Handball: Dritte Liga Männer Ost

Dennis Orfs „Torgeilheit“ fehlt Gelnhausen

Nach dem Spiel gegen Gelnhausen steht eines fest: Kampflos steigen die Rödelseer nicht ab.
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Der elffache Rödelseer Torschütze Dennis Orf (rechts) und sein Mannschaftskollege Marius Olbrich können nach dem Sieg gegen Gelnhausen weiter vom Klassenerhalt träumen. Foto: Foto: Hartmut Hess

Gier ist eine schlechter Wesenszug, der einzelnen Menschen und der gesamten Menschheit schon arg geschadet hat. Der Modebegriff „Geilheit“ dagegen umschreibt mehr das unbedingte Ringen nach Erfolg oder einfach das Gefühlsleben im Erfolg. „Meinen Jungs hat heute die Torgeilheit gefehlt“, haderte Andreas Kalman, Trainer des TV Gelnhausen, beim Gespräch nach dem Schlusspfiff im Anschluss an den 31:28 (14:13)-Erfolg des TSV Rödelsee über den Gast aus Hessen. Die Rödelseer waren nicht unbedingt gierig, nach Ansicht ihres Trainers Radovan Suchy aber „geil auf den Sieg“ und feierten ihren Erfolg hinterher.

Genau diese Torgeilheit, die Kalman bei den Seinen vermisste, zeichnete Dennis Orf ganz besonders aus. Der 27-Jährige hat bei den Rödelseern ein schweres Los, weil nach dem Abgang von Bostjan Hribar die rechte Rückraumposition verwaist ist und er als Rechtshänder dort Löcher stopfen muss. Der Lehrer schoss am Samstag zwar manche Fahrkarte, dachte aber im Traum nicht daran, zurückzustecken. Der Rückraumkanonier war vor allem dann effektiv, wenn er versuchte, nach links auszuweichen und die kurze Ecke anzuvisieren. „Der Rödelseer Dreizehner hat elf Netze gemacht“, resümierte Andreas Kalman respektvoll und stellte Orf damit unfreiwillig das beste Zeugnis aus. Der Jungpädagoge kanalisierte seine Dynamik in Würfe wie Striche, die in zweistelliger Quote im Gästekasten einschlugen.

In der Startphase war nicht alles Gold, was glänzte bei den Gastgebern, denn manch schlampigen Pass nutzten die Gäste zu billigen Treffern. Zudem offenbarte die Defensive der Gastgeber auf den Außenpositionen eine unnötige Angriffsfläche, die Gelnhausen weidlich ausnutzte. Es dauerte mehr als 20 Minuten, bis Rödelsee die Defizite abgebaut und die Führung übernommen hatte. Einmal vorne liegend, gaben die Weindörfler den Vorsprung dann nicht mehr aus der Hand.

„Die Jungs haben alle top gekämpft“, lobte Trainer Radovan Suchy seine Riege, die sich als Mannschaft präsentierte, in der jeder für jeden kämpfte. Da passte es auch ins Bild, dass erstmals nach mehreren Monaten Marius Olbrich wieder auf Rechtsaußen mitmischte. Nach ausgeräumten Differenzen besetzte er die Rechtsaußenposition und steueret drei Treffer zum Erfolg bei. Andreas Kalman beneidete an diesem Abend seinen Kollegen Radovan Suchy auch um seine Torleute Andreas Wieser und den in Lichtlein-Manier auftretenden Thomas Paul. Denn der gebürtige Deggendorfer Wieser hexte viele Gelnhausener Würfe weg, und Thomas Paul kam – wie Carsten Lichtlein in der Nationalmannschaft – zu Strafwürfen aufs Feld, um seine beiden ersten Duelle siegreich zu gestalten.

„Der Jannik hat das gebracht, was wir von ihm erwarten“, attestierte Suchy dem 18-jährigen Winterneuzugang Jannik Renz einen guten Auftritt. „Wir müssen uns im Training noch mehr einspielen“, meinte der Großlangheimer, woraus noch einiges an Steigerungspotenzial zu erwarten ist. Auch Maximilian Häckner überzeugte seinen Trainer an diesem Abend und verdiente sich ein Lob. Nach der Pause legte Rödelsee noch eine Schippe drauf und erkämpfte sich bis zur 40. Minute beim 20:17 erstmals eine Drei-Tore-Führung. „Das war heute das Ergebnis unserer Trainingsleistungen“, meinte Radovan Suchy nach der Partie und genoss spürbar den Moment, als er verkündete: „Wir sind jetzt nicht mehr Letzter“.

