Ochsenfurt
Frauenfussball

Anna Schlarb holte mit dem FC Bayern den Titel

Sie hat viel gewagt und gewonnen. Anna Schlarb, einst Spielerin in der Junioren(!)- Mannschaft von Bayern Kitzingen, holte mit dem FC Bayern München die Deutsche Meisterschaft bei den U17-Juniorinnen und schaffte nun auch den Sprung in dessen zweites Damenteam.
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Anna Schlarb (vorne rechts) hält die Meister-Trophäe fest in ihren Händen und will sie nicht mehr loslassen. Sie gewann mit dem FC Bayern München die Deutsche Meisterschaft bei den U17-Fußball-Juniorinnen. Foto: FC Bayern München
Anna Schlarb (vorne rechts) hält die Meister-Trophäe fest in ihren Händen und will sie nicht mehr loslassen. Sie gewann mit dem FC Bayern München die Deutsche Meisterschaft bei den U17-Fußball-Juniorinnen. Foto: FC Bayern München
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"Mir geht´s gut, alles bestens", sagt die Ochsenfurterin Anna Schlarb. Dies ist keine Floskel. 16-Jährig zog das Fußball-Talent nach München, um beim FC Bayern im Juniorinnen-Team zu spielen - in der neugegründeten U17-Bundesliga, im Trikot mit der Nummer fünf. Ein Jahr später darf sich die Verteidigerin Deutsche Meisterin nennen.

"Als voll cool" beschreibt sie den Titelgewinn, "ein wunderschönes Gefühl - vor allem, da wir als Zweiter der Süd-Staffel in das Halbfinale eingezogen sind." Die anderen, allesamt Staffel-Erste: 1. FFC Frankfurt (Süd), FFC Turbine Potsdam (Nord/Nordost) und FSV Gütersloh (West/Südwest). Vor über 1000 Fans gewannen Anna Schlarb und ihr Team das Finale beim FSV Gütersloh mit 3:1. "Viele Zuschauer und eine tolle Stimmung", freut sich die Nachwuchsspielerin.
"Es war das erste Mal, dass wir Deutscher Meister geworden sind, ein schönes Geschenk zum Abschied unserer Trainerin Roswitha Bindl - perfekt."


Hoher Halbfinal-Sieg

Klar wollte das Team ins Endspiel. "Aber wir wussten, dass es sehr schwer wird", blickt die Ochsenfurterin zurück. Und dass sie das Rückspiel in Potsdam mit 6:1 (Hinspiel 2:1) gewonnen hätten, sei etwas, was nicht alle Tage passiere. Glück hatten Anna Schlarb und ihr Team im Vorfeld. "Ein Zufall, dass der Süden in der ersten Saison dieser Liga gleich zwei Endrundenplätze erhielt." Denn in der neuen U17-Bundesliga mit ihren drei Staffeln wurde der vierte Halbfinalplatz unter den drei Zweiten ausgelost, da es ja nur drei Staffelsieger gab.

Und dann war noch das entscheidende, letzte Spiel der regulären Runde, Bayern gegen Sindelfingen - beide punktgleich, der Sieger hatte den zweiten Platz sicher. Die Münchner gewannen 4:0. "Ein vorgezogenes Finale", beschreibt Anna Schlarb.


17 Partien voll durchgespielt

1360 Minuten stand sie in der regulären Runde auf dem Platz, 17 Partien, ohne ausgewechselt zu werden, über die volle U17-Spielzeit von 80 Minuten. Anfangs als klassischer Sechser, dann in der Innenverteidigung. "Dort habe ich auch letztlich lieber gespielt." Nur eine einzige Partie fehlte sie krankheitsbedingt. Und Anna Schlarb weiß, was Verletzungen bedeuten. Noch in der Zeit, als sie bei den Jungs von Bayern Kitzingen und in der Bayerischen Juniorinnen-Auswahl mitspielte, warf sie ein Mittelfußbruch mit langwierigen Komplikationen zurück. "Letzte Saison hatte ich zum Glück keine Verletzung", sagt sie und klopft auf Holz.


