FUßBALL: Relegation

Die Angst des Schützen gegen Zayc

Nach einer Saison und drei Relegationsspielen schafft der VfR Bibergau die Rückkehr in die Kreisklasse. Einen großen Anteil daran trägt der Torwart.
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Ein Bild mit Symbolcharakter für den VfR Bibergau: Matthias Zayc' pariert einen (von sechs) Elfmetern und befördert seine Mannschaft in die Kreisklasse. Foto: Foto: Foto2press/Frank Scheuring

Es gibt Geschichten, die nur der Fußball schreibt: Der VfR Bibergau war nach der 0:6-Klatsche gegen Sommerhausen auch in den vergangenen beiden Relegations-Duellen die spielerisch unterlegene Mannschaft. Die Kontrahenten des SV Waldbrunn II und FV Maintal hatten mehr Ballbesitz und auch die Mehrzahl an Chancen, brachten das Leder aber nur jeweils einmal im Bibergauer Gehäuse unter. Neben der fehlenden Kaltschnäuzigkeit lag das vornehmlich an VfR-Schlussmann Matthias Zayc, der in beiden Spielen einen Sahnetag erwischte.

Der 28-Jährige war seiner Mannschaft, die unermüdlich um jeden Ball kämpfte, aber dennoch einige Lücken im Deckungsverbund offenbarte, stets ein sicherer Rückhalt. Gegen Waldbrunn brachte er SV-Torjäger Sebastian Robanus und Spielertrainer Frank Schwing mit tollen Paraden beinahe zur Verzweiflung. Nur in der letzten Minute der regulären Spielzeit war er gegen Robanus machtlos. Der Kreisklassist drückte, scheiterte aber immer wieder an Zayc. So auch in der 119. Minute, als der Würzburger einen eigentlich unhaltbaren Kopfball Michael Schrauts noch aus der Ecke fischte. „Wie er den gehalten hat, frage ich bis heute noch. Die Parade war sensationell. Den habe ich schon drin gesehen“, spricht VfR-Trainer Bernd Siller immer noch ungläubig über die wohl entscheidende Szene des zweiten Relegationsspiels.

Denn vollgepumpt mit Adrenalin hielt Zayc im darauffolgenden Elfmeterschießen drei der vier Waldbrunner Strafstöße und öffnete das Tor zur Kreisklasse ein weiteres Stück. Zwar hatte er dann im entscheidenden Duell gegen Maintal deutlich weniger zu tun, war aber bei Fernschüssen und Flanken stets zur Stelle. Lediglich bei Wolfgang Bayers Abschluss aus sechs Metern blitzte bei einer Fußabwehr seine ganze Klasse auf. Nur Felix Heppenstiel überwand den Schlussmann mit einem Traumtor in den Torwinkel. Dass aber jeder Tüchtige auch noch das Glück anzieht, soll nicht verschwiegen werden. Beispielsweise als sein Kollege Simon Ringelmann im Spiel gegen Maintal auf der Linie klärte und Wolfgang Bayer aus drei Metern Entfernung in der Nachspielzeit ebenso weit über den Kasten schoss.

Es war nicht Bayers Tag, der in der Verlängerung erneut an Zaycs Reaktionsfähigkeit scheiterte und hernach im Elfmeterschießen noch einmal. Denn vom Punkt gelang es dem Schlussmann zum zweiten Mal binnen fünf Tagen drei Strafstöße des Gegners zu entschärfen. „Das war der Wahnsinn. Wir haben danach gescherzt, dass er die Elfmeter auch hätte festhalten können“, schmunzelt VfR-Trainer Bernd Siller einen Tag nach dem Aufstieg, der ohne Zayc wohl nur ein Traum geblieben wäre.

Und was ist das Erfolgsgeheimnis? „Ich schaue den Schützen direkt in die Augen und bleibe solange als möglich stehe.“

Dabei stand der Einsatz des 28-Jährigen, der in beiden Relegationsspielen über sich hinauswuchs, zunächst nicht fest. Zwar war der Würzburger lange Zeit die unangefochtene Nummer eins im Bibergauer Gehäuse, leistete sich aber in den ersten Spielen des neuen Jahres einige Aussetzer, so dass Heiko Kunzmann vermehrt zwischen den Pfosten stand. „Er hatte eine schwächere Phase. Da habe ich ihn mehrmals draußen gelassen, um ihn zu kitzeln. Denn dass er gut ist, weiß jeder“, begründete Siller seinen Wechsel. Selbst im ersten Relegationsspiel gegen Sommerhausen saß der Aufstiegsheld nur auf der Bank. „Das war schon bitter für mich. Besonders weh getan hat, dass ich im ersten Entscheidungsspiel draußen saß.“

Doch der Schlussmann nahm die Herausforderung an und zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit überragenden Leistungen zurück. Nun freut sich der Beamte im Zentrum für Familie und Soziales, der bereits in der Reserve der Würzburger Kickers spielte, auf das Abenteuer Kreisklasse. Doch bis sein Trainer in wenigen Wochen wieder zum Training bittet, möchte er den Erfolg genießen und ausgeruht in sein fünftes Jahr im Dettelbacher Ortsteil starten. Nach seiner persönlichen Achterbahnfahrt hat sich Zayc das auch redlich verdient.

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