FUSSBALL: BAYERNLIGA FRAUEN

Frickenhausen unter Stromausfall

Beim 0:0 am Ammersee wirkt die Mannschaft, als habe ihr einer „den Stecker gezogen“. Trainer Golden äußert in der ersten Erregung nach dem Spiel harsche Kritik.
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Irgendwie rettete Romina Kuffner mit Frickenhausen das 0:0 in Dießen am Ammersee. Foto: Foto: Alexander Rausch

Ausgerechnet diesmal streikte die Technik. Gerne hätte man gehört, was Christian Golden zu diesem 0:0 des TSV Frickenhausen in Dießen zu sagen hatte. „Leider ist die Tonqualität auf unserem Video nicht ausreichend“, teilt der MTV im Internet mit. Also muss man mit dem Bild vorlieb nehmen: Es zeigt, wie Golden auf dem Podium der Pressekonferenz sitzt, etwas gequält lächelnd und mit verschränkten Armen. Distanz sollte diese Geste wohl symbolisieren, und ein Stück weit setzte sich der Trainer in seinem Statement tatsächlich von seinen Schützlingen ab, als er ihnen „phasenweise Arbeitsverweigerung“ unterstellte.

Zwei Tage nach dem laxen Auftritt am Samstag war Golden zwar wieder verbindlicher im Ton, aber in der Sache blieb er hart. „Das größte Unheil haben wir vermieden, indem wir das Spiel nicht verloren haben“, sagte er. Doch er sei „sehr unzufrieden“ über dieses 0:0, das zweite hintereinander, weil Dießen ein Gegner sei, den man einfach schlagen müsse.

Dass es sein Team nicht vermocht hatte, den Aufsteiger vom Ammersee in die Schranken zu weisen, war zweierlei geschuldet: einer Frickenhäuser Aufstellung, in der Namen wie Sabine Müller, Sandra Abersfelder oder Tabea Rauschenberger fehlten, mehr aber noch einer Einstellung, mit der man auf diesem Niveau schwerlich ein Spiel gewinnt. „Was den Einsatz angeht, kann man deutlich mehr leisten“, sagte Golden ernüchtert.

Von der ersten Minute an wirkten seine Schützlinge irgendwie uninspiriert, gehemmt und seltsam saft- und kraftlos – so, als habe „ihnen jemand den Stecker gezogen“, wie der Coach sagte. Die Energie, die Golden da am Spielfeldrand ausstrahlte – „man hat mich am ganzen Ammersee schreien gehört“ – ging nicht auf seine Mannschaft über. Auch wenn er einige von seiner Kritik ausnahm – richtig unter Strom stand sein Team in den neunzig Minuten selten, vor allem nicht in der Offensive. Nennenswerte Impulse gingen von ihr nicht aus. Frickenhausen versuchte sich immer wieder im schnellen Umschalten durch das Zentrum, Dießen setzte auf zwei flinke Außenstürmerinnen und auf lange Bälle, um sich den mühsamen Weg durchs Mittelfeld zu sparen.

Immerhin dort machte es der TSV dem Gegner schwer, und dank des geordneten Rückzugs in die Defensive bekamen die Dießenerinnen nicht so oft Gelegenheit, aufs Tor zu schießen. Bei der größten hatte Mitte der ersten Hälfte Julia Kohl die Hände im Spiel. Nach zuletzt zwei Einsätzen als Feldspielerin ins Tor zurückgekehrt, wehrte sie den von Nadine Schwarzwalder nicht voll getroffenen Ball noch ab. Dießen war von nun an im Spiel und machte sanften Druck. Frickenhausens beste Möglichkeit war ein Freistoß, der am Tor vorbeiflog.

Zur Halbzeit blieb Trainer Golden eine Viertelstunde Zeit, um die Akkus der Spielerinnen zumindest teilweise wieder aufzuladen. „Ich habe ihnen klar gemacht, dass die Chance da ist, hier etwas mitzunehmen. Bei einzelnen hat es auch gefruchtet. Aber Fußball ist ein Mannschaftssport.“ Seine Elf blieb im Energiesparmodus – und hatte gleich mehrfach Glück: Ein Tor Dießens gab der Schiedsrichter nicht, weil Andrea Bichler beim Zuspiel Zoé Kleins nach seiner Überzeugung im Abseits stand. Wenig später verfehlte Katharina Egloff per Volleyschuss das Ziel knapp – und schließlich brachte Dießens Kapitänin Maria Breitenberger frei vor Frickenhausens Torhüterin den Ball aus kurzer Distanz nicht vorbei.

Erstmals in dieser Saison ging Golden mit seinen Schützlingen hart ins Gericht – weil Dießen eben nicht das Niveau Forsterns oder Hofs hatte, die Frickenhausen zu Beginn der Runde klare Niederlagen beigebracht hatten. Hier, in der Idylle des Voralpenlands, wäre mehr als nur ein Pünktchen zu kratzen gewesen. Eine Einschätzung, die nun auch für das Heimspiel gegen den FC Pegnitz zutrifft. Golden sagt: „Da brauchen wir eine deutliche Steigerung. Sonst wird es richtig schwierig für uns.“

Die Statistik des Spiels

MTV Dießen – TSV Frickenhausen 0:0

Dießen: Schindhelm; Kössel, Swoboda, Arweiler (72. Kroll), Breitenberger, Schwarzwalder, Bichler, Zoe Klein (61. Riepel), Schröferl, Wild, Egloff (61. Wörle).

Frickenhausen: Kohl; Kinle (37. Lyons), Lysanne Väth (75. Ettinger), Anja Schreck, Schwarz, Other, Özdemir (75. Wacker), Thormann, Kuffner, Lupper, Sarah Schmidt.

Schiedsrichter: Winkler (Mammendorf/Gruppe Ammersee).

Zuschauer: 70 (geschätzt).

Gelbe Karten: Wild; Other.

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