Altenschönbach
Sportschießen

Anna-Maria Gnebner visiert große Ziele an

Sie liebäugelte mit Biathlon, spielte Handball. Nun trifft Anna-Maria Gnebner (SG Altenschönbach) so gut, dass sie die Schüler- Bezirksmeisterschaft gewann und im Erwachsenenteam oft die besten Ergebnisse schießt. Ihr großes Ziel ist es, einmal an der "Deutschen" teilzunehmen.
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Anna-Maria Gnebner zielt mit höchster Konzentration und Anspannung. Foto: Gerd Ludwig
Anna-Maria Gnebner zielt mit höchster Konzentration und Anspannung. Foto: Gerd Ludwig
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Zweite bei der Gaumeisterschaft, Bezirksmeisterin und ihre zweite Teilnahme an der Bayerischen Meisterschaft der Schüler: Anna-Maria Gnebner, 14 Jahre jung, feierte 2012 große Erfolge und hat auch heuer weitere im Visier.

Selbstbewusst lächelt sie, als sie von ihren Leistungen spricht, auch vom Druck, unter den sie sich selbst setzt - was ihr bei der ´Bayerischen´ trotz ihres fraglos großen Talents einige Plätze gekostet hat. Mit dem Luftgewehr ist sie bei den Erwachsenen bereits der Leistungsträger in der Gauoberliga-Mannschaft der Schützengesellschaft (SG) Altenschönbach - ihr Team ist als Aufsteiger ganz vorne zu finden.

In Jeans sitzt Anna-Maria als ganz normaler Teenager am Tisch. Wenn sie in ihre Schützenjacke, -hose und -schuhe schlüpft, sich die Handschuhe überzieht, ist sie hoch konzentriert. Am Schießstand blendet sie alles um sich herum aus. 375 Ringe bei 40 Schuss (maximal 400 Ringe sind möglich) erzielt sie im Durchschnitt. Oft ist sie unter den Besten der Gauoberliga. "Man muss schon regelmäßig trainieren", sagt die Realschülerin der 9. Klasse.

Dennoch ist sie nicht ständig im Schützenhaus zu finden. "Im Moment ist das, was sie schießt, einfach Talent", betont ihr Trainer, Jugendleiter Roland Ritzau. Für diese Resultate, die Anna-Maria erzielt, wäre normalerweise ein höherer Trainingsaufwand notwendig. Einmal die Woche, eineinhalb Stunden am Dienstag, übt die Altenschönbacherin, vor Einzelmeisterschaften etwas mehr - auch Mal bei der BSG in Schweinfurt. Freitag steht der Mannschaftskampf auf dem Programm.


Eltern Schützenkönige

Vorbelastet ist die 14-Jährige aber schon. "Meine Eltern waren beide Schützenkönige, der Bruder bei der Jugend", da wollte sie nicht nachstehen und schaffte es ebenfalls, sich zum Jugendkönig küren zu lassen.
Dass Anna-Maria überhaupt zur SG Altenschönbach gekommen ist, verdankt sie ihrer Mutter Erika. "Anfangs war es etwas zäh, aber sie hat mich motiviert, dann kam das Interesse."

Erika Gnebner, zu der Zeit 2. Schützenmeisterin (danach 1. Schützenmeisterin), nahm sie als Zehnjährige mit. "Zuvor spielte ich Handball bei der DJK Wiesentheid und dann in Gerolzhofen. Dort hat es mir nicht so gut gefallen."


Mit Sondergenehmigung

Und was motiviert Anna-Maria Gnebner beim Schießsport. "Eigentlich alles", strahlt sie. "Ich habe einen netten Trainer, den Roland." Der lacht ebenfalls: "Ja, das ist der Hauptgrund. Wir haben viel Gaudi beim Training. Spaß und Geselligkeit kommen nicht zu kurz." Ernster fährt er fort. "Von Außen finden aber selten Jugendliche den Weg in den Schützenverein." Er führt das auf die Vorbehalte gegen den Schießsport zurück. "Aber wenn die Eltern hingehen, kommen die Kinder mit, das geht automatisch." Ritzau würde sich freuen, wenn Jugendliche einfach hineinschnuppern würden.

