FUSSBALL: RUNDER TISCH

Die Kickers als erhofftes Zugpferd

Seit Jahren versucht der Verband neue Schiedsrichter zu werben – bisher erfolglos. Jetzt könnte der Aufstieg der Würzburger Kickers das Problem lindern.
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An fünf Fingern kann Bezirksvorsitzender Jürgen Pfau die Zahl der Schiedsrichter in Unterfranken zwar noch nicht abzählen, aber das Problem wird drängender. Foto: Foto: Jürgen Sterzbach

Zum Runden Tisch hatte der Bayerische Fußball-Verband geladen, und im Biebelrieder Sportheim empfingen Fußball-Bezirksvorsitzender Jürgen Pfau und der Würzburger Kreisvorsitzende Marco Göbet ganze zwölf Vereinsvertreter, die dem Aufruf zu der offenen Rederunde gefolgt waren. „Ich hätte mir gewünscht“, so hob Pfau an, „dass der ein oder andere mehr gekommen wäre.“

Neugierig sei er, sagte Walter Meding vom Ochsenfurter FV, „ob diejenigen, die auf den Plätzen draußen meckern, auch hier sind“. Doch seine ernüchternde Erkenntnis: Kein einziger sei gekommen. Vielleicht hätten sich ja einige mehr auf den Weg gemacht, hätten sie gewusst, dass in der Einladung des Verbands Essen und Trinken inklusive waren.

Themen, welche die Klubvertreter zur Sprache brachten, überraschten nicht: Finanzielles und Rechtliches. „Also reden wir übers Geld“, erklärte Pfau.

„Wer zusätzliche Kosten verursacht, soll dafür zahlen“, sagte er zur Diskussion, warum ein erstmals ausgestellter Spielerpass nichts koste, ein wegen Vereinswechsels zu ändernder Pass aber gebührenpflichtig sei; allein durch Vereinswechsel komme rund eine Million Euro im Jahr zusammen. Dass das Prinzip berechtigt sei, fand Vorsitzender Bernd Horak vom TSV Rottendorf. „Es gehört viel Fleiß und Einsatz für einen Verein dazu, zahlreiche Jugend-Mannschaften zu organisieren.“ Dass in den kleinen Vereinen wertvolle Basisarbeit geleistet werde, sei auch in München bewusst: „Nur dadurch sind die Erfolge im höheren Bereich erst möglich“, stellte Pfau fest.

Beim Spielerpass wies er auf die in Unterfranken noch wenig genutzte Möglichkeit hin, Spielerfotos online hochzuladen und sich das Mitführen der Passmappe zu ersparen. Manche Vereine hätten Bedenken, für die der vormalige Schiedsrichter Verständnis zeigte: „Wir sind noch dabei, es allen Schiedsrichtern mitzuteilen, dass die Mappe tatsächlich nicht mehr erforderlich ist.“

Denn wer innerhalb drei Tagen keine Spielberechtigung nachweisen könne, riskiere Spielwertung, Punktabzug und Geldstrafe. Nicht jede Gebühr behebe allerdings ihre Ur-sache. Mit Blick auf die Ausfallgebühren der Vereine wegen fehlender Unparteiischer gab Horak zu bedenken: „So wird das grundsätzliche Problem nicht gelöst – denn Geld pfeift keine Spiele.“ Er regte die Kollegen an, Unparteiische schon im eigenen Verein besser zu integrieren.

„Eine gute Idee, aber dazu braucht man wieder einen Mann mehr, den es leider meist nicht gibt“, erwiderte Claus Bidner von der SpVgg Gülchsheim. Pfau erhofft sich einen Schub vom Aufstieg der Würzburger Kickers in die zweite Bundesliga. „Schiedsrichter dürfen Bundesliga-Spiele kostenlos besuchen. Das ist ein Anreiz, den es in Nürnberg oder München schon die ganze Zeit gibt.“ Auch deshalb gebe es mehr Schiedsrichter dort.

Enttäuscht berichtete Walter Meding, dass – bis auf drei Fußballer aus Bibergau – niemand das Angebot der Schiedsrichtergruppe zur Ausbildung von Vereins-Schiedsrichtern genutzt habe, um in den untersten Klassen Heimspiele der eigenen Mannschaft pfeifen zu können. Stefan von Sohl vom SV Waldbrunn mahnte sogar an, die Vereine noch mehr in die Pflicht zu nehmen. „Das Problem wird die nächsten Jahre noch dramatischer“, befürchtete Michael Rapsch von der SG Randersacker. Auf den Sportplätzen fehle die Generation der 30- bis 50-Jährigen. „Die Spieler hören auf, und dann siehst du sie nie wieder“, klagte Rapsch.

Bidner stellte überdies ein nur geringes Interesse der Klubs fest, zur Lösung des Schiedsrichtermangels beizutragen. „Das Thema wird auf jeder Sitzung groß und breit besprochen, aber es interessiert einfach keinen.“ Alle Anwesenden stimmten ihm hier zu. Burkhard Straßberger von Bayern Kitzingen regte an, die Altersgrenzen der Schiedsrichter in höheren Ligen zu erhöhen: „Die Anreize für gute Spieler sind einfach zu gering, da sie fast keine Chance mehr haben, noch einmal in einer höheren Klasse zu pfeifen.“

Bei der Vielzahl von Themen waren zwei Stunden schnell vorbei, aber selbst in dieser kurzen Zeit wurde ersichtlich, dass durch den Austausch in lockerer Runde das Verständnis für die Not der Vereine einerseits und die Notwendigkeiten des Verbands andererseits wachsen kann. Für Pfau sind „diese Gespräche wichtig. Wir wollen und müssen hören, was los ist in den Vereinen.“

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