FUSSBALL: LANDESLIGA NORDWEST

Ein Ex-Profi übernimmt Abtswind

Nach der überraschenden Abschiedserklärung von Thorsten Götzelmann präsentiert Abtswind den Nachfolger. Der neue Trainer hat schon Uefa-Cup gespielt.
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Die Zweifel wurden immer größer: Thorsten Götzelmann macht in Abtswind als Trainer Schluss. Foto: Foto: Stöckinger

Im Januar war Thorsten Götzelmann noch voller Aufbruchsstimmung. Er lobte die „nachhaltige Arbeit“ beim TSV Abtswind, die ganz in seinem Sinne sei, und er zeigte sich gewillt, die „Entwicklung der Mannschaft“ fortzusetzen. Nun steht fest: Seine Mission beim Fußball-Landesligisten wird ein anderer weiterführen. Götzelmann hört nach dieser Saison als Trainer auf, obwohl er dem Verein vor vier Monaten grünes Licht für die weitere Zusammenarbeit signalisiert hatte. Sein Nachfolger wird der ehemalige Fürther Profikicker Petr Skarabela.

„Ich habe mir in den letzten Wochen immer wieder die Frage gestellt, ob ich guten Gewissens in die neue Saison gehen kann, um meine selbstgesteckten Ansprüche in Abtswind zu erfüllen“, wird Götzelmann in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert, die am Donnerstagabend um 21.07 Uhr per E-Mail bei der Redaktion einging. Die Kollision zwischen seiner Aufgabe als (nebenamtlicher) Trainer und seinen Pflichten als (hauptamtliche) Führungskraft der Nürnberger Polizei hat er in den hübschen Satz gepackt: „Ich habe festgestellt, dass mein Tag 48 Stunden haben müsste.“

Weil die Zeitrechnung aber in seinem Fall keine Ausnahme zulässt, kam er in den vergangenen Wochen zu einem Entschluss: dass Fußball und Beruf nicht mehr zueinanderpassen, sich ins Gehege kommen wie Lewandowski und Müller beim FC Bayern, wenn sie gemeinsam als Stürmer auf dem Rasen stehen.

Nicht immer pünktlich

Der Pressesprecher des Vereins, ein ehemaliger Zeitungsmann, hat das so politisch korrekt ausgedrückt, wie es dem eher direkt formulierenden Götzelmann kaum eingefallen wäre: Die zunehmende zeitliche Belastung mache es dem Rüdenhäuser unmöglich, weiter in vollem Umfang und mit der gebotenen Professionalität einen ambitionierten Landesligaklub wie den TSV Abtswind zu trainieren. Götzelmann selbst sagt auf Anfrage der Redaktion: „Ich habe ein gewisses Verständnis davon, wie man diesen Job macht. Aber wie will ich etwas vorleben, was ich selbst so nicht einhalten kann?“

Beispiel: pünktliches Erscheinen beim Training. Er verlange, dass die Spieler zur gewissen Zeit da sind. Dabei sei er selbst oft so unter Druck gewesen, dass er es gerade oder eben nicht rechtzeitig geschafft habe. „In der Wintervorbereitung habe ich gemerkt: Wenn ich ehrlich zu mir bin, muss ich sagen: Ich kann es nicht garantieren, künftig immer rechtzeitig da zu sein.“

Dazu hat sich im Lauf der vergangenen Wochen für seinen elfjährigen Sohn Patrick die Perspektive konkretisiert, zur kommenden Runde in den Nachwuchs des Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth zu wechseln. Götzelmann weiß, was da auf ihn und seine Frau zukommen werde. „Wir müssen ihn viermal in der Woche dahin fahren.“ Und er weiß, was künftig nicht mehr gehen wird: dreimal in der Woche als Trainer eines aufstiegswilligen Landesligaklubs auf dem Platz zu stehen und dazu jedes Wochenende auf der Bank zu sitzen. Also teilte er dem Abtswinder Klubmanager Christoph Mix vorige Woche seinen Entschluss mit.

Überrascht sei Mix gewesen, heißt es in der Pressemitteilung. Doch Götzelmanns Entscheidung deutete sich an, war schon länger in ihm gereift. „Wir bedauern dies sehr“, wird Abtswinds Manager zitiert. „Thorsten war von Beginn an sehr stark im Verein verwurzelt. Er war ein wichtiger, lebendiger Mosaikstein und nicht nur ein angestellter Trainer.“ Wegen seiner Loyalität und Integrität wolle der Verein ihn „weiterhin einbinden“, so Mix.

Götzelmann sieht seinen Platz auf einer „Position, in der es möglich ist, flexibel zu sein“, eine Art Libero, etwa als Sportkoordinator der ersten Mannschaft, die ihr Projekt Bayernliga-Aufstieg auch nächste Saison forcieren wird.

Skarabela wird Nachfolger

Bei der Nachfolge Götzelmanns ist der TSV Abtswind auf einen klingenden Namen gestoßen: Petr Skarabela. Der 48-Jährige trainiert seit vergangenen Oktober und noch bis Saisonende den von der Insolvenz betroffenen Bayernligisten FC Eintracht Bamberg. Der gebürtige Tscheche erlebte seine erfolgreichste Zeit als Profi von 1997 bis 2002 bei Greuther Fürth. Als Abwehrspieler in der zweiten Bundesliga bestritt er 127 Partien, in denen er 14 Tore erzielte.

In seiner Heimat, wo er ein Studium zum Wirtschaftsingenieur erfolgreich abschloss, wurde er 1991 mit Banik Ostrau tschechischer Pokalsieger. Im Jahr darauf spielte er im Uefa-Cup, ehe er mit 25 Jahren nach Deutschland zog. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung und habe ein gutes Gefühl. Der TSV Abtswind ist ein sehr gut geführter Verein mit Ambitionen“, wird er nun vom Verein zitiert.

Skarabela lebt in Neustadt/Aisch, etwa dreißig Kilometer von Abtswind entfernt. Manager Mix sagt über den neuen Mann auf der Bank: „Er kommuniziert sehr viel mit den Spielern entwickelt junge Akteure weiter, verwirklicht erfolgreich Spielideen und wird geschätzt für sein herausragendes Ausdauertraining, das auf spielerischen Elementen beruht.“ Nur weil er selbst Verteidiger war, heiße das nicht, dass Skarabela seine Teams ebenfalls nur defensiv agieren lässt. „Ich war ein offensiv denkender Abwehrspieler, habe immer meine Tore gemacht. Es geht mir als Trainer um attraktiven Fußball, zumal Abtswind spielstark ist.“

Und was sagt der neue Mann zu seinen Zielen? „Wir wollen in der Landesliga erneut vorne mitspielen. Wenn alles gut läuft, gelingt uns vielleicht der Aufstieg.“ Petr Skarabelas Vertrag gilt zunächst für eine Saison.

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