Fussball: Relegation zur Landesliga

Bitterer Abstieg für die Bayern

Was für ein Schock für Bayern Kitzingen: Nach einem 2:4 steigt der Klub in die Bezirksliga ab und macht den Platz frei für Lengfeld. Nur sechs Minuten ist Bayern Landesligist.
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Als André Hartmann einen Handelfmeter verwandelte, war Bayern Kitzingens Welt noch in Ordnung. Foto: Foto: Jürgen Sterzbach

Triumph für den TSV Lengfeld, Trauer und Tränen bei Bayern Kitzingen: Mit einem 4:2 (1:1)-Sieg hat Lengfeld am Samstagabend die Rückkehr in die Landesliga geschafft und die Kitzinger in die Bezirksliga geschossen. Ein bitterer Tag für die Bayern, die sich durch vier Relegationsspiele gekämpft – und am Ende doch alles verloren hatten. Lengfeld zeigte sich nach dem 1:1 im Hinspiel vor allem eiskalt und effizient im Abschluss. Die drei Tore in der zweiten Hälfte fielen binnen acht Minuten. Die Bayern waren nicht effektiv genug und erspielten sich vor 800 Zuschauern auf eigenem Platz kaum eine Torchance.

„Wir haben im Rückspiel unser wahres Gesicht gezeigt, nachdem wir den Gegner im Hinspiel unterschätzt hatten. Wir wollten sie von der ersten Minute unter Druck setzen. Das hat super geklappt“, sagte Lengfelds Trainer Michael Hochrein in der Stunde des Triumphs. „Es tut uns Leid um das Derby. Schade für die Bayern. Das waren immer schöne Spiele“, sagte Abtswinds Manager Christoph Mix als Zaungast der Partie.

Lengfeld verspricht Hopp oder Top-Spiel

Eine Großoffensive hatte Hochrein angekündigt, die Bayern Kitzingen durchaus als Sturmwarnung begreifen konnte. „Wir werden alles raushauen. Es wird richtig rundgehen, das kann ich versprechen“, hatte Lengfelds Trainer mit Blick auf das ernüchternde 1:1 im Hinspiel für das zweite Treffen verkündet. Doch was dann in den ersten Minuten dieser Partie von seiner Mannschaft kam, war wenig bis nichts, jedenfalls nicht das, was man erwartet, wenn ein Trainer verspricht: „Taktiert wird jetzt nicht mehr. Es ist ein Hopp- oder Topspiel.“

Auch Hochrein musste ja wissen, dass ein frühes Gegentor die Bayern in der Regel aus dem Rhythmus bringen würde, wie es Oberschwarzach beim 3:1 einige Tage zuvor demonstriert hatte. Da gerieten die Bayern wieder ins Schlingern, da spielten die Nerven verrückt. Aber diesen psychologischen Vorteil verpassten die Lengfelder. Sie versuchten es eher zaghaft, setzten ein paar schüchterne Akzente. Überhaupt belauerten sich da anfangs zwei Teams wie beim ersten Kennenlernen.

Bayern sucht erst einmal nach Sicherheit

Aus Sicht der Bayern war das verständlich: Sie konnten das Spiel auf sich zukommen lassen, sie wollten erst einmal Sicherheit gewinnen – und schafften dies mit jeder Minute besser, in denen es 0:0 stand. Auf dem Platz stand mit einer Ausnahme – Tolga Arayici spielte für Felix Straßberger – dieselbe Elf, die drei Tage zuvor ein 1:1 in Lengfeld erkämpft hatte.

„Hey, wir wolln die Bayern sehn!“, schepperte es vor Anpfiff aus den Lautsprechern. Und in der neunten Minute bekamen die Leute tatsächlich etwas zu sehen. Die erste Torchance hatte Kitzingen: Florian Gaubitz spazierte durch Lengfelds Abwehr, als stünde da gar keiner, aber er verzagte im Abschluss. Im Gegenzug scheiterte Moritz Vollmer aus nächster Nähe an Torwart Nöth, der in der Folge noch zweimal bestens parierte, einmal gegen Dominik Heckelmann (15.) und dann Kevin Markerts Distanzschuss, den er spektakulär abwehrte (18.).

Die Kitzinger Zuschauer sahen aber noch etwas anderes von ihrem Team: leidenschaftlichen Einsatz, Kampf um jeden Ball, Einsatz bis zum Äußersten. Die Willensleistung war in jeder Hinsicht landesligareif. Und wer so kämpft, hat dann auch einmal das Glück des Tüchtigen. Als Schiedsrichter Marcel Geuß in der 22. Minute Elfmeter für die Bayern pfiff, war das nicht zwingend erforderlich, ja, es war bizarr. Der Lengfelder hätte sich schon den Arm abhacken müssen, um den wuchtig getretenen Freistoß André Hartmanns nicht aus kurzer Distanz abzubekommen. Er stand nun mal mitten in der Schussbahn. Hartmann nutzte das, nun ja, Geschenk, um Kitzingen in Führung zu schießen.

