Handball: dritte Liga Männer Ost

Fabian hat Lust auf mehr

Weil bei seinem alten Klub nichts geht, stürzt sich Fabian Servatius ins Rödelseer Abenteuer. Nun bekommt er beim Drittligisten seine Chance - unverhofft.
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TSV Rödelsee

Dritte Liga statt Bezirksliga: Weil Fabian Servatius im vergangenen Sommer keine Lust auf die Handball-Bezirksliga hatte, entschied er sich für einen Wechsel zum TSV Rödelsee. Dort debütierte der Gerolzhöfer vorige Woche in der dritten Liga und zwar ordentlich. Drei Tore erzielte der 25-Jährige gegen Auerbach. Jetzt darf er hoffen, weiter Erfahrung in der dritthöchsten Klasse zu sammeln. Eigentlich wollte er ja nie weg von seinem Verein. Als aber in Gerolzhofen feststand, dass die Mannschaft auf den Aufstieg in die Landesliga verzichten und freiwillig absteigen werde, war für Servatius klar: Es ist Zeit zu gehen – schweren Herzens. „Ich hatte nicht vor, den TV Gerolzhofen zu verlassen. Dort habe ich quasi angefangen, als ich laufen konnte. Aber eine Klasse niedriger zu gehen statt eine höher, das wollte ich nicht.“

Vor allem weil Servatius und seine Gerolzhöfer gerade „eine Super-Saison“ hingelegt hatten, wie der Kreisläufer sagt. Mit nur zwei Minuspunkten waren sie Meister in der Bezirksoberliga geworden. Die Mehrheit der Mannschaft entschied sich aber dafür, auf den Aufstieg zu verzichten: wegen des zusätzlichen Aufwands. „Für mich war klar: Ich will höher.“ So blieb der TSV Rödelsee als Option. Dort musste Servatius erst einmal bis Oktober zuschauen, eine Knieverletzung aus der Vorsaison hinderte ihn. Wieder genesen, lief er zunächst in der Reserve auf – an mehr dachte er erst einmal nicht, auch wenn er mit der ersten Garde bisweilen trainierte. „Ich bin schon mit dem Ziel gekommen, irgendwann mal dritte Liga zu spielen. Ob das klappen würde, war nicht klar.“

Als sich der TSV an Weihnachten entschloss, sein finanzielles Engagement angesichts der Lage zu drosseln, schlug auch die Stunde von Servatius. Als Rechtsaußen schickte ihn Trainer Radovan Suchy gegen Auerbach ins Rennen – mit Hintergedanken. Da kein Linkshänder zur Verfügung steht, sollte Servatius die Positionen immer wieder als zweiter Kreisläufer auflösen. „Fürs erste Mal ist es gut gelaufen“, sagt er.

Die sechzig Minuten empfand er, der zuvor höchstens Landesliga gespielt hatte, „schon als großen Schritt. Es ist alles viel schneller, du darfst weniger Fehler machen. Dazu ist es ein kompletter Unterschied, weil mit Harz gespielt wird.“

Nicht nur das Spiel sei ein Unterschied, anspruchsvoller sei auch das Training. Drei Einheiten die Woche, dazu einmal freiwillig laufen oder ins Fitness-Studio – das nimmt Servatius auf sich. Mit Besseren zu trainieren, könne einen nicht schlechter machen. „Das bringt mich weiter, körperlich und handballerisch. Willst du etwas erreichen, musst du was tun.“ Dass es mit dem TSV Rödelsee mehr als schwierig werde, den Klassenverbleib zu schaffen, dessen ist sich Servatius bewusst. „Ich denke, wir gehen immer mit dem Ziel rein, das Spiel zu gewinnen – auch gegen den Ersten oder Zweiten.“ Möglich sei das, wenn die Mannschaft einen guten Tag erwische.

Bei seiner zweiten sportlichen Leidenschaft muss Fabian Servatius vorerst passen. Ab und an kickte er noch bei der Fußballreserve des FC Gerolzhofen, als Torwart. „Ich habe schon als Kind beides gespielt. Zuletzt war ich mehr ein Notnagel.“ Spätestens mit dem Wechsel nach Rödelsee sei klar gewesen, dass er damit erst einmal aufhört. Ins Tor würde er zur Not sogar in Rödelsee. „Wenn mich der Trainer dort aufstellt, spiele ich auch dort.“ Das dürfte so schnell nicht nötig sein.

Gelnhausens bekanntester Sportler ist ein Leichtathlet

Gute Erinnerungen haben die Handballer des TSV Rödelsee an ihren kommenden Gegner, den TV Gelnhausen. In der Vorrunde gelang ihnen beim Aufsteiger aus Südosthessen mit 32:27 der erste und bisher einzige Auswärtssieg dieser Saison. Bostjan Hribar erzielte elf Tore, aber der Slowene ist ja seit Dezember nicht mehr in Diensten der Rödelseer, die auf dem letzten Tabellenplatz stehen.

Gelnhausen befindet sich momentan noch in Reichweite des Schlusslichts, nämlich auf Rang 13 und damit auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Der Aufsteiger aus der 22 000-Einwohnerstadt zwischen Frankfurt und Fulda hat sich nach schwachem Saisonstart mit sechs Niederlagen aus den ersten sieben Spielen inzwischen gefangen, ließ vor allem mit dem Sieg in Dresden aufhorchen. Gelnhausen hat sechs Zähler mehr als die Rödelseer auf dem Konto und verlor zum Auftakt nach der Weihnachtspause mit 27:31 gegen den HSC Bad Neustadt.

Der Klub kooperiert mit dem Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, der unter anderem Jonas Müller und Moritz Zörb mit Zweitspielrecht für Gelnhausen ausgestattet hat. Der TVG gehörte bereits Ende der 80er Jahre und zuletzt von 2002 bis 2007 der zweiten Liga an. Der bekannteste Sportler, der für den TV Gelnhausen startete, war allerdings ein Leichtathlet: Harald Schmid. Der 400-Meter-Hürdenläufer gewann zwischen 1976 und 1990 etliche Medaillen für Deutschland und wurde zweimal Sportler des Jahres.

 

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