Es gab einiges zu bereden, als das Unterfranken-Derby in der Dritten Liga beendet war. Der TSV Rödelsee hatte denkbar knapp mit 23:25 den Kürzeren gegenüber dem HSC Bad Neustadt gezogen und schrammte dabei gegen das favorisierte Spitzenteam nur denkbar knapp an einer Überraschung vorbei. Ganz genau bemaß es Bad Neustadts Trainer Matthias Obinger bei der Analyse im Foyer der Halle, wieviel den Gastgebern gefehlt hatte. „Es waren zwei Zentimeter. Wären die Tore in der Halle abgerundet, dann geht der Ball wohl rein“, spielte er auf eine Szene an, die sich etwa 25 Sekunden vor dem Ende zutrug.

Mit einem Tor lagen die Neustädter vorne, als dem US-Amerikaner Gary Hines ein allzu leichtfertiges Anspiel in Richtung des Kreisläufers misslang. Rödelsee funkte erfolgreich dazwischen, der Ball gelangte zu André Deis, der just vom eigenen Kreis aus einen Wurf aufs gegnerische Tor ansetzte. Deis hatte gesehen, dass Neustadts wieder einmal überragende Figur, Torwart Rostislav Badura, viel zu weit vor seinem Kasten stand. Badura eilte zwar zurück, konnte aber nur noch zusehen, wie das Harz getränkte Spielgerät an die Unterkante der Querlatte sprang und von dort in die Arme des 38-jährigen Tschechen.

So wurde André Deis eben nicht zum Helden. „Das ist ärgerlich. Ich wusste nicht, wie lange noch zu spielen ist, vielleicht hätten wir die Situation anders lösen sollen. Aber wir hatten vorher auch Überzahl-Situationen mit sechs gegen drei, da hätten wir es machen müssen, haderte Deis hinterher über die vergebene Schluss-Pointe. Der HSC schaffte vier Sekunden vor dem Ende das 25:23 durch Goran Djuricin, das aber nicht mehr juckte.

Die zweite Schlüsselszene ereignete sich gleich nach sechseinhalb Minuten. Nach einem Foul an ihm selbst schritt Rödelsees Bostjan Hribar zum Siebenmeterpunkt. Er warf, und HSC-Torwart Badura sank getroffen zu Boden. Die Schiedsrichter werteten es als absichtlichen Kopftreffer und schickten Hribar mit Roter Karte vom Feld. Badura konnte nach kurzer Behandlung weiter machen.

„Ich habe den Kopf nur ein bisschen bewegt, er trifft mich direkt im Gesicht. Das war keine Absicht, es passiert einfach“, schilderte der Tscheche die Situation aus seiner Sicht. Bostjan Hribar ärgerte sich später über die harte Entscheidung der insgesamt umstrittenen Schiedsrichter. „Ich werfe normal, er bewegt sich, ich treffe ihn“, so seine lapidare Erklärung. Die Unparteiischen hätten sich eben für die Rote Karte entschieden, was er nicht verstehen konnte. Hinterher entschuldigte sich Hribar bei Badura. „Ein richtiger Tiefschlag für uns, ob berechtigt oder nicht“, nannte Trainer Suchy den Ausschluss.

So musste Rödelsee ab Minute sieben auf seinen Top-Werfer der letzten Woche verzichten und sein Konzept völlig umstellen, was mit enormem Kampfgeist auch gelang. Bad Neustadt zog kühl sein Spiel auf, konnte locker einen Gary Hines bringen, während Rödelsee nach zwischenzeitlicher Behandlung von Gabor Csorba nur noch zwei Spieler zum wechseln auf der Bank hatte. Auf 13:7 zogen die Gäste weg, doch der TSV blieb dran und verkürzte durch Andreas Pauls freches Solo auf 10:13.

In der zweiten Hälfte schien für Bad Neustadt zunächst alles nach Plan zu laufen, bis auf einmal Valkovskis und Djuricin innerhalb weniger Sekunden Zeitstrafen erhielten. Als eine Minute später noch Panfil folgte, stand Rödelsee mit sechs Akteuren gegen drei Gäste auf dem Feld (41.). Nur ein Siebenmetertor von Jan Kästner zum 15:17 gelang dem TSV in dieser Phase, der später erneut in doppelter Überzahl agierte (54.), da aber ohne jeden Torerfolg blieb. Stattdessen schaffte Emil Feuchtmann-Perez das 23:19 für den HSC. Trotzdem sollte es noch einmal ganz eng werden, als André Deis zum 23:24 traf (59.), aber dann um Zentimeter scheiterte.

