FUSSBALL: KREISLIGA 1 WÜRZBURG

Ein Duell bewegt die Massen

Es ist wieder so weit: Sonderhofen gegen Hopferstadt. Der SVS-Vorsitzende Jochen Müller über ein zeitloses Derby, begrabene Rivalitäten und eine Erinnerungslücke.
Artikel drucken Artikel einbetten
Dass der Fußball auf dem Dorf immer noch Massen bewegt, zeigt sich regelmäßig beim Derby zwischen Sonderhofen und Hopferstadt. Foto: Foto: Rausch

Beim SV Sonderhofen hoffen sie, dass sich diesen Samstag wieder manche Hundertschaft in Bewegung setzt und zu einer prächtigen Kulisse am Sportplatz beiträgt. Das Kreisliga-Treffen mit dem FC Hopferstadt mobilisiert traditionell die Massen. Keine acht Kilometer liegen die Fußballplätze der beiden Klubs auseinander, und man hat den Eindruck: Sie sind sich die vergangenen Jahre näher gekommen. Dieser Eindruck verfestigt sich im Gespräch mit Jochen Müller, einem der drei Vorsitzenden des SVS. Der 36-Jährige vermeidet vor der Begegnung die lauten Töne und spricht im Interview lieber über die Rolle des Trainers, talentierte junge Leute und den Stellenwert des Fußballs auf dem Dorf.

Frage: Auf der Facebookseite Ihres Vereins liest man: „Große Ereignisse werfen Ihre Schatten voraus.“ Sie wissen, was da gemeint ist?

Jochen Müller: Ja, natürlich, unser Derby am Samstag.

Ach, und wir dachten schon der groß angekündigte bayerische Abend mit Haxen und Hähnchen.

Müller: Der gehört natürlich auch dazu.

Aber das Derby steht schon eindeutig im Mittelpunkt.

Müller: Ja, klar. Dieses Fest nehmen wir an so einem Abend einfach dankbar mit. Es werden ja doch einige Zuschauer kommen, und da lassen wir das Spiel genüsslich ausklingen. Dadurch dass das Verhältnis der beiden Vereine im Moment wirklich gut ist, bietet es sich an, danach noch etwas zu feiern.

Wo ist denn die alte Rivalität geblieben?

Müller: Ha, die ist begraben – schon seit etlichen Jahren. Das mit Hopferstadt waren heiße Kämpfe, aber seitdem die Jugendlichen beider Vereine zusammen sind und als Spielgemeinschaft auftreten, ist das alles deutlich abgekühlt. Die jüngeren Spieler kennen sich gut, gehen gemeinsam weg. Das harmoniert wirklich. Ist ja auch gut so.

Von einer an sich gemäßigten Politikerin hört man dieser Tage, sie wolle dem Gegner ab sofort „in die Fresse“ geben – und Sie machen am Fußballplatz einen auf Kuschelkurs?

Müller: Wir brauchen auf dem Platz eine gesunde Rivalität, und natürlich wollen wir das Spiel gewinnen. Aber anschließend muss man sich wieder in die Augen blicken können und zusammen ein Bier trinken. Dann ist es gut.

Haben Sie als Spieler die heißen Zeiten noch erlebt?

Müller: Nein, solange ich spiele, ist das schon deutlich entspannter. Diese gegenseitige Abneigung zwischen beiden Klubs, dass man sich gar nicht riechen konnte und es richtig zur Sache ging, muss in den 1980er Jahren gewesen sein. Eine Zeit lang spielten die Hopferstädter auch höher als wir. Da ist man sich also gar nicht so oft begegnet.

Blickt man auf die Besucherzahlen, sind solche Begegnungen Feiertage. Vor zwei Jahren waren es gegen Hopferstadt mehr als 600.

Müller: Ja, da schaut mancher Landes- oder Bayernligist neidisch nach Sonderhofen.

Wie erklären Sie sich denn diesen hohen Zustrom?

Müller: Gute Frage. Ich denke, dass sowohl Hopferstadt als auch wir von Haus aus viele Zuschauer mitbringen. Im Derby kommen aus beiden Orten noch einmal mehr, und ringsherum entscheiden sich wahrscheinlich etliche lieber für das Derby als fürs Spiel der eigenen Mannschaft, zumal diese Derbys ja meistens recht ansehnlich sind.

Aber andere Vereine haben auch ihr Zuschauerpotenzial und schaffen es trotzdem nicht die Leute zu mobilisieren, so wie es im Ochsenfurter Gau nicht allein Sonderhofen gelingt.

