FUSSBALL: BEZIRKSLIGA OST

Ein Torwart hört die Signale

Auf verschlungenen Pfaden findet Dominik Holzmann den Weg nach Geesdorf. Mindestens ebenso kurvenreich verläuft sein beruflicher Werdegang.
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Als einer der wenigen Auswärtigen hat sich Dominik Holzmann in Geesdorf rasch integriert. Foto: Foto: Stöckinger

Mancher Weg führt nicht immer geradeaus – im Leben wie im Sport. Für Dominik Holzmann trifft das in beiden Fällen zu. Seit diesem Sommer steht er als Torwart des Fußball-Bezirksligisten FC Geesdorf zwischen den Pfosten – weil Trainer Hassan Rmeithi ihn aus der Not heraus gerufen hat.

Etwas kurzfristig sei das Ganze im Sommer zustande gekommen. Nachdem sich Philipp Seufert nach einer Schulterverletzung und Louis Offner wegen eines Auslandsaufenthalts für einige Zeit abgemeldet hatten, erinnerte sich Rmeithi an Holzmann. Die beiden hatten sich eine Zeit lang zumindest sportlich etwas aus den Augen verloren. Quasi aus alter Verbundenheit sagte der Holzmann dem FC Geesdorf zu. „Unter Hassan als Trainer habe ich einst in der Jugend beim FC Haßfurt gespielt“, sagt der 26-Jährige. „Er hat mich kontaktiert, ob ich nicht Interesse hätte, Bezirksliga zu spielen.“

„Die Leute wissen, was sie am Verein haben. Das ist nicht überall so.“
Dominik Holzmann über das besondere Klima in Geesdorf

Ein Gespräch mit dem Trainer und Sportleiter Leo Weiglein ebnete den Weg zum neuen Verein, der für Holzmann nicht gerade der nächste ist. Er wohnt in Untertheres, 32 Kilometer entfernt; zuletzt hatte er für vier Jahre das Tor des Kreisligisten SG Eltmann gehütet, was für ihn auch nicht um die Ecke liegt. Bezirksliga spielte der Torhüter gleich nach der Jugendzeit bei der DJK Dampfach. Er war mit ihr aufgestiegen und kickte eine Runde oben.

Im 400 Einwohner zählenden Geesdorf gehört Dominik Holzmann zu den wenigen Auswärtigen in der Mannschaft. In diesem kleinen, fußballverrückten Dorf zu spielen stellte keine große Veränderung für ihn dar. „Untertheres hat auch bloß 870 Einwohner. In Eltmann hatten wir meist viel weniger Zuschauer, obwohl das eine Stadt ist.“

In Geesdorfs recht familiärer Umgebung gehörte der Neue nicht nur sportlich schnell dazu, obwohl er zuvor nur den Trainer und dessen Bruder Mohamed gekannt hatte. „Passt schon. Die Spieler sind größtenteils in meinem Alter, die Charaktere passen gut zusammen.“ Ihm gefällt die Atmosphäre, die rund um das Sportheim herrscht. „Da gibt es nur Feuerwehr oder Fußball. Die Leute wissen, was sie am Verein haben, sie ziehen an einem Strang, das ist nicht überall so.“

Nicht nur zum Fußball geht der Student dort, er bleibt auch gerne zu geselligen Anlässen sitzen. Bei Bedarf gebe es schnell eine Möglichkeit zum Übernachten. Ob Holzmann das Angebot dieses Wochenende zur Kirchweih wahrnehmen wird? „Weiß ich noch nicht. Ich trinke eh wenig, zudem sind es gerade mal 25 Minuten bis zu mir heim. Das ist nicht so dramatisch.“ Er weiß natürlich, dass es sich mit einem Heimsieg über Unterspiesheim diesen Samstag noch besser feiern ließe.

Was das Sportliche anlangt, so bekommt Dominik Holzmanns neuer Verein langsam die Kurve. Nach dem schwierigen Start in die Runde steht der FC auf Rang acht in der Bezirksliga Ost. „Jetzt läuft es einigermaßen, auch weil einige Verletzte wie Simon Weiglein wieder fit sind.“ In der verbleibenden Saison soll es weiter aufwärtsgehen bis ins vordere Mittelfeld der Klasse. Mehr werde diesmal nicht drin sein.

Beruflich war der Weg des 26-Jährigen ungewöhnlicher als der sportliche Werdegang. Nach seinem Quali, dem Abschluss an der Mittelaschule, machte Holzmann mit viel Eifer und Ehrgeiz zuerst eine Ausbildung und dann seinen Meister. Danach arbeitete er noch ein Jahr, bis er sich für ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens in Schweinfurt entschloss. Aktuell ist er im fünften Semester, das er zusammen mit seinem etwas jüngeren Bruder absolviert.

Der kickt in Untertheres – auf dem Feld, wo sich Dominik Holzmann anfangs auch versucht hatte. Ab der C-Jugend stellte er sich ins Tor. Ob er draußen mithalten könnte? Schon, sagt er, das gern benutzte Klischee des lauffaulen Torwarts treffe auf ihn nicht zu. „Von der Ausdauer her kann ich auf jeden Fall mithalten, da hatte ich noch nie Probleme.“

Beim FC Geesdorf wird er gerade eher im Tor gebraucht – dort werde er wohl auch bleiben. Erst einmal fertig studieren, lautet sein Plan, dann könne man neue Wege gehen. Sie müssen ja nicht immer geradeaus führen.

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