Mit Sondergenehmigung, das ist nur in Bayern möglich, durfte das Nachwuchstalent bereits mit zehn Jahren frei schießen. Das Gewehr sollte nicht zu schwer für die Schülerin sein: "Es war leicht, aber eines unserer schlechtesten, umgebauten Luftgewehre", erzählt der Trainer. Und schon damit habe Anna-Maria gute Ergebnisse geschossen. "Die anderen treffen damit komischerweise nicht." Da habe er das Talent seines Schützlings bemerkt. Nach und nach ist die Realschülerin in die Jugendmannschaft gerutscht. Parallel bestritt sie Vergleichsschießen im Schützengau, um sich mit anderen Gegnern zu messen. "Da lief es sehr gut."


Biathlon auf Inlinern

Gerne hätte sich Anna-Maria Gnebner den Biathletinnen angeschlossen. "Damals haben mich Uschi Disl, Kati Wilhelm und Magdalena Neuner so begeistert, dass ich mit meiner Freundin auf Inlinern rollte und wir diese nachahmten." Sie selbst fährt Schi und besitzt eine gute Kondition. Als Siebtklässerin hat sie das Sportinternat in Oberhof in Betracht gezogen, ihre Eltern wären da auch hinter ihr gestanden.

"Da hieß es aber, ich hätte mit dem Schilaufen schon viel früher anfangen müssen." Und die Nachwuchsschützin fügt an: "Wenn ich dorthin gegangen wäre, hätte ich hier zu viel aufgeben müssen." Ihre vier Hasen. Das Reiten und ihr Pflegepferd in Frankenwinheim. "Das ist mein Ausgleich. Ich muss noch etwas anderes machen, um mich auszupowern." Zwei Mal die Woche reitet sie aus. Denn, "beim Schießen muss ich schließlich zwei Stunden ruhig stehen".


Kontinuierlich gesteigert

Anna-Maria Gnebner steigerte sich in den letzten Jahren kontinuierlich, empfahl sich für den Unterfrankenkader und nahm auch am Bayernpokal teil. Hinzu kam aber auch die größere Anspannung. "Unter Druck von außen schießt sie super", sagt Trainer Ritzau. "Aber wenn sie sich selbst Druck macht..." Anna-Maria nickt: "Die Bezirksmeisterschaft habe ich ganz locker genommen. Der Roland stand hinter mir: Mach´ dir keinen Stress, wenn du es nicht schaffst, ist es auch nicht so schlimm." Mit etwas Glück sei sie Erste geworden.

Sie vergleicht ihre erste ´Bayerische´ mit der zweiten. "Bei der ersten wusste ich noch nicht, wie alles abläuft, bei der nächsten wollte ich mich unbedingt für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren, das ging in die Hose. Einer meiner schlechtesten Wettkämpfe."


Beste Ergebnisse im Team

In der Mannschaft indessen schießt Anna-Maria Gnebner ihre besten Ergebnisse. "Wenn sie einen guten Tag erwischt, kann sie 380 Ringe (von 400 möglichen) erzielen", betont ihr Coach, selbst bei einem schlechten seien es noch um die 370. Überhaupt holt die Mannschaft im Schnitt 20 Ringe mehr als letztes Jahr. "Wenn man weiß, es ist jemand da, der es raus reißt, schießen die anderen lockerer."

Mit 14 ist Anna-Maria die Jüngste im Team, ihre Mitstreiter sind 18, 32 und 36 Jahre alt. In dieser Umgebung könne sie sich gut auf die Titelkämpfe vorbereiten. Und Anna-Maria dankt ihrem Trainer: "Der Roland unterstützt mich bei den Meisterschaften. Überhaupt macht der Verein sehr viel für mich."


Erst wieder qualifizieren

Auch heuer muss sie sich erst wieder für die Bayerische Meisterschaft qualifizieren. Und den nächsten Anlauf auf die Deutsche Meisterschaft nehmen, als bald 15-Jährige dann bei der weiblichen Jugend. Sie ist zuversichtlich. "Die 377 Ringe vom letzten Wettkampf in der Liga hätten gereicht."

Im Training schoss sie bereits 384. Sie blickt noch weiter in die Zukunft. Den Dreistellungskampf (stehend, knieend, liegend) ausprobieren - "diese Sportart ist olympisch und mehr im Fokus der Funktionäre". Und Trainer Ritzau fügt hinzu: "Wenn die Entwicklung auf die 390 geht, werden eh andere auf sie aufmerksam." Und dann müsste Anna-Maria wohl doch von der SG Altenschönbach wegwechseln. Aber das ist noch Zukunftsmusik...
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