FUSSBALL: BAYERNLIGA FRAUEN

„Frauen sind angenehmer zu trainieren“

Seit voriger Woche haben Frickenhausens Frauen einen neuen Trainer. Im Interview spricht Christian Golden über seine Blitzkarriere und die Schönheit des Spiels.
Artikel drucken Artikel einbetten
Christian Golden erkennt in Frickenhausen durchaus einen Silberstreif am Horizont. Foto: Foto: Hans Will

Manchmal geht es ganz schnell in diesem Geschäft: Die Trennung von Gernot Haubenthal Ende April war kaum vollzogen, da hatten Frickenhausens Frauen schon einen Neuen. Christian Golden soll sie auf der Zielgeraden des Abstiegsrennens in der Fußball-Bayernliga als Trainer begleiten und ihnen noch mal Beine machen. Der 29-Jährige, dessen Heimat das oberfränkische 500-Einwohner-Nest Seibelsdorf ist, hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Er studierte zuerst Lehramt für Deutsch und Geschichte an Gymnasien, aber unterrichtet hat er nie. „Damals wurden keine Lehrer gesucht“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion, „und da habe ich mich kurzfristig umentschieden.“ Seit drei Monaten arbeitet er als Kaufmann bei einem Autohaus in Würzburg und sagt: „Der Mensch hat grundsätzlich ja unterschiedliche Talente.“

Frage: Sie haben sich in Frickenhausen unverzüglich ans Werk gemacht und die Mannschaft vergangenen Sonntag ohne vorherige Trainingseinheit betreut. Warum diese Eile?

Christian Golden: Weil die Saison bald vorbei ist. Da bleibt einem nicht mehr viel Zeit. Ich wollte so früh wie möglich einsteigen. Die Mannschaft hat das so gewollt. Dem bin ich nachgekommen.

Wann hatten Sie erstmals Kontakt zum Verein?

Golden: Mit der Vereinsführung vor zwei, drei Monaten. Da ging es ganz allgemein um die nächste Saison. Als Verein und Trainer dann im Vorfeld des letzten Auswärtsspiels übereinkamen, sich zu trennen, wurde ich darüber informiert, dass die Stelle rasch wieder besetzt werden soll. Ich sagte: Gut, müssen wir reden. Denn ich war gerade am Umziehen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich sofort anfange.

Und Sie wussten, worauf Sie sich einlassen bei diesem Job?

Golden: Ich kannte die Mannschaft und einige Spielerinnen schon. Manche Spiele hatte ich auch gesehen. Sie dürfen sicher sein: Ich wusste, worauf ich mich einlasse, und freue mich auf die Aufgabe.

Der erste Kontakt kam über die Spielerinnen zustande?

Golden: Ja, sie fragten mich, ob ich mir vorstellen könne, in Frickenhausen Trainer zu werden. Das habe ich bejaht. Und sie trugen es so dem Vorstand vor.

Sie hatten vor dem Spiel gegen Forstern kein einziges Mal mit Ihrer Mannschaft gearbeitet. Was waren Ihre ersten Maßnahmen im Spiel?

Golden: Jeder Trainer hat seine eigene Idee vom Fußball und davon, wie er spielen lässt. Ich habe mit Leuten aus dem Umfeld gesprochen und mit den Spielerinnen, wie sich selbst einschätzen, habe ihre Meinung zu Aufstellungsvarianten abgefragt. Für das Spiel gegen Forstern habe ich daraufhin eine konservative Aufstellung gewählt.

Zum Beispiel die Abwehr als Dreierkette aufgereiht.

Golden: Wir hatten die Dreierkette gewählt, um das Mittelfeld etwas zu entlasten. Das lief ganz gut – und so sahen es auch die Leute, die das Spiel verfolgten.

Was trauen Sie der Mannschaft zu mit den Erkenntnissen, die Sie bisher gewonnen haben?

Golden: Langfristig und mit ein bis zwei Verstärkungen könnte Frickenhausen eine Rolle wie Thenried einnehmen.

Also in der erweiterten Spitzengruppe der Bayernliga mitspielen?

Golden: Ja, genau. Die Mannschaft hatte diese Saison großes Verletzungspech, einige Spielerinnen fehlten berufsbedingt immer wieder. Und das merkt man auf diesem Niveau. Wenn einer drei, vier Wochen nicht trainiert oder aus einer Verletzung heraus angreift, wirkt sich das aus. Diese Spielerinnen brauchen noch einmal so lange, ehe sie wieder ein Niveau erreicht haben, dass sie der Mannschaft weiterhelfen können.