Müller: Fußball hat hier noch einen hohen Stellenwert. Der Bezug ist auf dem Dorf einfach noch größer als in der Stadt, wo für den einzelnen mehr geboten ist. Das bestätigen einem die Leute auch, wenn man mit ihnen redet. Die kommen gerne zum Fußball, bleiben danach auch mal sitzen. Man isst noch was, trinkt noch was, unterhält sich. Bei uns ist das normal. Woanders musst du froh sein, wenn du nach dem Spiel noch was zu trinken bekommst.

In Sonderhofen kommt derzeit noch der sportliche Erfolg hinzu. Ihre Mannschaft ist als Aufsteiger immer noch ungeschlagen. Preisfrage an den Vereinsvorsitzenden: Wann hat Sonderhofen in der Liga zuletzt verloren?

Müller: Ich weiß noch, dass wir vergangenes Jahr gegen Bergtheim verloren haben, aber in der Relegation, das zählt nicht, oder?

Nein, in der Liga.

Müller: Also, ganz ehrlich, da muss ich passen.

Es war am 16. Mai 2016: 2:4 gegen den FC Iphofen im vorletzten Spiel der Kreisklasse.

Müller: Ja, jetzt, wo Sie es sagen. Da mussten wir noch um die Relegation zittern.

Anderthalb Jahre ungeschlagen zu bleiben kann ja kein Glück oder Zufall sein. Wie erklären Sie sich diese lange Phase des Erfolgs?

Müller: Ein ganz wichtiges Element ist unser Trainer Uwe Göb. Er macht nicht nur ein gutes Training, sondern schafft es immer wieder, die richtigen Worte zu finden. Wir haben zwar keinen allzu großen Kader, dafür hohe Qualität in der Mannschaft. Jede Woche fehlen im Moment durch Urlaub Spieler, aber elf, zwölf gute Leute kriegen wir immer auf die Reihe. Wenn ich Spieler sehe wie Marco Pregitzer, Felix und Philip Dopf, vorne Alexander Kreußer, unseren jungen Wilden, daneben einen Björn Seubert mit seiner Erfahrung – das ist eine echt tolle Mischung. Manche haben hier auch schon die Kreisliga mitgemacht. Das spürt man. Die sind in ihren jungen Jahren viel abgezockter als ein totaler Frischling. Irgendwie läuft die Sache. Es ist ja nicht so, dass wir uns durchwursteln.

Hätten Sie selbst mit solch einem Auftakt gerechnet?

Müller: Nein, dass wir als einzige in der Klasse noch ohne Niederlage dastehen, überrascht mich selbst. Ganz wichtig ist, dass wir kaum Gegentore kriegen. Einige Male haben wir schon zu null gespielt.

Könnte es auch daran liegen, dass Sonderhofen in Uwe Göb einen Trainer hat, dessen Wirkkreis zuvor im Taubertal lag und der die Kreisliga kaum kennt. Göb, so erzählt man sich, geht die Sache unbekümmert an, schaut weniger auf Gegner, sondern eher auf Stärken der eigenen Mannschaft.

Müller: Ja, da ist was dran. Er kennt den Großteil der Mannschaften und Spieler hier nicht und muss sich deswegen nicht nach diesem oder jenem richten. Wir schauen, dass wir unser Spiel durchziehen: kompakt stehen, auf Konter lauern und dann bei Bedarf schnell umschalten. Nach vorne haben wir Qualität. Natürlich kommt uns auch entgegen, dass wir als Aufsteiger nicht selbst das Spiel machen müssen.

Ihr Trainer sagte vor der Saison, Sonderhofen werde sich mit dem Aufstieg nicht verbiegen, sondern aufrecht seine Philosophie verfolgen: mit den eigenen Leuten etwas aufbauen.

Müller: Das ist hier seit je die Idee. Wir haben als Verein auch nicht die Möglichkeit, Spieler von auswärts zu holen und denen Geld zu geben. Wir versuchen es lieber mit den eigenen Leuten, auch auf die Gefahr hin, dass wir wieder nach unten fallen und nur noch in der Kreisklasse sind. Wer bei uns spielt, tut das aus Spaß, so wie ein Markus Körner, der vor der Saison aus Seinsheim zu uns gekommen ist. Das passt, und das haben wir anderen voraus: Wir sind hier ein eingeschworener Haufen. So etwas gibt es nur noch selten. Anderswo gehen sechs Spieler, und es kommen acht, wie soll da was wachsen?

Was glauben Sie, wie das gegen Hopferstadt ausgeht?

Müller: Die erste Niederlage würde ich am Samstag ungern hinnehmen. Ich tippe auf ein 3:1. Und auf 400 Zuschauer.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.