FUSSBALL: LANDESLIGA NORDWEST

Abtswind genießt den Moment

Ein 5:1 gegen den Tabellenzweiten – schießen da in Abtswind neue Hoffnungen ins Kraut? Ach, woher! Viel lieber blickt der Trainer aufs nächste Spiel.
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Den Vorwärtsgang hat Abtswinds Cristian Dan gegen die Schweinfurter eingelegt. Foto: Foto: Jürgen Sterzbach

Beim 5:1 (2:0)-Sieg über den Tabellenzweiten bewertete Abtswinds Trainer Thorsten Götzelmann seine Mannschaft am Mittwoch „um zwei Klassen schlechter“ als drei Tage zuvor bei der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen die an dritter Stelle stehenden Würzburger Kickers II. Zur Beobachtung anwesend war vergangenen Sonntag auch Martin Halbig, der Trainer des FC Schweinfurt 05 II. „Mir war bewusst, dass es kein einfaches Spiel für uns würde. Abtswind verfügt über eine wesentlich erfahrenere Mannschaft als wir, daher hatte ich auf ein Unentschieden gehofft“, sagte er. Dass es den Abtswindern wegen der kurzen Zeit zwischen beiden Spielen an Kondition oder Konzentration fehlen würde, wagte Halbig für das Nachholspiel gar nicht erst zu hoffen: „Dazu ist ihr Kader viel zu groß.“

Entsprechend hatte Thorsten Götzelmann seine Anfangsformation auf drei Positionen geändert. Adrian Graf war nach abgelaufener Rotsperre zurückgekehrt, Jörg Otto spielte ebenso von Beginn an. Dafür blieb der aus dem Spiel zuvor angeschlagene Thilo Wilke zunächst draußen. Und auch Nicolas Wirsching stand nicht zur Verfügung. Weil Michael Herrmann seinen geplanten Einsatz kurzfristig absagen musste, war Cristian Dan in die Abtswinder Startelf gerutscht, die anfangs vom Gegner unter Druck gesetzt wurde.

Die Gäste begannen schwungvoll, zogen das Spiel gegen eine defensiv geforderte Heimelf in der ersten halben Stunde an sich. Doch Christoph Schmitt und Dominik Halbig trafen vor dem gegnerischen Tor ebenso wenig wie Adrian Dußler aus der Entfernung. „Wir sind gut ins Spiel gekommen und hatten die besseren Chancen“, folgerte Halbig und bekam die Zustimmung Götzelmanns: „Wenn wir 1:2 oder 1:3 in Rückstand gelegen wären, hätten wir uns nicht beschweren dürfen.“

Den Abtswindern war noch keine eigene Chance beschieden, als Schweinfurts Torhüter Julian Glos und sein Verteidiger Marcel Ruft am eigenen Strafraum klären wollten. Doch ihre unglückliche Abwehraktion prallte von Cristian Dan ab und zum 1:0 ins Tor (offiziell wurde später Ruft als Eigentorschütze genannt).

Mit dem Gegentreffer gerieten die Gäste nicht nur in Rückstand, sondern auch in Bedrängnis. Der Pfosten bewahrte sie noch, als Jörg Otto den Ball nach Przemyslaw Szuszkiewiczs Hereingabe aufs lange Eck gezogen hatte. Kurz darauf gelang den nun erwachten Abtswindern doch das 2:0. In zentraler Position hatte Carl Murphy einen von rechts gespielten Pass Jürgen Endres' verwandelt. „Mit den beiden ersten Gegentoren haben wir uns selbst geschlagen“, sagte Halbig, denn die Bemühungen seiner Mannschaft um den Anschlusstreffer blieben nach Seitenwechsel überschaubar und meist in Abtswinds Reihen hängen.

„Wir mussten uns das Glück der ersten Halbzeit in der zweiten verdienen“, stellte Götzelmann fest. Er hatte seiner Elf mit auf den Weg gegeben, schnell Druck aufzubauen, um die junge Schweinfurter Elf mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 19,9 Jahren nicht mehr ins Spiel kommen zu lassen. Mit zwei raschen Toren Mitte der zweiten Halbzeit führten die Abtswinder die Vorentscheidung herbei. Murphys Flankenball verpasste Jürgen Endres zwar, er legte aber auf für den hinter ihm stehenden Jörg Otto und der erhöhte auf 3:0. Nach einem Alleingang von der Mittellinie markierte Endres wenige Augenblicke danach das 4:0, indem er den Ball im Lauf mit feinem Fuß über Glos ins Netz lupfte.

Zwar verkürzte Schweinfurts Marius Heinze für einen Moment auf 1:4. Doch stellte Szuszkiewicz nach einem Zuspiel Cristian Dans mit dem 5:1 den alten Abstand wieder her. „So einfache Fehler dürfen auf diesem Niveau nicht passieren“, fasste Halbig nach zuvor dreizehn Spielen ohne Niederlage zusammen. „Wenn das die letzte in dieser Saison gewesen ist, lasse ich die drei Punkte gerne in Abtswind“, zeigte er sich generös, aber nicht nervös. Zwar wolle sein Team nun den zweiten Platz halten, sei jedoch mit ganz anderen Zielen in diese Runde gestartet.

Die Frage, ob nicht vielleicht auch die Abtswinder mit diesem Sieg noch einmal die Schweinfurter angreifen könnten, wollte Trainer Götzelmann kein weiteres Mal beantworten und gab das Mikrofon in der Pressekonferenz an den neben ihm sitzenden Andreas Herrmann weiter, der erstmals in der Landesliga von Beginn an gespielt hatte. „Wir wollen unsere Spiele gewinnen und werden dann sehen, was noch möglich ist“, antwortete der 21-Jährige angesichts des Abstands von fünf Punkten bei sechs Spielen zur Freude Götzelmanns zurückhaltend.

Dessen Gedanken waren schon bei der nächsten Aufgabe: „Wir können nur drei Nächte schlafen, bevor es wieder weitergeht“, bezog sich er auf das am Samstag anstehende Landkreisderby gegen Bayern Kitzingen. „Für mich und viele andere in unserer Mannschaft ist das ein besonderes Spiel. Wir freuen uns darauf“, sagte Andreas Herrmann vor der Begegnung mit seinem vorherigen Klub.

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind – FC Schweinfurt 05 II 5:1 (2:0)

Abtswind: Florian Warschecha; Adrian Graf, Jonas Wirth, Daniel Hämmerlein, Jürgen Endres (89. Tolga Arayici), Carl Murphy, Patrick Gnebner, Andreas Herrmann (60. Thilo Wilke), Przemyslaw Szuszkiewicz, Cristian Dan, Jörg Otto (78. Fabian Mauderer).

Schweinfurt: Julian Glos; Pascal Schmitt (46. Fabio Reuß), Dominik Halbig, Markus Thomann (84. Marcel Kühlinger), Vincent Waigand, Marcel Ruft, Max Hillenbrand, Christoph Schmidt (69. Christopher Lehmann), Marius Heinze, Adrian Dußler, Steffen Schmidt.

Schiedsrichter: Christoph Stühler (Heroldsbach).

Gelbe Karten: Mauderer; Ruft.

Zuschauer: 160.

Tore: 1:0 Cristian Dan (28.), 2:0 Carl Murphy (41.), 3:0 Jörg Otto (69.), 4:0 Jürgen Endres (70.), 4:1 Marius Heinze (73.), 5:1 Przemyslaw Szuszkiewicz (84.).

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