FUßBALL-MEISTER 2018/19 (II)

Die Punktlandung des Oliver Koch

Warum der Castell-Wiesenbronner Spielertrainer gleich einen doppelten Feiergrund hatte und die Anreise ziemlich lange dauerte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Spielertrainer Oliver Koch wies der SG Castell/Wiesenbronn den Weg in die Kreisliga. Foto: Foto: Hans Will

Den Tag, an dem die Fußballer der SG Castell/Wiesenbronn als Meister der Kreisklasse 2 Schweinfurt durchs Ziel gingen, wird Oliver Koch gut und lange im Gedächtnis behalten. Für den Spielertrainer wurde es eine richtige Punktlandung, die er zum Heimspiel seiner Mannschaft am vorletzten Spieltag gegen Rimbach/Lülsfeld hinlegte. Ein Sieg, so viel wusste er, würde seinen Mannen den Titel und den Aufstieg bescheren. Koch musste sich beeilen, um dabei zu sein, wie er erzählte.

In den Tagen zuvor hatte er sich mit seiner Frau Margarete auf Hochzeitsreise befunden, die das Paar bewusst Ende April bis Anfang Mai geplant hatte, um bei einer späteren Relegation da zu sein. „Die Situation war schon komisch, wir kamen am Spieltag aus Mauritius zurück. Ich bin direkt vom Flughafen zum Sportplatz nach Wiesenbronn, zum Glück war kein Stau auf der Autobahn. Kurz nach der Halbzeit kam ich an, wir führten schon 2:0, mein Co-Trainer Bastian Hartmann und die Jungs haben das super gemacht. Nach Schlusspfiff konnten wir richtig feiern, und das auch noch daheim, das war etwas richtig Schönes“, erzählt Koch.

„Wir haben viel geredet in dieser Phase.“
Oliver Koch mit Blick auf die schlechte Wintervorbereitung

Zwei Jahre zuvor in der A-Klasse war die SG praktisch auf dem Sofa Meister geworden, weil die Kontrahenten Punkte ließen. 6:1 hieß es am Ende, später ging die fröhliche Fahrt mit dem Traktor über die umliegenden Orte nach Castell, wo es eine lange Nacht werden sollte. „Die Woche darauf hatte ich zum Glück noch Urlaub“, sagt Koch. Im letzten Rundenspiel war die Luft zwar raus, es gab eine 1:3-Niederlage in Heidenfeld. Aber das störte beim Meister keinen mehr. Das vor der Runde ausgegebene Ziel war erreicht. „Meister zu werden ist immer schön. Wir hatten als Ziel ausgegeben, dass wir es schaffen wollen. Ich bin erleichtert und stolz, dass es geklappt hat. Jeder ist froh dass wir jetzt Kreisliga spielen“, sagt der 28-jährige, der aus Castell stammt und nun in Buchbrunn wohnt.

Eine konstante Saison war der Garant des Erfolgs. Die SG hatte die beste Abwehr mit nur 20 Gegentoren und dazu 90 Treffer erzielt, der zweitbeste Ligawert. Lange Zeit stand lediglich eine Niederlage auf dem Papier, die hatte es gleich am zweiten Spieltag beim 3:5 gegen Gochsheims Reserve gegeben. Der frühe Dämpfer wirkte, im Vorjahr hatte sich Kochs Mannschaft mit einem schlechten Start bereits viel Wind genommen. Genau das sollte diesmal vermieden werden. „Danach war ich extrem angefressen, ich zweifelte kurz. Aber dann haben wir uns besonnen und Reaktion gezeigt.“

In der Winterpause folgte ein weiterer Moment, der zum Nachdenken anregte. „In den fünf Vorbereitungsspielen bekamen wir 20 Gegentore, das war extrem und hat gewurmt“, sagt der Spielertrainer. Fortan wurde mehr Wert auf Abwehrarbeit gelegt, das zahlte sich aus. „Wir haben viel geredet in dieser Phase. Letztlich war es entscheidend, dass wir nicht mehr so offen spielten.“

Ein Beispiel der defensiven Stärke sollte das „Endspiel“ beim Hauptkonkurrenten TSV Grettstadt werden. Dort reichte der SG ein einziger Treffer zum Erfolg, der die Weichen endgültig auf Meisterschaft stellte. „Danach merkten wir, dass wir kurz vor dem Ziel stehen.“ Die Mannschaft zeigte auch dank einiger erfahrener Kräfte keine Nerven und legte sechs Siege in Folge hin – bis zum Titel. Der Zusammenhalt passe, der Altersdurchschnitt auch – von ganz jung bis zum erfahrenen Haudegen habe man alles dabei. „Es funktioniert gut und macht mir wirklich Spaß. Wo gibt es das noch, dass man nach dem Training auch mal bis Mitternacht zusammensitzt?“, sagt Koch.

Wer aus seiner Truppe den größten Anteil am Erfolg habe? Da ziert sich der Spielertrainer mit einer Antwort. Gut, ein Tobias Gnebner habe 43 Tore in der Runde erzielt, übrigens zum dritten Mal hintereinander genau die selbe Anzahl. „Das ist verrückt. Natürlich sind wir froh, dass wir ihn haben.“ Aber ohne die Vorbereiter treffe auch er nicht so, Andi Herrmann etwa gab 30 Vorlagen zu Toren, Thomas Gaubitz oder Patrick Paul seien da ebenso wichtig gewesen. Doch gerade die Leute aus der zweiten Reihe hätten eingeschlagen. Schließlich habe man in Matthias Fuchs, Pascal Paul oder Koch selbst einige Stammkräfte länger ersetzen müssen.

Bereits jetzt blickt Koch gespannt auf das Kapitel Kreisliga. Mitte Juni starte das Training. „Wir haben jetzt schon einige, die freiwillig laufen gehen. Im Vorjahr konnte ich nicht oft spielen wegen einer Verletzung, diesmal möchte ich auch fit sein“, so der 28-jährige. Derzeit fährt er mit dem Fahrrad nicht nur zur Arbeitsstelle. In der neuen Klasse traut er seinen Kickern zu, mitzuhalten. Worauf es jetzt ankomme? „Den Schwung mitnehmen, Gas geben, alle müssen an einem Strang ziehen. Natürlich sind es andere Gegner. Aber ich bin sicher, dass wir bestehen“, sagt Koch mit Blick auf sein viertes Trainer-Jahr bei der SG.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.