Bayerns bestes Schiedsrichter-Gespann im Amateur-Handball stellte 2011/2012 der TV/DJK Hammelburg – so urteilte zumindest der Bayerische Handball-Verband (BHV). Bei Aufstiegen im Sport denkt man in erster Linie an Spielerinnen, Spieler oder Mannschaften. Es gibt sie aber auch bei Schiedsrichtern. Das Duo Frank Arheidt (Untereschenbach) und Bernd Liebsch (Fuchsstadt/beide im Einsatz für den TV/DJK Hammelburg) ist heuer vom B- in den Elite-A-Kader des BHV aufgestiegen. In der Bewertungsskala standen sie am Saisonende unter 57 Gespannen auf Rang eins. Diese Bewertung ergibt sich aus den hervorragenden Lehrgangsergebnissen und den neutralen Beobachtungen von mehreren Spielen. „Neutral“ bedeutet, dass das Schiedsrichter-Team während eines von ihm geleiteten Spiels nicht weiß, dass es von einem Experten beobachtet wird.

Frage: Seit wann engagieren Sie sich als Handball-Schiedsrichter?

Frank Arheidt: Ich bin schon seit 30 Jahren in dieser Funktion, so dass ich auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken kann. Des Weiteren bin ich als Schiedsrichterbeobachter im Kreis Schweinfurt tätig.

Bernd Liebsch: Ich habe 1996 angefangen. Seit vier Jahren sind Frank und ich ein gut eingespieltes Team. Zusätzlich habe ich die unterfränkische Schiedsrichtereinteilung für die Kreise Schweinfurt, Neustadt/Saale und Bad Kissingen übernommen.

Wie muss man sich dieses Engagement konkret vorstellen?

Arheidt: Wir leiten pro Saison rund 50 Spiele von der Bezirksliga über die Landes- bis zur Bayernliga. Dazu kommen noch einige sogenannte Austauschspiele in den benachbarten Bundesländern. Pro Spiel müssen wir mit einem Zeitaufwand von dreieinhalb Stunden rechnen.

Liebsch: Dazu kommen die oft sehr weiten Anfahrten, die uns auch locker sieben Stunden für Hin- und Rückfahrt kosten können. Fürstenfeldbruck, Unterhaching, München-Ost sind nur einige Beispiele. Pro Saison kommen wir auf circa 12 000 Kilometer.

Woher kommt Ihre Motivation, so viel Freizeit zu opfern, zumal häufig ganze Wochenenden dafür benötigt werden? Sie leiten ja Spiele am Samstag und am Sonntag

Arheidt: Ja, da geht wirklich viel Zeit drauf, denn man muss sich auch noch während der Woche fit halten. Mit meinen 46 Jahren heißt das: Immer wieder Sprints und Ausdauer trainieren. Aber das Handball-Spiel fasziniert mich seit frühester Jugendzeit. Als Schiedsrichter kann ich hochklassige und rasante Spiele hautnah miterleben. Die Aufwandsentschädigung spielt keine Rolle für unser Engagement.

Liebsch: Ich teile Franks Emotionen für den Handball. Und wenn 600 oder gar 1000 Zuschauer die Halle in einen Hexenkessel verwandeln, dann prickelt es. Wir haben ja die Leitungsfunktion und damit eine große Verantwortung, möglichst objektiv und fehlerfrei zu pfeifen. Besonders motiviert uns beide aber die Anerkennung unserer Leistungen durch die Vereine, die Spieler und die Zuschauer. Andererseits bedeutet der gute Ruf, den wir uns erworben haben, eine große Herausforderung, diesem auch weiterhin gerecht zu werden.

Und noch ein Schlusswort?

Arheidt und Liebsch: Ein ganz großes Dankeschön an unsere Familien und Freunde, die viel Verständnis für unser Hobby aufbringen. Unser Dank gilt ebenso der Handballabteilung des TV/DJK Hammelburg, die unsere Begeisterung geweckt und uns Spielpraxis ermöglicht hat. Schließlich möchten wir auch andere ehemalige Spieler und Übungsleiter ermutigen, sich im Verein oder Verband einzubringen.