MOTORSPORT: SST-Serie

Fremdgehen auf der Rundstrecke

Klaus Hoffmann ändert seine Richtung. Statt bergauf fährt er nun im Kreis und freut sich auf eine „ganz andere Welt“.
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Bei soviel Power (818 PS) geht selbst Klaus Hoffmann vor seinem Porsche 996 Bi-Turbo beeindruckt in die Knie. Foto: Foto: Hartmut Hess

Der Automobil-Bergrennsport ist die Welt des Buchbrunners Klaus Hoffmann. Seit über 20 Jahren jagt er die Berge hoch, rauscht bisweilen mit 240 Km/h durch den Wald und krönte seine Laufbahn als Deutscher Tourenwagen-Bergrennmeister im Jahr 2012. Jetzt geht er sportlich fremd. In einem Porsche 996 Bi-Turbo will er heuer erste Rundenstreckenrennen in der STT (Supertourenwagen-Throphy)-Serie bestreiten.

„Das ist ein Brummer“, entfuhr es geradezu ehrfürchtig seinem Mechaniker „Mecky“ Reich, als er diesen automobilen Traum kürzlich in Klaus Hoffmanns KLZ-Werkstatt zur Probe laufen ließ. „Der schreit nach Kubik“, würden Bergrennfahrer im Fachjargon über das Triebwerk diesen gelb-anthrazit-farbenen Gefährts urteilen. Der Bi-Turbo (Doppelturbolader) verleiht dem 3,8-Liter-Motor brachiale 818 PS an Leistung. Es ist deshalb kein Wunder, dass Reich von einem „Brummer“ spricht. Freilich ist Reich schon einiges gewohnt, hat doch Klaus Hoffmanns Opel Astra, der mit dem V8-Motor einst in der DTM gelaufen war, auch schon gute 500 PS. Doch dieser Porsche ist mit der Turbo-Power hammerhart im Vortrieb.

Der Porsche gehört dem Uttenreuther Oldtimer-Restaurator Jörg Lorenz. Der Mittelfranke ist Kunde in Klaus Hoffmans Firma. Irgendwann kamen sie auf den Porsche zu sprechen, und weil die für den Bergrennsport Verantwortlichen des Deutschen Motorsportbundes (DMSB) das Reglement dahingehend änderten, dass es Klaus Hoffmann schier unmöglich gemacht wurde, einen weiteren Titel einzufahren, verleiteten sie ihn zum Fremdgehen in andere Segmente des Motorsports.

„Das ist eine ganz andere Welt auf der Rundstrecke“, betont Klaus Hoffmann. Denn die Bergrennen sind das Einzelzeitfahren im Motorsport. Meist ist ein Lauf in etwas mehr als einer Minute absolviert. Wenn der 52-Jährige jetzt in den Porsche von Jörg Lorenz steigt, dann muss er sich auf Feindkontakt einstellen und sich der Konkurrenten in Kurven erwehren. „Außerdem fährst du auf der Rundstrecke 20 Minuten im Kreis“, schildert der Kitzinger Lackspezialist, der weiß, dass enorme Anforderungen auf ihn zukommen. Denn die Fliehkräfte fordern die Fahrer physisch, vor allem in der Halsmuskulatur. Zudem sind die Herausforderungen auf der mentalen Ebene enorm, wenn 20 Minuten volle Konzentration, die Vermeidung von Kollisionen und eine möglichst gute Fahrlinie gefragt sind.

„Du musst dich beim Bremsen total umgewöhnen“, ist sich der 52-jährige DM-Champion von 2012 bewusst, denn die Bremstechnik eines Bergfahrers ist im Vergleich zu einem Rundstreckenpiloten diametral verschieden. „Ich werde mich auf jeden Fall nicht mit den etablierten Fahrern anlegen“, hat sich Klaus Hoffmann Zurückhaltung auferlegt für seine Gastnennungen im August in Zandvoort (Niederlande) sowie im Oktober auf dem Hockenheim- und am Nürburgring. Dort duelliert er sich in der Unterstufe der GT Masters-Konkurrenz mit Fahrern anderer Porsches, Audi R8, Lamborghini, Mercedes SLS oder Dodge Viper.

Dazwischen fährt Klaus Hoffmann in seinem Opel Astra-Boliden die unterfränkischen Heimrennen in der Rhön und in Eichenbühl sowie den Ford Escort Cosworth von seinem AMC-Kitzingen-Clubkollegen Norman Struckmann in Mickhausen. Offensichtlich ist der Kitzinger Unternehmer ein Mann, der sich relativ schnell auf unterschiedliche Fahrzeuge und Kurse einstellen kann. Das hat er auch in der Vergangenheit schon bewiesen, als er vor gut zehn Jahren in einem Gruppe CN-Renner und einem Formel-3-Auto neben seinem Opel Astra die Berge hoch gebrettert war.

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