Haben Sie sich bei Ihrem Vorgänger Gernot Haubenthal über die Mannschaft informiert?

Golden: Wir haben uns im Vorfeld, als es auf eine Trennung im Sommer hinauslief, mal unterhalten. Das war ein sehr angenehmes Gespräch. Aber eine offizielle Übergabe, wenn Sie das meinen, haben wir nicht vollzogen. Das war auch nicht nötig, da ich mit Mannschaft und Vorstand immer in Kontakt und demnach gut informiert war.

Wussten Sie denn, als es vor zwei, drei Monaten diese Kontaktaufnahme gab, dass Sie im Sommer Trainer in Frickenhausen würden?

Golden: Klar war es noch nicht. Wir unterhielten uns damals einfach ein bisschen über die Mannschaft, über den Fußball und wie wir beide ihn so sehen.

Und? Wie sehen Sie die Situation in Frickenhausen? Ist das aus Ihrer Sicht Abstiegskampf?

Golden: Wenn man sich die Mannschaften auf den hinteren Tabellenplätzen anschaut, dann hat der ETSV Würzburg (in Angelika Lübcke) eine sehr gute Verstärkung bekommen; sie wird meines Wissens bis Saisonende in der Bayernligamannschaft spielen, die dadurch einen eklatanten Wettbewerbsvorteil hat. So eine Möglichkeit haben wir nicht. Deswegen wird der ETSV einige Punkte holen, die er sonst vermutlich nicht geholt hätte. Für uns wird es auf das Spiel in Eicha an diesem Wochenende ankommen. Wenn wir da nicht verlieren, sind wir gut dabei.

Eicha wird ein Schlüsselspiel?

Golden: Nicht allein. Ich sehe auch Saaldorf als wichtiges Spiel oder Hof. Da kann man gewinnen. Und genauso kann man am letzten Spieltag bei den Fürtherinnen einen Punkt mitnehmen. Ich gehe davon aus, dass sie bis dahin locker Meister sind. Dann ist noch mal eine andere Stimmung. Sie riechen schon die Bratwürste auf dem Grill, und sie sehen das Bier im Krug. Da werden sie nicht mehr mit der vollen Kapelle spielen. Deswegen kann man dort sicherlich noch einmal punkten.

Das klingt alles sehr optimistisch. Auch Ihr Vorgänger war oft voller Zuversicht. Aber die Leistungen auf dem Platz waren von diesem Optimismus meist nicht gedeckt. Da kam dann wieder ein frühes Gegentor . . .

Golden: . . . mich schreckt kein frühes Gegentor.

Sie als Trainer nicht, aber vielleicht Ihre Spielerinnen.

Golden: Man hat jetzt auch am Wochenende gesehen: Als es 0:3 gegen uns stand, haben wir noch ein Tor geschossen und die letzte Viertelstunde sogar dominiert – selbst gegen einen so starken Gegner. Das gibt mir definitiv Hoffnung und stimmt mich zuversichtlich. Unser Dienstagstraining war sehr gut besucht – mit insgesamt 23 Spielerinnen. Das kann sich doch sehen lassen.

Sind Sie ein Trainer, der viel mit seinen Spielerinnen kommuniziert?

Golden: Mir ist Kommunikation auf dem Platz schon wichtig, auch beim Training. Ich möchte, dass die Spielerinnen wissen, was sie tun und auch

warum, und ich versuche, ihnen das mitzuteilen.

Sie waren schon früher in Ihrer oberfränkischen Heimat Kronach einmal Trainer einer Frauenmannschaft. Was reizt Sie am Frauenfußball?

Golden: Ich will das gar nicht aufs Geschlecht reduzieren. Ich bin allgemein fußballinteressiert. Mir geht es um die Qualität und um die Schönheit des Spiels. Die Bayernliga ist eine hervorragende Liga und Frickenhausen eine hervorragende Mannschaft. Trainer im Frauenfußball war ich zu Anfang meiner Karriere. Das ist auch schon wieder fast zehn Jahre her. Ich war blutjung und bekam damals diese Chance. Grundsätzlich sind Frau-en angenehmer zu trainieren, weil sie einen Tick wissbegieriger sind als die Männer.

Manche Ihrer Kollegen sagen: auch eine Spur zickiger.

Golden: Das sehe ich nicht so. Wenn man ehrlich kommuniziert und klar anspricht, was man möchte, dann ist das mit den Frauen nie ein Problem gewesen.

Verwandte Artikel

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.