Bestens integriert

Keine Probleme besaß Anna Schlarb, sich sportlich und privat beim Renommierclub zu integrieren: "Ich kannte alle schon aus der Zeit, in der ich mit Zweitspielrecht dort auflief." Parallel spielte sie in der Saison 2011/12 noch bei den Junioren (!) der Kitzinger Bayern in der U17-Bezirksoberliga.

Auch außerhalb des Fußballs veränderte sich einiges bei der Ochsenfurterin. In Pullach absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr im Blindeninstitut. "Sehr anstrengend, eine 39 Stunden-Woche - plus je eine Stunde Hin- und Rückfahrt", sagt Anna. "Früh, um Dreiviertelsieben aus dem Haus, nach dem Training um Viertelzehn erst wieder daheim. Das ist schon krass, so ein langer Tag." Dann noch waschen, essen und die Tasche für den nächsten Tag packen. "Heftig, aber es hat geklappt." Anna Schlarb wohnt auch weiter in der WG mit zwei Bayern-Spielerinnen, allerdings ziehen ihre alten Wohngenossinnen aus, zwei neue kommen.

Neu wird auch ihre künftige Aufgabe sein. Die 17-Jährige beginnt eine Ausbildung als Erzieherin im Städtischen Haus für Kinder, einem Kindergarten in der Säbener Straße Nummer 61. Einen Katzensprung vom Trainingsgelände (Nummer 51) des FC Bayern München entfernt: "Bei den Bayern kann ich gleich zu Mittag essen", freut sie sich. 30 Stunden pro Woche arbeite sie im Kindergarten. Und hat noch ein Ziel: "Ich möchte an der Erzieherschule mein Fachabitur machen", ist die 17-Jährige nicht nur im Sport ehrgeizig.


Gut präsentieren

Und der Fußball: "Ich will mich in der zweiten Mannschaft gut präsentieren, zu meiner Spielzeit kommen und mich weiter entwickeln." Denn Anna Schlarb hat den Sprung von den Juniorinnen zu den Damen ohne Probleme geschafft. "Ich habe schon die letzte Saison immer bei der zweiten Mannschaft mittrainiert und mich nun auch schneller zurechtgefunden."

Seit knapp vier Wochen läuft die Vorbereitung für die Saison in der 2. Bundesliga Süd. Am Sonntag kehrte Anna Schlarb von einem Trainingslager zurück. Das sei gut gelaufen, berichtet ihre Mutter Andrea Schlarb, die nur noch recht selten Besuch von ihrer Tochter erhält. "Es ist schwer, am Wochenende heimzufahren. Meistens kommt die Familie zu mir nach München", so Anna. Sie blickt optimistisch in die Zukunft. "Ich werde versuchen, mich durch gute Leistungen in der Zweiten für die erste Damen- Mannschaft zu empfehlen", sagt sie. Ihr sei nicht bange, da die letzte Runde gut für sie gelaufen ist. Klar müsse sie sich im zweiten Team beweisen. "Ich bin die Jüngste, da kann es schon sein, dass ich auf der Bank sitze". Da es keine U19 gebe, sei der Schritt zu den Damen doch recht groß.


Bayern München im Mittelpunkt

Richtung DFB-Kader hege sie momentan wenig Ambitionen: "Ich war zwar bei der letzten U17-Kadersichtung. Die Trainerin habe gesagt, sie würde mich empfehlen. Aber da mache ich mir keinen Kopf. Ich konzentriere mich jetzt auf die Bayern."

Ihr Ziel ist es, in München zu bleiben. "Meine Ausbildung dauert schließlich vier Jahre." Ein gutes Omen hat sie bereits: Weiter die Nummer fünf auf ihrem Trikot. "Die darf ich behalten, weil sie in der zweiten Mannschaft frei geworden ist." Und mit dieser Nummer wird die Erfolgsgeschichte, wer Anna kennt, sicher weitergehen.






































Schluss: Trikot mit der Nummer fünf zu den Damen mitnehmen - ist frei






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