Frauenfussball: Bayernliga

Brotlose Frickenhäuser Kunst

Noch ein Haken, noch ein Schnörkel: Mit seinem barocken Spiel kommt Frickenhausen in der Bayernliga nicht voran. Und dann macht dem Aufsteiger noch die Sonne zu schaffen.
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Im Alleingang: Frickenhausens Sandra Abersfelder ist auf und davon, findet aber keinen Abschluss. Foto: Foto: Rausch

Die Sonne strahlte von einem weiß-blauen Himmel, das Thermometer zeigte um die zwanzig Grad, und Dominique Göpfert hätte sich gewünscht, dass sich der Herbst an diesem Sonntag nicht ganz so golden anfühlte. Der Torhüterin des TSV Frickenhausen wäre es in der vierten Minute der Partie gegen Hof lieber gewesen, dass ein paar Nebelschwaden über den Platz am Geheu hinwegziehen – so, wie sich das für einen Nach-mittag Anfang November eigentlich gehört. Kann sein, dass das Heimspiel des Aufsteigers – das letzte in diesem Jahr – dann anders geendet hätte als in einer ernüchternden 0:3 (0:1)-Niederlage.

Für die Hofer Spielerin Pui San Yau war es in dieser vierten Minute einen Versuch wert, einfach mal ein Schüsschen aus der Distanz zu wagen. Der Ball flatterte in Richtung des Frickenhäuser Tors, wo Göpfert just in dieser Sekunde in die tief stehende Novembersonne blinzelte. „Ein ungünstiger Winkel“, sagte Trainer und Himmelsbeobachter Gernot Haubenthal über das kosmische Phänomen, das seiner Mannschaft einen frühen Rückstand bescherte – wieder einmal. So wenig wie auf das Wetter dieser Tage ist bisher in dieser Bayernliga-Saison doch auf eines Verlass gewesen: Sobald der Aufsteiger in Rückstand geraten war, hatte er sein Spiel immer auch verloren. „Es ist nicht gut, wenn du immer wieder hinterherlaufen musst“, sagte Haubenthal.

Als Anhänger dieser aufsteigenden Mannschaft könnte man dieser Tage den Blues bekommen. Sie agiert lustvoll, engagiert, ansehnlich. Der Trainer hat den Anspruch, ein System zu spielen, „das attraktiv ist und das uns von anderen unterscheidet“. Der evidenteste Unterschied zu den anderen ist derzeit aber, dass die Mannschaft nicht auf ihren Ertrag kommt. Dass sie sich nicht belohnt für ihr aufwändiges, barockes Spiel. Dass sie immer noch mal einen Schnörkel und einen Haken zu viel macht. „Andere“, sagt Haubenthal, „fackeln nicht lange mit dem Ball.“ Wie Pui SanYau, die Hoferin, die mit der Sonne um die Wette strahlte.

Dieser Pragmatismus ist den Frickenhäuserinnen zuweilen fremd. Der Auftritt gegen Hof war eine Blaupause vergangener Heimspiele. Wieder sah Haubenthal seine Elf überlegen, wieder entdeckte er die kreative Ader in ihr, wieder schuf sie sich gute bis beste Möglichkeiten vor des Gegners Tor. Wieder blieb letztlich nichts hängen.

„Wir hatten genügend Chancen“, sagte Haubenthal, „das Blatt zu wenden. Aber wenn man die nicht nutzt, braucht man sich nicht zu beschweren.“ Sabine Müller, Sandra Abersfelder oder Romina Kuffner etwa waren in die Schnittstellen der Hofer Viererkette eingedrungen – und verpassten es dann, die entscheidenden Nadelstiche zu setzen. Hof hatte nicht wie avisiert mit Volldampf zur Offensive geblasen, wirkte hinten anfällig und wäre ein schlagbarer Kandidat gewesen.

Aber während Kim Kißler in der zweiten Hälfte einen Freistoß an die Latte setzte, zeigte sich Hof bei einem Elfmeter kühl bis ans Herz. Wie beim 0:1 war Pui San Yau zur Stelle, als es in der 76. Minute darauf ankam, den umstrittenen Strafstoß zu verwerten. Ein „typisches Unentschieden-Spiel“ sei diese Partie gewesen, behauptete Haubenthal.

Fünf seiner letzten sechs Bayernligaspiele hat Frickenhausen verloren, nur das 3:0 vor Wochenfrist beim Tabellenletzten Leerstetten vermochte die Serie zu durchbrechen. Kommenden Samstag steht noch die Partie in Memmingen an, dann geht es in die Winterpause. So sehr der Aufsteiger am Saisonanfang von der Sonne beschienen war, so wenig lacht sie ihm derzeit.

Das Spiel in der Statistik

TSV Frickenhausen – 1. FFC Hof 0:3 (0:1)

Frickenhausen: Dominique Göpfert; Kim Kißler, Janina Walter, Sabine Müller, Pauline Großer (76. Sarah Schmidt), Manuela Schlör, Sandra Winkler, Denise Stich, Romina Kuffner, Sandra Abersfelder, Anna Thormann.

Hof: Tamina Sachs; Isabell Kastner, Jasmin Weiß, Josephine Laufer, Cindy Matetschk, Vanessa Rose (73. Claudia Mühlstädt), Denise Kolb (80. Sabrina Meier), Katharina Fürst, Carolin Krämer, Pui San Yau, Sabine Sattler.

Schiedsrichter: Hannes Hemrich (Urspringen).

Zuschauer: 70.

Gelbe Karten: Winkler, Schlör; Yau.

Tore: 0:1 Pui San Yau (4., Schuss aus der Ferne), 0:2 Pui San Yau (76., Elfmeter), 0:3 Isabell Kastner (90.).

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