Nur sechs Minuten bis zum Ausgleich

Mit diesem Ergebnis stand Bayern in der Landesliga – aber nur sechs Minuten lang. So lange brauchten die nun spürbar aktiveren Lengfelder, um den Ausgleich zu erzielen. Nach Vorarbeit Tim Schedels von der linken Seite hatte Moritz Vollmer wenig Mühe, den Ball aus wenigen Metern zum 1:1 ins Tor zu bugsieren (28.). Jetzt war es die umkämpfte, mit offenem Visier geführte Partie, in der um jeden Zentimeter Raum und um jeden Ball intensiv gerungen wurde – nicht immer auf dem Boden des Fußball-Grundgesetzes. Schiedsrichter Geuß ließ sich lange Zeit bis zur ersten Gelben Karte (36. Minute). Zählbare Abschlüsse aber gab es – trotz großen Engagements auf beiden Seiten – bis zur Halbzeit nicht mehr zu bestaunen.

„Weiter Gas geben!“, rief Towart Nöth zu Beginn der zweiten Hälfte seinen Kitzinger Kameraden zu. Aber das Spiel verharrte wie anfangs der ersten Hälfte erst einmal in einer eigentümlichen Stagnationsphase, in der kein Team zu viel riskieren wollte. Nach und nach sicherten sich die Lengfelder ihre Pfründe auf dem Platz – und vielleicht kann und muss man ihnen das im Nachhinein zu Gute halten: dass sie Ruhe bewiesen und Geduld zeigten – und dann mit der Zielsicherheit eines Skorpions zustachen. Binnen acht Minuten entschieden sie die Partie und deckten die Schwächen der Kitzinger Abwehr dabei schonungslos auf.

Binnen acht Minuten macht Lengfeld alles klar

Erst köpfte Vollmer einen Eckball Kevin Markerts aus nächster Nähe ein (65.). Die Bayern hätten nun wegen der Auswärtstor-Regel schon insgesamt drei Tore gebraucht, um nicht abzusteigen. Dann köpfte Mikic – der für einen Stürmer seiner Qualität bis dahin sehr unauffällig geblieben war – völlig freistehend einen Flankenball ins Netz (69.). Und schließlich nutzte Mikic auch noch einen Elfmeter, der – mit Verlaub – ebenso umstritten blieb wie der erste auf der anderen Seite. Mehr sank Vollmer im Strafraum hin, als dass Torwart Nöth ihn gefällt hätte. Aber Mikic war's egal bei seinem Schuss zum 1:4 (73.).

Bayern resignierte, Bayern hatte keine Kraft mehr für eine wuchtige Wende, für ein weiteres Wunder – und Trainer Björn Auer hatte nach fünfzig Minuten auch schon dreimal gewechselt, also keine Möglichkeit mehr, dem Spiel durch eine Personalie noch einmal Schub zu verleihen. So blieb es Benedikt Straßberger vorbehalten, mit dem 2:4 (86.) das vorerst letzte Tor für Kitzingen als Landesligist zu erzielen.

Die Bayern steigen ab, nach zuletzt sieben Jahren Landesliga am Stück: in eine Bezirksliga mit Marktbreit und Schwarzach, aber ohne den Lokalrivalen SSV Kitzingen, den es in die Kreisliga verschlagen hat. Den Schock des Abstiegs gilt es nun erst einmal zu verdauen, ehe es ans Aufräumen geht. Wer bleibt, wer verlässt den Klub? Solche Fragen stellt und beantwortet man nicht in der Stunde der bitteren Niederlage. Aber sie werden sich stellen in den nächsten Tagen und Wochen.

Die Statistik des Spiels

Bayern Kitzingen – TSV Lengfeld 2:4 (1:1)

Kitzingen: Florian Nöth; Benedikt Straßberger, Tolga Arayici, André Hartmann, Jossef Jabiri (46. Ahmed Bakare), Philipp Schlarb (50. Kastriot Krasniqi), Marco Endres, Levi Wendel, Florian Gaubitz (34. Shawn Hilgert), Sebastian Stumpf, Maximilian Wunder.

Lengfeld: Roman Kölbl; Moritz Vollmer, Sebastian Markert, Thomas Popp, Kevin Markert, James-Joseph Hammond (90. Dahiru Yusuf), Jeremias Hofmann, Konstantin Cramer, Tim Schedel (83. Artem Magel), Dominik Heckelmann, Igor Mikic (86. Daniel Plagens).

Schiedsrichter: Marcel Geuß (Sylbach).

Zuschauer: 800.

Gelbe Karten: Hartmann, Stumpf, Arayici, Wunder, Krasniqi; Vollmer, Hammond.

Tore: 1:0 André Hartmann (22., Handelfmeter), 1:1 Moritz Vollmer (28.), 1:2 Moritz Vollmer (65.), 1:3 Igor Mikic (69.), 1:4 Igor Mikic (73., Foulelfmeter), 2:4 Benedikt Straßberger (86.).

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