aumann (90.+2 Sarah Alzinger), Barbara Rauch, Carina Glas, Lina Fortmann, Franziska Fakler (90. Christina Rauch), Teresa Huber, Melanija Nikolic, Marina Raguz, Tanja Romert.

Frickenhausen: Dominique Göpfert; Katharina Other, Janina Walter, Sabine Müller, Katrin Hauck, Candida Schwarz, Denise Stich, Anna Thormann (80. Pauline Großer), Sandra Abersfelder, Manuela Schlör, Sandra Winkler.

Schiedsrichter: Werner Geiger (Bertoldshofen).

Zuschauer: 100.

Gelbe Karten: Huber, Raguz; Schlör.

Tore: 1:0 Melanija Nikolic (13., nach hohem Ball vor das Tor), 2:0 Anna Aumann (75., nach einem Eckstoß).

Verwandte Artikel

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.