TISCHTENNIS: OBERLIGA

Der alte Reflex funktioniert nicht mehr

Wenn sich die Etwashäuser in den letzten Jahren auf etwas verlassen konnten, dann auf ihre Kampfstärke. Doch zuletzt wuchsen Zweifel. Eine Verlustanzeige.
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Studiert Christoph Sasse die Bilanzen des TV Etwashausen, sieht der Kapitän manch rote Zahlen. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

War's das schon? Haben die Tischtennisspieler des TV Etwashausen am vergangenen Wochenende die Chance auf den Aufstieg in die Regionalliga Süd verspielt? Es deutet manches darauf hin – zuallererst die Zahlen, die unbestechlich sind: Nach dem 8:8 gegen Starnberg ist der TVE nur noch Vierter der Oberliga, punktgleich zwar mit den Rivalen aus Hilpoltstein und Bad Königshofen, aber mit dem schlechteren Spielverhältnis ausgestattet und daher bei der Platzvergabe im Nachteil. Über die belastbaren Zahlen hinaus hat die Mannschaft Indizien geliefert, die schwerer zu deuten sind.

Fragt man Christoph Sasse, wohin die Reise des TVE gehen wird, fällt die Antwort nicht mehr ganz so euphorisch aus wie noch vor wenigen Wochen. Sasse ist der 25 Jahre junge Kapitän einer Crew, die immer dann zu großer Form auflief, wenn es rau und ungemütlich wurde; wenn sie es mit Gegnern aufnahm, die sie richtig forderten. Dieser Reflex hat sie stark gemacht und groß: dass sie selbst dann noch zu reagieren vermochte, wenn alles verloren schien. „Wir konnten immer noch einen drauflegen“, sagt Sasse. Mit ihrer Tollkühnheit haben die Etwashäuser noch jeden Eisberg aus dem Weg geräumt, sie eroberten die Landesliga, die Bayernliga, zuletzt die Oberliga. Und Sasse gab den unerschütterlichen Kapitän, den nichts und niemand vom Kurs abzubringen wusste.

Was den Erfolg beeinträchtigt

Doch dieser Nimbus hat gelitten. Nicht erst gegen Starnberg hatte Sasse das Gefühl, dass da etwas verloren gegangen und auf der Strecke geblieben ist. „Zu viele Dinge haben in der Rückrunde nicht gepasst“, sagt er. Er selbst fällt seit Ende Februar mit Sehnenscheidenentzündung im rechten Schlagarm aus, im Training fehle der Drive, und dass die Mannschaft Mitte Februar erst 20 Minuten vor Spielbeginn zum Spitzenspiel in Gräfelfing eingetroffen sei, weil sie im Stau feststeckte, „darf einfach nicht passieren, wenn man aufsteigen will“. Jeder dieser Aspekte führt für sich genommen nicht zwingend zu einer Niederlage. Aber in der Kombination ergeben sie ein Elixier, das erfolgsschädlich wirkt und leistungsmindernd. So fehlen in den Spielen die entscheidenden Prozente, und beileibe nicht bloß gegen Spitzenmannschaften wie Gräfelfing und Bad Königshofen, gegen die der TVE in der Vorrunde noch insgesamt drei Punkte erlöste, in der Rückrunde aber null.

Auch gegen Starnberg war den Etwashäusern im Hinspiel noch ein sicheres 9:5 gelungen. Nun habe „ein gutes Stück Biss gefehlt“, sagt Sasse. Dabei steckten dem Gegner noch die Strapazen eines anstrengenden Tages in den Knochen: eine rund 320 Kilometer lange Autobahnfahrt nach Bad Königshofen, ein zweieinhalbstündiges Spiel bei einem der besten Teams der Liga, die Weiterreise ins 100 Kilometer entfernte Kitzingen, dort noch einmal viereinhalb Stunden Spielzeit bis 0:30 Uhr. Dass die Etwashäuser in dieser Nacht sogar vor einer Niederlage standen und den Punkt zum 8:8 erst im Schlussdoppel holten, spricht einerseits für ihre intakte Moral, war andererseits aber fast bedeutungslos, weil Sasse sagt: „Ein Sieg war das einzige, was zählte.“

Was jetzt noch passieren muss

Ob er jetzt noch an Platz zwei glaube? „Da müsste sehr viel passieren“, sagt der sonst stets optimistische Kapitän. Es braucht zwei deutliche Siege in den letzten beiden (Heim-)Spielen gegen Regenstauf (6. April) und Bayern München II (13. April) – und weniger klare Erfolge, bestenfalls Punktverluste, der Konkurrenten. Ein bisschen viele Zufälle müssen da zusammentreffen, um das bei Punktgleichheit relevante Spielverhältnis aufzubessern.

Bei allem Pessimismus sollte man nicht übersehen und verkennen, dass der TV Etwashausen erst vor der Saison aufgestiegen ist unter die besten Klubs des Freistaats und dass er sich erstaunlich gut geschlagen hat in diesem elitären Kreis. Dass er Sternstunden feierte wie das 9:7 kurz vor Weihnachten in Bad Königshofen und das Team auch danach sein Können aufblitzen ließ. Dass diese Premierensaison in der Oberliga glänzen wird. So oder so.

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