Bob: WM

Christian Rasp schiebt den Bob zum WM-Pokal

Vor eineinhalb Jahren war er noch Leichtathlet, nun ist er Weltmeister im Viererbob. Die Blitzkarriere des Mainbernheimers erlebt einen neuen Höhepunkt.
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Der Letzte, der einsteigt: Unterfranke Christian Rasp (links) schob zusammen mit Matthias Kagerhuber und Joshua Bluhm den von Johannes Lochner (dritter von links) gesteuerten Viererbob zur Weltmeisterschaft. Den WM-Pokal teilten sich die vier mit einem zweiten deutschen Bob.BSD Foto: Foto:

Bei der Viererbob-Weltmeisterschaft am Königssee feierte der Deutsche Bobverband am Sonntag einen historischen Triumph mit einem Dreifachsieg. Mittendrin in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Wettkampf war der Mainbernheimer Christian Rasp, der – zusammen mit Joshua Bluhm und Matthias Kagerhuber – seinen Piloten Johannes Lochner zur Goldmedaille schob. Bei seiner WM-Premiere gleich der Titel, diesen Erfolg muss dem 27-jährigen Unterfranken erst mal jemand nachmachen.

Dass Lochner seinen Samstagsvorsprung mit Bahnrekord nicht halten konnte, nahm er ebenso wenig tragisch wie Konkurrent Francesco Friedrich, der vor dem vierten Lauf hauchdünn in Front gelegen war und Lochner noch auf die Hundertstelsekunde gleichziehen lassen musste. Erstmals in der WM-Geschichte durften sich somit zwei Teams Goldmedaillen umhängen lassen. Bronze-Gewinner Nico Walther machte den schwarz-rot-goldenen Triumph perfekt.

„Das ist der absolute Wahnsinn, das war so ein unglaubliches Rennen“, sagte der jubelnde Lochner hernach in die Fernsehkameras. Für den Schönauer war es zwar der bisher größte Erfolg, Edelmetall ist für ihn aber fast schon Routine. Dagegen legte Christian Rasp eine rasante Bob-Karriere hin. Vor eineinhalb Jahren sprintete er als Leichtathlet die 100 Meter noch in 10,45 Sekunden, schnupperte danach bei den Bobfahrern hinein und hinterließ dort bei einem Anschieber-Casting nachhaltig Eindruck. „Dann ging es Schlag auf Schlag“, sagt der Polizeikommissar, der von seinem Dienstherrn für eine Sportfördergruppe freigestellt ist.

Kraftpaket mit 97 kg
Musste er sich vor Jahresfrist erst hinten anstellen, ist Christian Rasp jetzt „ein fester Bestandteil unserer Nationalmannschaft“, wie Bundestrainer Rene Spies attestiert. „Christian ist explosiv, hat einen guten Charakter und ist ein Teamplayer“, bescheinigt ihm Spies. Das Muskelpaket bringt bei 1,83 Meter Körpergröße aktuell 97 Kilogramm auf die Waage, die er siegbringend einzusetzen weiß. Heuer gewann er mit dem Team Lochner mehrere Weltcups, den deutschen Meistertitel und nach der Europameisterschaft holten die jungen Wilden vom Königssee jetzt auch bei der WM die Goldmedaille.

Dazu kam eine Woche vorher noch der Mannschafts-Weltmeistertitel, bei der Rasp den Zweierbob von Lochner anschob. Im kleineren Bob hatten beide auch schon Weltcupsiege gefeiert. Stammanschieber ist Rasp hier aber noch nicht. „Er muss seine Technik noch stabilisieren und noch an Kraft zulegen“, findet Bundestrainer Spies. Lochner bezeichnet den Mainbernheimer dafür als letzten Einsteiger in den Viererbob als „den Besten auf seiner Position in Deutschland“.

„Wir haben nur noch auf die Uhr geschaut.“
Viererbob-Weltmeister Christian Rasp zur engen WM-Entscheidung

„Wir haben nur noch auf die Uhr geschaut“, beschrieb Rasp dem Moment der Entscheidung, der im kollektiven Jubel im deutschen Lager endete. Doch groß Zeit zum Feiern hatten die Bobfahrer zuerst nicht, denn nach der Siegerehrung mussten sie sofort das Renngefährt zerlegen und verpacken für den Flug ins südkoreanische Pyeongchang, wo sie kommende Woche zu Weltcupfinale und Olympia-Probefahrt gastieren. Doch am Abend durfte im Vip-Haus an der Kunsteisbahn gefeiert werden.

„Mein Smartphone stand nicht mehr still“, berichtete Rasp am Tag danach. Die Olympischen Winterspiele 2018 sind sein großes Ziel – diesen Traum darf er berechtigt leben.

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