BOBFAHREN:

Christian Rasps Traum von Gold lebt noch

Nach dem enttäuschenden achten Rang bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang macht der Anschieber aus Mainbernheim weiter bis 2022 in Peking.
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Pyeongchang 2018 - Bob
„Wir hatten ein paar Probleme im Herbst“, sagt der Mainbernheimer Anschieber Christian Rasp (links, hier bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang) und meint damit seine Muskelfaserrisse und die Adduktorenprobleme von Pilot Johannes Lochner (rechts). Dennoch blicken die beiden Viererbobfahrer dem Saisonstart jetzt optimistisch entgegen. Foto: Fot0: tobias Hase, dpa

Die neue Saison hat für Unterfrankens derzeit erfolgreichsten Wintersportler nicht gerade verheißungsvoll begonnen. „Wir hatten ein paar Probleme im Herbst“, berichtet Christian Rasp, „das war nicht gerade ein günstiger Zeitpunkt.“ Zwei Mal musste der Anschieber aus Mainbernheim (Lkr. Kitzingen), der in Berchtesgaden lebt und trainiert, wegen eines Muskelfaserrisses pausieren.

Und Rasps Pilot im Viererbob, Johannes Lochner, konnte mit Adduktorenproblemen bei den letzten internen Ausscheidungsrennen in Altenberg nur zusehen. Vorsichtshalber nominierte Bundestrainer René Spies für den Weltcup-Auftakt am kommenden Wochenende im lettischen Sigulda anstelle von Lochner Nachwuchspilot Christoph Hafer.

Das Bob-Team Lochner fährt stattdessen ohne Druck beim zweitklassigen Europacup im sächsischen Altenberg. Schon beim zweiten Termin in Winterberg (14. bis 16. Dezember) ist aber die Rückkehr in den Weltcup geplant. „Der erste Anschubtest nach meiner Verletzung hat gezeigt: Es sieht wieder gut aus“, sagt Rasp optimistisch. Für ihn war der Verzicht auf Sigulda weniger wichtig. Dort sind zwei Zweierbob-Rennen angesetzt, die Viererbobs pausieren. Im hessischen Winterberg stehen umgekehrt dann zwei Viererbob-Rennen auf dem Programm. Dort kann Rasp dann zeigen, wozu er wieder in der Lage ist. Wegen seiner dafür idealen Statur (1,83 Meter/95 Kilo) startet der ehemalige Sprinter ausschließlich im Viererbob, immer von der verantwortungsvollen letzten Position im Schlitten. Im Zweierbob ist mehr Körpermasse gefragt, als sie der 29-Jährige zu bieten hat.

Nach dem enttäuschenden achten Rang bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang stand im Raum, dass Lochner seine Boblaufbahn beendet und sich um sein berufliches Fortkommen kümmert. „Nach der Heimkehr haben wir uns alle zwei Wochen Pause gegönnt. Dann haben wir alles auf den Tisch gebracht und geredet, wie?s weitergeht“, berichtet Rasp. Das Ergebnis: Er und sein Chef, mit dem er ein sehr enges Verhältnis hat, machen weiter bis zu den nächsten Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. Der Traum vom olympischen Gold ist beileibe noch nicht ausgeträumt. „Vom Alter her werden wir alle noch fit genug sein“, sagt Rasp. Er wäre dann 32. Der normale Polizeidienst, in den er im Frühjahr für ein paar Wochen zurückkehrte, muss also noch warten.

Titelverteidiger im Gesamtweltcup und bei der WM

Lochner ist nach Doppel-Olympiasieger Francesco Friedrich und dem Olympia-Zweiten Nico Walther jetzt die Nummer drei der deutschen Bobpiloten. „Auf dem Papier ist das so“, bestätigt Rasp. „Aber wir wissen, was wir die letzten Jahre erreicht haben. Wir haben den Sieg im Gesamtweltcup zu verteidigen, wir treten bei der WM als amtierende Viererbob-Weltmeister an. Wir gehen da nicht mit Skepsis ran.“ Die Weltmeisterschaft im kanadischen Whistler Mountain Anfang März ist Abschluss und Höhepunkt dieses Bob-Winters.

Für das Scheitern in Südkorea wurden als Gründe Materialprobleme und eine falsche Trainingsplanung gefunden. Lochner hat den Schlitten gewechselt, steuert jetzt wieder den Bob des Herstellers Wallner, mit dem er 2017 Weltmeister geworden war. Sein Team wurde kleiner, umfasst jetzt ihn und fünf Anschieber, von denen Rasp und Christopher Weber im Vierer gesetzt sind.

Rasp hat für sich etwas Wesentliches verändert. Sein persönlicher Athletiktrainer ist jetzt Jonas Wahler. Von dem unterfränkischen Landsmann, der in München wirkt, war er bereits zu seiner Leichtathletik-Zeit betreut worden. „Wir tauschen uns viel aus, ich kann Ideen einbringen und komme öfter nach München. Es klappt bisher sehr gut“.

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