Mit ihren Saisonpunkten sieben und acht überholten die Rödelseer mit jetzt 8:28 Punkten den USV Halle. Sie dürften die Gelnhausener jetzt zu ihrem Lieblingsgegner erheben, denn 50 Prozent der bislang eingefahrenen Zähler ergatterte Rödelsee gegen die Hessen. Die verharren mit jetzt zwölf Pluspunkten nahe an der Abstiegszone, was die Laune von Andreas Kalman nicht gerade beflügelte.

„Wir wollen kein Spiel mehr verlieren, auch in Großwallstadt nicht“, beschrieb Radovan Suchy die Denke der Rödelseer, denen nach dem personellen Umbruch der Befreiungsschlag mit bereits zwei Siegen im neuen Jahr gelang. „Wir bereiten uns auf Großwallstadt genau so wie heute vor“, ließ Suchy wissen. Freilich wollte er weder behaupten, dass Rödelsee bereits am Freitag in Elsenfeld gegen den Traditionsklub gewinnt noch den Klassenerhalt in der 3. Liga schafft. Dennoch war beim Slowaken herauszuhören, dass er sich an Siege gewöhnen könnte und mit seiner Mannschaft noch so manche Duftnote in der 3. Liga setzen möchte.

3. Liga Ost Männer
 
TV Hüttenberg – TV Kirchzell 27:18  
HC Elbflorenz – SV 08 Auerbach 26:18  
TSV Rödelsee – TV Gelnhausen 31:28  
TV Groß-Umstadt – TuS Fürstenfeldbruck 30:25  
MSG Groß-Bieberau – SG LVB Leipzig 34:26  
HSC Bad Neustadt-Rhön – TV Großwallstadt 23:28  
HSG Nieder-Roden – USV Halle 33:31  
HSV Bad Blankenburg – GSV Eintracht Baunatal    
 
1. (1.) TV Hüttenberg 17 17 0 0 489 : 353 34 : 0  
2. (3.) MSG Groß-Bieberau 18 14 0 4 530 : 445 28 : 8  
3. (2.) TuS Fürstenfeldbruck 18 12 2 4 518 : 481 26 : 10  
4. (4.) HC Elbflorenz 17 11 1 5 484 : 425 23 : 11  
5. (6.) HSG Nieder-Roden 18 10 1 7 500 : 481 21 : 15  
6. (5.) HSC Bad Neustadt-Rhön 18 9 1 8 516 : 510 19 : 17  
7. (7.) SG LVB Leipzig 18 8 2 8 479 : 468 18 : 18  
8. (8.) SV 08 Auerbach 18 8 1 9 470 : 486 17 : 19  
9. (9.) TV Großwallstadt 18 7 2 9 488 : 499 16 : 20  
10. (11.) TV Groß-Umstadt 18 8 0 10 485 : 484 16 : 20  
11. (10.) HSV Bad Blankenburg 17 6 2 9 437 : 472 14 : 20  
12. (12.) GSV Eintracht Baunatal 17 6 1 10 430 : 472 13 : 21  
13. (13.) TV Gelnhausen 18 6 0 12 481 : 508 12 : 24  
14. (14.) TV Kirchzell 18 5 1 12 448 : 484 11 : 25  
15. (16.) TSV Rödelsee 18 4 0 14 453 : 538 8 : 28  
16. (15.) USV Halle 16 3 0 13 433 : 535 6 : 26  

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – TV Gelnhausen 31:28 (14:13)

Rödelsee: Thomas Paul, Andreas Wieser; Julius Weinhardt 7/5, Dennis Orf 11, Maximilian Häckner 4, Bastian Demel 2, Fabian Servatius, Marius Olbrich 3, Moritz Reichhard, Jannik Renz 4, Maximilian Sauerhammer.

Gelnhausen: Julian Lahme, Marius Sulzbach; Sven Schreiber 4/2, Nikola Jankovic 5, Frank Eidam 1, Peter Jambor, Hendrik Schreiber, Dennis Gerst 2, Philip Deinet, Björn Papa 2, Moritz Zörb 2, Matthias Jambor 2/1, Jonas Müller 1, Fabian Eurich 9.

Schiedsrichter: Dominic Schek/Marco Wittemann (Eckbachtal/Neuhofen).

Zuschauer: 220.

Zeitstrafen: 10:12-Minuten (Servatius Weinhardt, Renz, Häckner, Demel – 2x Schreiber, Deinet, 2x Zörb, Matthias Jambor).

Siebenmeter: Rödelsee 5 (5 verwandelt), Gelnhausen 9 (7),

Spielfilm: 3:3 (7.), 7:7 (16.), 10:10 (23.), 13:11 (26.), 14:13 (HZ), 17:15 (34.), 20:17 (40.), 24:20 (47.), 26:22 (51.), 31:25 (58.), 31:28 (Endstand).

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