Abtswind
Fußball

Ein Abtswinder Hattrick zur besten Zeit

Mit drei Treffern in nur wenigen Minuten stoppte der eingewechselte Philipp Kutzenberger die Aufholjagd der Freien Turner in der Landesliga und beruhigte alle, die den TSV Abtswind schon auf den Spuren der DFB-Elf gesehen hatten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sebastian Otto vom TSV Abtswind setzt sich energisch gegen Schweinfurts Thilo Wilke durch.    Foto: Sterzbach
Sebastian Otto vom TSV Abtswind setzt sich energisch gegen Schweinfurts Thilo Wilke durch. Foto: Sterzbach
Auf der Fahrt nach Abtswind hatte Jochen Seuling den Gedanken: Warum ihn nicht zunächst auf der Bank belassen? Was als Geistesblitz geschossen kam, erwies sich als Sieg bringender Schachzug. "Am Samstag geht was", hatte Seuling seinen Stürmer Philipp Kutzenberger noch im Abschlusstraining ermutigt und sah nun seine Enttäuschung, als er ihm eröffnete, doch nicht von Beginn an zu spielen. Anderthalb Halbzeiten schaute sich Kutzenberger das Spiel von außen an, ehe er Mitte des zweiten Durchgangs zu seinem Einsatz gerufen wurde.
Als der bei seiner letzten Aktion verletzte Peter Mrugalla das Feld für den 26-jährigen Angreifer verließ, stand es 3:2 für Abtswind. Doch das Spiel schien gerade gegen die Hausherren zu laufen. Vier Tage zuvor hatte sich Fußball-Deutschland ein kleines schwedisches Trauma eingefangen, als es einen Vorsprung von vier Toren verwirkte. Sollte Ähnliches auch in Abtswind passieren? Trainer Jochen Seuling schickte die gleiche Formation wie zuletzt auf den Platz. Nach etwa einer halben Stunde brachte Jonas Wirth die Gastgeber mit einem feinen Schlenzer in Führung.

Mrugalla war kurz vor der Halbzeit nach einem Eckball zur Stelle und verwandelte die Überlegenheit der Seinen in ein zweites Tor. Der Vorsprung hätte nach den ersten 45 Minuten sogar höher ausfallen können, wenn Sebastian Otto nicht sowohl Pfosten als auch Latte getroffen hätte. Kaum hatten sich beide Kontrahenten auf dem Platz wieder eingefunden, schlug Michael Seuling mit einer Einzelaktion einen ersten Schweinfurter Aufstand nach dem Seitenwechsel nieder. "In der ersten Halbzeit lieferten wir eine gute Leistung ab und knüpften nach der Pause daran an. Nach dem 3:0 glaubte ich, die Sache sei gelaufen. Aber wir verloren den Faden", gab Seuling zu.
Mit einem Doppelschlag in nur einer Minute brachte Thilo Wilke die nach jedem Ball aggressiv grätschenden Freien Turnier zurück ins Spiel.

"Im Gefühl eines sicheren Sieges dachten wir, einen Schritt weniger machen zu dürfen. Die Spieler versuchen dann Dinge, die sie eigentlich nicht können. Doch es ist fatal, einen Gegner, der nichts mehr zu verlieren hat, noch einmal aufzubauen", analysierte Seuling jene Minuten, als der Erfolg plötzlich wieder auf der Kippe stand. Er dachte dabei weniger an das Länderspiel, sondern an die von Abtswind aus der Hand gegebenen Heimspiele gegen Pettstadt und Leinach und wurde an der Seitenlinie lauter als gewöhnlich. Auch Torhüter Jan Nirsberger versuchte nach einer Glanzparade gegen ein Solo von Marcel Hartmann die Mitspieler aufzuwecken.

Schließlich gelang es dem eingewechselten Kutzenberger, der seine anfängliche Enttäuschung über die Nichtnominierung in positive Energie umgewandelt hatte, mit seinem ersten Ballkontakt die Weiche zurück auf Sieg zu stellen. Nachdem sich Otto nach eigener Balleroberung auf rechts durchgesetzt hatte, legte er quer auf den im Zentrum lauernden Mitspieler - der schob ein. Abtswinds viertes Tor ließ bei den Gästen die Hoffnung auf die Ergebniswende wie eine Seifenblase im Wind zerplatzen.

Als Albert Fischer Otto mit einem Steilpass geschickt hatte, legte jener erneut uneigennützig quer auf den besser postierten Kutzenberger - der schob ein. Einmal in Fahrt geraten, konnte ihn kein Schweinfurter mehr stoppen. "Kutze", der niemals müde, wenn auch lange Zeit unbelohnte Arbeiter im Abtswinder Angriff, erhöhte seine Ausbeute sogar auf einen Hattrick. "Nach dem vierten Tor glaubten wir wieder an uns selbst. Wir wollten diesen Sieg unbedingt haben, so dass uns niemand einreden kann, zu Hause nicht mehr gewinnen zu können", erklärte Seuling später. "Außerdem wollten wir mit einem Erfolgserlebnis nach Kitzingen fahren", gab er zu. Denn das Landkreisderby am nächsten Samstag warf seinen Schatten voraus. Während Wolfgang Schneider letzte, eindrucksvolle Erkenntnisse aus Abtswind mitnahm, wohnte auch Jochen Seuling den Bayern am Sonntag in Lengfeld bei.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren