Kilian Ort aus Bad Königshofen ist einer der hoffnungsvollsten Tischtennisspieler Deutschlands. Der 18-Jährige hat 2014 ein ganz aufregendes und erfolgreiches Jahr hinter sich. Chronologisch betrachtet deutscher Jugendmeister, das Abitur gebaut, Jugend-Europameisterschaft in Riva del Garda/Italien, Olympische Jugendspiele in Nanjing/China, Jugend-Weltmeisterschaft in Shanghai/China, zwischendurch diverse Turniere in Brasilien, Portugal, Ungarn und Schweden. Schließlich mit dem TSV Bad Königshofen eine Rückrunde im ersten Jahr 2. Bundesliga Süd (als Dritter) und eine Vorrunde eingleisige 2. Bundesliga (als Sechster). Mittendrin die Abnabelung vom Elternhaus durch den Umzug nach Düsseldorf ins Bundesleistungszentrum des DTTB (Deutscher Tischtennisbund) in Düsseldorf.

Frage: Wie sieht ein normaler Trainingstag für Sie in Düsseldorf aus?

Kilian Ort: Montag, Dienstag und Mittwoch ist es eher etwas härter, und die Umfänge innerhalb des Trainings sind etwas größer. Wenn es aufs Wochenende zugeht, meistens hat man ja irgendeinen Wettkampf, ein Turnier oder ein Punktspiel, wird am Donnerstag und Freitag immer noch zwei Mal am Tag trainiert mit etwas geringeren Umfängen. Extrem ist es zum Beispiel am Dienstag. Da stehe ich so um acht Uhr auf, das ist ja noch eher human. Dann hole ich mir was vom Bäcker gegenüber, frühstücke und gehe dann zu Fuß, etwa sechs, sieben Minuten, zur Halle, wo um 9.30 Uhr das erste Training beginnt und bis 12 Uhr dauert. Zwischen rein nimmt man ganz gern mal die eine oder andere Massage. Dann isst man was, und um 15.45 Uhr beginnt die zweite Trainingseinheit, die bis 18 Uhr geht. Abends wird am Dienstag dann noch eine Stunde angehängt.

Wer trainiert Sie derzeit?

Ort: Das ist zum einen Benny Heister, der Trainer von Borussia Düsseldorf. Der kümmert sich aber mehr um die Spieler, die für Borussia Düsseldorf spielen. Für mich ist eigentlich mehr ein Chinese zuständig, der Assistenztrainer von Bundestrainer Jörg Roßkopf, Zhu Xiao Yeng vom Deutschen Tischtennisbund. Bei Lehrgängen kümmert sich der Bundestrainer aber auch um mich.

Wer sind die Trainingspartner?

Ort: Die Spieler von Borussia Düsseldorf, sowie die gesamte deutsche Nationalmannschaft. Timo Boll ist aber nicht so oft da. Duda, Mengel, Franziska, Walter, Steger und Ovtcharov, obwohl er für eine russische Mannschaft spielt.

Welche Turniere stehen neben den Bundesligaspielen mit deinem Heimatverein in den nächsten Monaten an?

Ort: Ende Januar werde ich ein Turnier der World-Tour in Ungarn spielen, das ist vergleichbar mit der Pro-Tour im Tennis. Dann folgen die bayerischen Meisterschaften, die German Open und die deutschen Meisterschaften.

Mitte Dezember sind Sie vom C- in den B-Kader aufgestuft worden, als einziger Spieler der Zweiten Bundesliga. Bedeutet das, dass sich das Tor zur Nationalmannschaft bald öffnet?

Ort: Davon bin ich schon noch ein gutes Stück entfernt. An einem guten Tag kann ich den Zweitschlechtesten, den Duda, vielleicht ein bisschen ärgern. Diese Aufstufung ist eher perspektivisch angelegt. Es gibt noch einige bessere Spieler als mich, die nicht drin sind. Die haben aber schon ein gewisses Alter und nicht mehr die Perspektive.

Welche drei Wünsche haben Sie für 2015?

Ort: Wenn sie sich nicht nur auf den Sport beziehen, wünsche ich mir, dass alle gesund bleiben, meine Familie, meine Mannschaft, auch meine Gegner. Man will ja immer gegen die Bestmöglichen spielen und sie schlagen. Ich hoffe natürlich auch für mich, dass ich etwas weniger von Verletzungen geplagt werde als 2014. Dann hoffe ich, dass wir einen guten Platz zum Abschluss in der Zweiten Liga haben, vielleicht vorne noch ein paar ärgern können und selber auf Platz drei oder vier hoch kommen. Das Potenzial sollte man haben, wenn man gegen den Ersten unentschieden spielt und gegen den Zweiten gewinnt. Und dass ich vielleicht ein Mal einen richtig guten Spieler schultere, einen so um Platz 100 in der Weltrangliste.

Die Abteilung des TSV Bad Königshofen überlegt natürlich Gedanken, ob und wie es mit oder ohne Kilian Ort weitergeht. Muss man sich darüber Gedanken machen, dass Sie mal nicht mehr da ist?

Ort: Erst vor kurzem habe ich mich mit Andreas Preuss, dem Manager von Borussia Düsseldorf unterhalten, wie meine Perspektive aussieht. Ich habe zurzeit ja nur eine 8:7-Bilanz im vorderen Paarkreuz. Meiner Meinung nach würde mir ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga nicht schaden. Liang Qiu, der ein Jahr älter als ich und immer so meine Kragenweite, hat mit Frickenhausen nur zwei Spiele in der Ersten Liga gewonnen. Das ist noch nicht das Wahre. Ich denke schon, dass ich nächstes Jahr noch in Bad Königshofen spielen werde, wenn sie mich noch wollen. Dann sehen wir mal weiter. Schließlich haben wir ja noch den Christoph Schüller als Königshöfer.

Und wenn nächste Saison heraus käme, dass der TSV in die Erste Liga aufsteigt und sich den Schritt auch zutraut?

Ort: Dann werde ich sicherlich nicht nein sagen. Aber ich glaube, das ist eher unwahrscheinlich.