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Alexander Kliche holt Unterfrankentitel im Schach

Er bezeichnet sich als Kämpfer, gibt Willenskraft und Disziplin einen hohen Stellenwert. Bei der "Unterfränkischen" realisierte der Kitzinger Alexander Kliche erst im Laufe der letzten Partie, dass der Titel drin ist.
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Für ihn steht der Pokal eher im Hintergrund denn im Mittelpunkt: Alexander Kliche (rechts) holte nicht nur für ihn überraschend die unterfränkische Einzel-Schachmeisterschaft. Links Vereinskollege Matthias Basel, der auf Rang acht kam. Foto: Gerd Ludwig
Für ihn steht der Pokal eher im Hintergrund denn im Mittelpunkt: Alexander Kliche (rechts) holte nicht nur für ihn überraschend die unterfränkische Einzel-Schachmeisterschaft. Links Vereinskollege Matthias Basel, der auf Rang acht kam. Foto: Gerd Ludwig
Eher zurückhaltend betritt Alexander Kliche das Vereinslokal des SC Kitzingen 05, den riesigen Wanderpokal in Händen, nimmt Glückwünsche entgegen. schüttelt Hände. Clubkollegen klopfen ihm auf die Schulter. Ein Jahr ist es her, dass er das letzte Mal beim Vereinsabend war, er wohnt und arbeitet in Gießen, kommt nur noch selten nach Kitzingen. Dennoch bleibt er seinem SC 05 treu. In der ersten Mannschaft spielte er in der Landesliga erfolgreich an Brett eins - nun holte er unerwartet Unterfrankens Titel.

Er sei zwar gut in das Turnier gestartet, das über neun Runden ging, "aber im Spitzenduell in der fünften Runde hat mich Fabian Englert in einer Kurzpartie regelrecht niedergemäht". Vorher hatte Kliche noch einen halben Punkt Vorsprung vor seinem Kontrahenten, den er zu den absoluten Favoriten zählte. Da er sowieso keine Ambitionen auf Platz eins hatte, sei dies für ihn zwar schmerzhaft, nicht aber dramatisch gewesen.

Mit zehn Jahren im Schachclub

Alexander Kliche, 34-jährig, spielt seit dem zehnten Lebensjahr beim Schachclub. Über die Großeltern ist er zum königlichen Spiel gekommen. "Irgendwann wollte ich mehr über das Schachspielen erfahren", sein Interesse sei schon damals geweckt worden. "Ich bin ohnehin ein grüblerischer Typ." Dafür sei Schach gut geeignet.
Bei der Wiedergründung der Schulschachgruppe des Armin-Knab-Gymnasiums war er dabei. "In guter Tradition habe ich sie dann selbst einige Jahre betreut", so Kliche. Er besitzt die C-Trainer-Lizenz, rund 200 Ausbildungsstunden investierte er, um anschließend sein Wissen an die Jugend weiterzugeben. "Das wichtigste am Schach ist es, die mentale Disziplin zu fördern." Disziplin ist ihm sehr wichtig: bei seinen Schülern - er arbeitete als Schachtrainer am Armin-Knab-Gymnasium, der Richard-Rother-Realschule und der Siedlungs-Hauptschule. "Wer eine Stunde konzentriert Schach spielen kann, kann auch eine Stunde konzentriert Hausaufgaben machen." Bei den Erwachsenen: "Disziplin hilft einem in allen möglichen Lebenslagen weiter, privat wie beruflich."

Und natürlich Motivation bei ihm selbst. "Schach ist für mich auch ein Kampf der Willenstärke." Diese stellte er in der zweiten Hälfte der "Unterfränkischen" unter Beweis. Mit 3,5 Punkten auf dem Konto - darunter ein Remis gegen den Favoriten Harald Golda, ein Kämpfer wie er selbst, wie Kliche sagt - startete er in die sechste Runde. Gegen Vereinskollegen Matthias Basel. Ein Remis - vier Zähler aus sechs Partien. Dann ein Sieg gegen Klaus Link. "Erst nach der siebten Runde habe ich festgestellt, dass ich oben mitspielen kann", blickt Alexander Kliche zurück. "Aber dass tatsächlich Rang eins bis drei drin war, daran habe ich mich nicht wirklich orientiert." Er habe keinen Druck gespürt. "Ich habe einfach so weitergemacht."