Später grämte sich mancher beim Gastgeber ob der vergebenen Chancen, die etwa Gabor Csorba frei vor HSC-Torwart Badura liegen ließ. Aber nicht nur darüber. „Mit drei Leuten mehr, müssen wir das Spiel auf unsere Seite kriegen. Wir waren knapp dran, haben mit viel Risiko und Leidenschaft agiert, es hat nicht ganz gereicht“, fasste TSV-Trainer Dusan Suchy zusammen.

Gegner Bad Neustadt war in der Schlussphase etwas leichtsinnig geworden, Trainer Obinger monierte ungewohnte zwölf technische Fehler bei seinen Mannen. „Glücklich, aber nicht unverdient. So viel Glück haben wir nicht immer“, analysierte er später, um die Punkte dankend mitzunehmen.

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – HSC Bad Neustadt 23:25 (10:13)

Rödelsee: Thomas Paul, Max Deußen, Sebastian Vogt, Bostjan Hribar (2), Gabor Csorba (1), Julius Weinhardt (1), Andreas Paul (6), André Deis (1), Jan Kästner (9/5), Christian Häckner, Radovan Suchy (1), Maximilian Häckner (2).

Bad Neustadt: Rostislav Badura, Nils Thomas, Margots Valkovskis (5), Michal Panfil (1), Maximilian Schmitt (2), Gary Hines (4), Emil Feuchtmann Perez (3), Goran Djuricin (6/2), Jan Wicklein (1), Florian Bley, Franziskus Gerr, Vilim Leskovec (3).

Schiedsrichter: Johannes Marchlewitz (Darmstadt)/Christian Stadtmüller (Seligenstadt).

Zuschauer: ca. 700.

Zeitstrafen: 2x Christian Häckner – 2x Panfil, 2x Valkovskis, Djuircin, Wicklein.

Rote Karte: Hribar (7.).

Siebenmeter: 7:4 (6:2 verwandelt).

Spielfilm: 2:0 (4.), 3:2 (9.), 5:9 (21.), 7:13 (25.), 10:13 – 11:16 (35.), 14:17 (40.), 17:20 (48.), 19:22 (53.), 20:23 (56.), 22:23 (59.), 23:25.

3. Liga Süd Männer 
 
TGS Pforzheim – Kronau/Östringen II 32:29  
TSV Rödelsee – HSC Bad Neustadt 23:25  
HSC 2000 Coburg – SV Kornwestheim 33:20  
TSV Friedberg – Köndringen/Teningen 27:26  
SG Herrenberg – TV Hochdorf 21:32  
TSB Horkheim – Balingen-Weilstetten II 33:29  
SV 08 Auerbach – HSG Konstanz    
Zweibrücken-Saarpfalz – TV Großsachsen    
 
1. (1.) HSC Bad Neustadt 6 6 0 0 177 : 143 12 : 0  
2. (2.) HSC 2000 Coburg 6 5 0 1 168 : 131 10 : 2  
3. (5.) TV Hochdorf 6 5 0 1 185 : 143 10 : 2  
4. (3.) Balingen-Weilstetten II 6 4 0 2 178 : 173 8 : 4  
5. (4.) Köndringen/Teningen 6 4 0 2 176 : 169 8 : 4  
6. (6.) Kronau/Östringen II 6 3 1 2 180 : 175 7 : 5  
7. (8.) TSB Horkheim 6 3 0 3 167 : 166 6 : 6  
8. (7.) TSV Friedberg 6 3 0 3 151 : 160 6 : 6  
9. (10.) HSG Konstanz 5 2 0 3 126 : 129 4 : 6  
10. (12.) TV Großsachsen 5 2 0 3 117 : 127 4 : 6  
11. (11.) SV Kornwestheim 6 2 0 4 149 : 176 4 : 8  
12. (9.) TSV Rödelsee 6 2 0 4 164 : 173 4 : 8  
13. (13.) SV 08 Auerbach 5 1 1 3 142 : 155 3 : 7  
14. (15.) TGS Pforzheim 6 1 1 4 163 : 172 3 : 9  
15. (14.) SG Herrenberg 6 1 1 4 139 : 166 3 : 9  
16. (16.) Zweibrücken-Saarpfalz 5 0 0 5 127 : 151 0 : 10