FUSSBALL: LANDESLIGA NORD

Drei Familien und ein Märchen

Der kleinste Landesliga-Standort in Geesdorf hat seinen kometenhaften Aufstieg einem verschworenen Haufen zu verdanken. Hinzu kam vor sieben Jahren ein „Glücksgriff“.
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Die Hand an der Geesdorfer Meisterschale haben (von links): Vorsitzender Harald Kober, Vizevorsitzender Christian Hahn, Schriftführer Siegbert Ott, Jugendleiter Martin Hahn und Sportleiter Leo Weiglein. Zum Vorstand gehört auch Kassier Erhard Hahn Hess Foto: Foto: Hartmut

Ein 380-Seelen-Dorf in der Landesliga, es ist eine Geschichte aus der Sparte Fußball-Märchen. Die Erfolgsstory, die den kleinen FC Geesdorf mit seinen 200 Mitgliedern zur Nummer 2 des Fußballs im Landkreis Kitzingen hat werden lassen, stammt indes nicht aus Tausend-und-einer-Nacht. Der kometenhafte Höhenflug ist vielmehr gelebten Tugenden wie Bodenständigkeit und Kontinuität zu verdanken.

Die Geesdorfer tragen eine besondere DNA in sich, die so gar nicht in eine Welt passen will, in welcher der schnöde Mammon regiert und auch in höheren Amateurfußball-Klassen die Finanzkraft eine gewichtige Rolle spielt – frei nach der Redewendung: Geld schießt doch Tore. „Wenn man so will“, sagt Leo Weiglein, „nehmen bei uns seit Jahrzehnten drei Familien die wichtigsten Rollen ein.“

Weiglein selbst wirkt seit nunmehr 27 Jahren als Sportleiter. Die Familienclans der Weigleins, Kobers und Hahns bilden seit Jahrzehnten tragende Säulen des Vereins und vererben Posten teilweise. Robert Kober war 24 Jahre Vereinsvorsitzender, ehe die Mitglieder des FC im Jahr 2011 seinen Sohn Harald zum Nachfolger wählten. Wie hoch die Kontinuität beim Verein im Wiesentheider Ortsteil ist, zeigt eine Tatsache überdeutlich: In den 57 Jahren des Bestehens hatte der Klub erst vier Vorsitzende.

Weiglein dürfte weit und breit der Sportleiter mit der längsten Amtszeit sein, und aktuell ist sein Sohn Simon Weiglein sein Stellvertreter. „Da sich niemals ein Nachfolger für mich aufgedrängt hat“, sagt Leo Weiglein, „ist es nicht auszuschließen, dass Simon meine Position übernimmt und ich bis dahin noch ein paar Jahre anhängen muss.“ Schriftführer Siegbert Ott ist ebenfalls seit 27 Jahren auf seinem Posten und Erhard Hahn seit 22 Jahren für die Finanzen verantwortlich.

Seit Harald Kober im Jahr 2011 den Vorsitz übernommen hat, steht ihm Christian Hahn als Stellvertreter zur Seite. Schon 30 Jahre amtiert Martin Hahn als Jugendleiter – und er wirkt alles andere als amtsmüde. Als Stellvertreter geht ihm Andreas Hahn zur Hand. In der personellen Kontinuität auf Funktionärsebene zeigt sich ein ein Alleinstellungsmerkmal des Vereins, das dem Anschein nach auf die Fußballer durchschlug. „Der Slogan auf unserer Homepage Meine Heimat, mein Verein beschreibt unsere strategische Ausrichtung bestens“, so Leo Weiglein.

„Man kann schon von einer goldenen Generation sprechen.“
Leo Weiglein, Sportleiter des FC Geesdorf

„Man kann schon von einer goldenen Generation sprechen“, sagt der Sportleiter mit Blick auf viele Kicker aus den Geburtsjahrgängen um 1990 herum. Die Jungs gingen durch die Schule Martin Hahns, spielten später mit der DJK Wiesentheid höherklassig, und noch heute verstärken Geesdorfer Talente die Jugend-Teams des TSV/DJK Wiesentheid. Was die Jungs vorgelebt bekamen, haben sie längst verinnerlicht. Lockrufen des Geldes gegenüber blieben sie immun, Angebote anderer Klubs schlugen sie aus. Der FC ließ sich auch von schlechten Phasen – Tiefpunkt war im Jahr 2005 der Abstieg in die A-Klasse – nie entmutigen. Als die goldene Generation nach und nach zu den Aktiven aufrückte, ging es fortan nur noch aufwärts.

2009 feierten die Geesdorfer ihren ersten Meistertitel und den Aufstieg in die Kreisklasse. Fünf Jahre später glaubten sie sich mit dem Sprung in die Bezirksliga im siebten Fußballer-Himmel. Als „unfassbar“ stuften die Protagonisten den Erfolg damals ein. Doch unter ihrem Spielertrainer Hassan Rmeithi war auch das noch nicht das Ende.

Diesen Sommer schafften sie den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte als Klassenprimus der Bezirksliga Ost sowie der Versetzung in die Landesliga Nordwest. Die Erfolgsmannschaft rekrutierte Geesdorf zu einem Großteil aus Eigengewächsen, denen Hassan Rmeithi den richtigen Schliff gab. Er formte und entwickelte eine homogene Mannschaft, die ein verschworener, höchst erfolgreicher Haufen ist, der heute die Landesliga rockt.

„Die Rmeithis“, sagt Leo Weiglein, „waren Glücksgriffe für uns.“ Im Jahr 2011 hatte der Spielertrainer gemeinsam mit seinem Bruder Mohamed in Geesdorf angeheuert. Die Libanesen waren 1997 nach Deutschland gezogen, können in Geesdorf ihren Spaß am Fußball ausleben. Der 32-Jährige geht mit Geesdorf in seine achte Trainersaison. Inzwischen wohnt er auch dort, nachdem der Verein ihm eine passende Wohnung besorgt hat.

Obwohl in Geesdorf kein Spieler bezahlt wird, hat Rmeithi es in den vergangenen Jahren dank seiner guten Verbindungen geschafft, weitere Spieler in den Wiesentheider Ortsteil zu holen. „Mit neuen und jungen Leuten, die sich höherklassig entwickeln wollen, verfolge ich derzeit eine interessante Aufgabe“, erläutert der Spielertrainer, der sich in Geesdorf bestens aufgehoben fühlt.

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