FUSSBALL: BEZIRKSLIGA

Draufhauen will in Dettelbach keiner

Dettelbachs erste und zweite Mannschaft marschiert weiter im Gleichschritt. Nach dem gemeinsamen Aufstieg sind beide momentan Tabellenletzter ihrer Klasse. Was sind die Gründe?
Artikel drucken Artikel einbetten
Thomas Freunds Momentaufnahme passt zur augenblicklichen Situation bei den Fußballern von Dettelbach und Ortsteile. Foto: Foto: Hans Will

Vor gut vier Monaten feierten die Dettelbacher Fußballer noch den Doppelaufstieg – die erste Mannschaft schaffte als Kreisliga-Meister den Sprung in die Bezirksliga, die Reserve besiegte in der Relegation die favorisierten Randersackerer und kickt nun in der Kreisklasse. Damals wie heute eint beide das gleiche Schicksal. Nur diesmal halten sie die rote Laterne. Dass die Saison schwer werden würde, war den Verantwortlichen klar. Dass sich die Situation nach mehr als einem Drittel der Spielzeit so dramatisch darstellt, war hingegen kaum absehbar. Und den Übungsleitern Thomas Freund (DuO I) und Kurt Amrein (DuO II) sind die Hände gebunden. Denn Besserung ist erst einmal nicht in Sicht.

Groß war die Freude in Dettelbach und seinen Ortsteilen. Endlich war dem Aushängeschild nach vier Jahren Aufstiegskampf die Versetzung in die Bezirksliga gelungen. Waren die Schwarz-Weißen 2015 noch äußerst unglücklich in der Relegation gescheitert, setzte sich die Elf von Thomas Hofmann und Tim Reiner im Mai souverän die Meisterkrone auf. Wenige Wochen später zog auch die Reserve in der Relegation gegen die SG Randersacker nach und stieg in die Kreisklasse auf. Das gemeinsame Glück war perfekt, und die Feierlichkeiten kannten keine Grenzen.

Doch dieser Freudentaumel ist mittlerweile Geschichte. Denn die Dettelbacher sind hart auf dem Boden der Realität gelandet – mit beiden Mannschaften. Zwar waren sich die Verantwortlichen der Schwere der Aufgabe bewusst – auch mit dem mahnenden Beispiel des Nachbarn SC Schwarzach im Hinterkopf, unterschätzt haben sie diese scheinbar aber dennoch. Bereits im Winter wurde frühzeitig die Trennung vom erfolgreichen Trainerduo Hofmann/Reiner, das mittlerweile in Kitzingen arbeitet, verkündet. In deren Sog verließen mit Tom Reiner, Marcel Geitz, Dominik Hammer und Jakub Phouthavong vier weitere Stammspieler den Verein. „Die Mannschaft hat unglaubliche Qualität verloren“, urteilt der neue DuO-Übungsleiter Thomas Freund, der keine adäquaten Ersatz für diese Verluste bekam.

Überdies verlief auch die Saisonvorbereitung alles andere als optimal. Dennoch brachten seine Kicker, die er, wenn der aktuelle Kader komplett ist, für bezirksligatauglich hält, besonders in den ersten Begegnungen ihre Leistung und sammelten in den ersten vier Spielen bereits sechs Punkte. Sogar ungeschlagen war der Neuling bis dahin, ehe das Schicksal seinen Lauf nahm. „Mir brachen Woche für Woche Spieler aus unterschiedlichsten Gründen weg. Das war schlicht nicht zu kompensieren“, berichtet Freund. Aktuell fehlen dem Trainer sechs Akteure, die noch beim Sieg in Bergrheinfeld, dem bisher einzigen, zur Verfügung standen.

Sieben Niederlagen setzte es in den vergangenen acht Duellen. Nur gegen Münnerstadt reichte es zu einem Punktgewinn. Dabei waren die Dettelbacher freilich selten chancenlos. Neben der fehlenden Qualität und Breite im Kader mangelte es allerdings auch an der Chancenverwertung. So wäre gegen die direkten Konkurrenten aus Altbessingen oder jüngst gegen Unterspiesheim mehr drin gewesen, aber es fehle ein Knipser wie Tim Reiner es war, der vergangene Saison 24 Tore machte.

Aktueller Dettelbacher Toptorschütze ist Lukas Schimmer mit vier Treffern. „Das geht natürlich an die Nieren und zehrt an den Nerven, aber wir bleiben positiv. Draufhauen bringt nichts“, so Freund, der seiner Mannschaft einen herausragenden Charakter attestiert. Denn sie stecke das bisher sehr gut weg, und keiner maule den anderen an. Die Truppe sei intakt und gefestigt und werde auch diese Situation überstehen.

Wie sie das wird, wird sich möglicherweise schon in den kommenden Wochen zeigen. Denn neben den Topteams aus Oberschwarzach und Schweinfurt warten mit Krum, Münnerstadt, Bergrheinfeld und Rödelmeier vier Kontrahenten, gegen die gepunktet werden muss. „Uns ist bewusst, was die Stunde geschlagen hat. Wenn wir noch einmal zurückkommen wollen, dann in diesen Spielen“, weiß Freund um die Wichtigkeit der nächsten Auftritte. Die Hoffnung auf ein Erfolgserlebnis, das die nötigen Kräfte für den Klassenerhalt freisetzt, ist größer denn je.

Diese hätte auch Kurt Amrein, Trainer der Reserve, gerne noch. Denn seine Schützlinge hatten diese wichtigen Duelle in den Vorwochen schon. Hinterenander spielte das „kleine“ DuO gegen Mainbernheim, Biebelried und Marktbreit-Martinsheim. Trotz leichter Verbesserungen setzte es drei Niederlagen, zwei davon ziemlich unglücklich. Gegen die Bärenstädter führte der Aufsteiger und kassierte in der letzten Minute das 1:2. In Martinsheim setzte es erneut in der Schlussphase nach Führung den K.O. Damit steht nach zehn Spieltagen noch immer die Null auf dem eigenen Punktekonto.

Im Gegensatz zu den anderen Partien war die immer wieder neu zusammengewürfelte DuO-Elf in diesen Duellen aber konkurrenzfähig. Zuvor war das meist nicht der Fall. Große Vorwürfe kann und will Amrein den Seinen aber nicht machen. Woche für Woche kämpft der Übungsleiter darum, überhaupt elf Spieler zusammenzubekommen. Denn die personelle Lücke in der ersten Mannschaft versuchen aktuell seine Leistungsträger des Vorjahres wie Maximilian Thomaier oder Benjamin Link zu schließen. So spielen in Dettelbachs Reserve aktuell Spieler, die die Fußballschuhe eigentlich schon an den Nagel gehängt hatten: Amrein selbst, DuO-Vorstand Peter Schimmer, Sebastian Hering oder Sebastian Pfost.

Trotz der misslichen Lage und geringer Aussicht auf Besserung lobt auch Amrein den Zusammenhalt im Verein und die Ruhe im Umfeld, ebenso wie die gute Zusammenarbeit mit seinen Trainerkollegen Freund und Daniel Rügamer. „Wir müssen jetzt gemeinsam das Beste aus der Situation machen und den Kopf oben halten“, bleibt Amrein positiv, immer mit der Sehnsucht nach einem Erfolgserlebnis.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.