Den Gegner ermüden

"Neben Willenskraft ist Kampfbereitschaft ein entscheidender Faktor", beschreibt der 34-Jährige. Darauf zu warten, dass der Gegner irgendwann einen Fehler macht, ihn bewusst durch komplexe Stellungen dazu zu zwingen, dass dieser irgendwann müde wird. Kliche motiviert das Lösen von intellektuellen Problemen. "Menschen lieben Knobelaufgaben. Das Besondere beim Schach ist, dass es mit jedem Zug eine neue Knobelaufgabe gibt", sagt er. Die sei schwer vorherzusehen, weil sie von Menschen gestellt wird. "Beim Schach gibt es nicht nur eine einzige oder eine richtige Lösung, sondern es ist alles individuell geprägt, wie risikobereit ein Spieler ist - ob er nun angreife oder lieber alles unter Kontrolle habe." Verschiedene Mentalitäten träfen aufeinander - auch dieser Einfluss mache das Schachspiel für ihn interessant.

Runde acht gegen Dr. Gabriel Seuffert verlief für Kliche erfolgreich, sein sechster Punkt. Nur Fabian Englert hatte einen halben Zähler mehr, Harald Golda brachte es ebenfalls auf deren sechs. "Golda als Seriensieger, Englert als vermutlich kommender stärkster Spieler - für mich war der erste Platz deutlich weniger wichtig als für diese Leute, die ihn von Anfang angepeilt hatten", so Kliche. Er habe erst während der letzten Runde wirklich gemerkt, dass es um den Spitzenrang geht - "auch wenn sich das etwas unprofessionell anhört".

Erstmals nervös

"Ich fragte während der Partie den Turnierleiter, falls Golda und ich unsere Partien gewinnen würden, ob ich dann Zweiter oder Dritter wäre. Der Funktionär sagte, wenn das und jenes einträte und ich selbst gewinnen würde, wäre ich Erster." Da sei Kliche erstmals nervös geworden. Brisanterweise saß auf der anderen Seite Titelverteidiger und Vereinskollege Konstantin Kunz. Acht Partien hatte der 34-Jährige bis dahin in den Knochen - in fünf Tagen. 7 Uhr aufstehen, 9 bis zirka 15 Uhr spielen, kurze Pause, eine weitere Partie von 16 bis nach 21 Uhr, Heimfahren, kurz Essen und Füße hochlegen. Um 23 Uhr noch eine Stunde auf den nächsten Gegner vorbereiten. Lediglich zu Beginn, am dritten Turniertag und zum Schluss, am sechsten Tag, stand nur eine Partie an.
"Wenn man ganz vorne dabei sein möchte, artet es in einen zehn- oder elfstündigen Arbeitstag aus. Golda und ich haben die Gegner mehr niedergekämpft als gespielt, meist über vier, fünf Stunden pro Partie."

"Sehr glücklich gelaufen"

Kliche holte sich in der letzten Runde schließlich den Erfolg - sieben Punkte aus neun Spielen. So viele wie Englert und Golda. Mit dem klitzekleinen Unterschied, das Kliches Buchholzzahl (zu vergleichen mit dem Torverhältnis im Fußball) eineinhalb Punkte besser als Goldas und einen halben als Englerts war. "Das Ganze ist sehr glücklich gelaufen", sagt der neue Meister. "Das Turnier war, ehrlich gesagt, kein schachlicher Höhenflug. Sicherlich gut gespielt von mir. Aber es waren auch stärkere Spieler dabei." Mit Blick auf seinen ärgsten Kontrahenten Fabian Englert: "Er hat sich verpokert und sich wohl mathematisch in Sicherheit gewogen." In den letzten beiden Partien habe der seinen Gegnern zu früh ein Remis angeboten. Anstelle zu warten, wie sich die Spiele der Konkurrenz entwickeln. Dann sei eine der eher unwahrscheinlichen Konstellationen eingetreten. Kliche stand ganz oben. Titel, Anerkennung und Pokal.

"Der erste Platz war nicht das Entscheidende. Wichtig war für mich, dass ich dem Druck standgehalten und mein persönliches Ziel erreicht habe." Er wäre auch als Dritter zufrieden gewesen."Wie bei einem Marathonläufer, der ins Ziel gekommen ist, egal ob als Erster oder Zehnter. Hauptsache, die Herausforderung bewältigt." Die Anerkennung, die gibt Kliche an den Verein weiter, bei dem er sein Schachspiel immer weiter verbessern konnte.
Noch in der Nacht fährt Alexander Kliche zurück nach Gießen, seiner beruflichen Heimat. Den Pokal lässt er in Kitzingen, als Ausstellungsstück für den SC Kitzingen 05: "Ich finde es schön, wenn der Pokal im Verein bleibt." Ob er ihn verteidigen wird und Zeit dazu hat, lässt er offen... aber vielleicht sagt er ja wieder Hallo.
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