BOXEN

Zum Jubiläum fliegen die Fäuste

Anläßlich des 125-jährigen Bestehens des Kraftsportvereins Kitzingen veranstaltet die Box-Abteilung am Samstag ein Jubiläumsturnier. Ein Streifzug durch die Geschichte.
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Ein Foto aus der Gründerzeit der Box-Abtweilung: Die Kitzinger Amateurboxer (hinten von links) Günther Späthe, Assi Fick und Georg Kohl sowie (vorne von links) Fritz Hirth, Kurt Strohmeier und Otto Hofmann nahmen 1945 in Kitzingen am Festzug anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Stadt teil. Foto: Foto: KSVK

Der Kraftsportverein 1894/96 Kitzingen wurde heuer 125 Jahre alt, aus diesem Anlass veranstaltet die Boxabteilung an diesem Samstag ein Jubiläumsturnier in der Florian-Geyer-Halle. Ab 13 Uhr werden rund 60 Faustkämpfer in rund 30 Kämpfen die Fäuste fliegen lassen, Abteilungsleiter Maik Dreßler erwartet Boxer aus der halben Bundesrepublik. Mit Moritz Hemm (Schüler, Papiergewicht), Arthur Papst (Schüler, Papiergewicht) und Sidiqualla Momand (Jugend, Halbmittelgewicht) steigen auch drei Einheimische in den Ring. Die Gastgeber haben bei der Veranstaltung 35 Helfer im Einsatz, um vom Aufbau über die Kämpfe bis zum Abbau alles zu schultern.

1948: 4000 Zuschauer bei der Kreismeisterschaft in Kitzingen

Die Box-Abteilung war am 27. Januar 1933 von 19 Idealisten aus der Taufe gehoben worden und schon zwei Monate später gab es in Kitzingen einen Werbeabend im Fränkischen Hof mit Auftritten von Boxern, Stemmern, Ringern und Jonglierern. Im Juni 1946 kam es zur Wiedergründungsversammlung des KSV nach dem 2. Weltkrieg und in dieser Zeit avancierte das Boxen zur Hauptsportart. Ab 1948 fand das Box-Training laut der vom Ehrenvorsitzenden Walter Schneider verfassten Chronik in der durch die Bombardierung beschädigten Turnhalle der evangelischen Schule, dem heutigen Paul-Eber-Haus, statt. Welche Blüte das Amateurboxport damals erlebte, verdeutlicht die Tatsache, dass 1948 an drei Abenden 4000 Zuschauer die Kreismeisterschaften der Boxer verfolgten und der KSV damals 29 Boxer in den Ring schicken konnte. Die Anzahl von 17 Heimkämpfen im Jahr 1948 nimmt rapide auf nur noch sechs Veranstaltungen im Jahr 1950 ab und schon ein Jahr später gab es gar keine Boxveranstaltungen mehr.

1975: Gold und Silber bei der deutschen Jugendmeisterschaft

1952 ging der KSV mit einer neuen Jugendmannschaft an den Start, und Herbert Förtner war in den Folgejahren der erfolgreichste KSV-Boxer. Ab 1961 waren die KSV-Boxer wieder in der Lage, Mannschaftskämpfe zu bestreiten. Im Jahr 1965 waren die Kitzinger Boxer denn mit 16 Veranstaltungen wieder der aktivste Amateurbox-Veranstalter in ganz Bayern, und 1973 bekamen die KSV-Boxer mit Manfred Berger erstmals einen ausgebildeten Übungsleiter. Die Trainingsbedingungen waren damals alles andere als optimal. Einer alten Wehrmachtsbaracke, die ab 1950 in der Glauberstraße als Sporthalle diente, verleibte der Verein 1958 eine Heizung ein, doch durch die undichten Fenster und Mauerfugen sowie das dünne Dach entwich die Heizungswärme rasch wieder.

25 Jahre später errangen Rüdiger Spurny (Bronzemedaille) und Jürgen Ramming (Silber) bei der deutschen Jugendmeisterschaft die größten Erfolge der KSV-Boxer. Zu den Höhepunkten für die Abteilung gehörten Auftritte beim Würzburger Kilianiboxen vor 1200 Zuschauern oder Reisen nach England zu Vergleichs- kämpfen gegen die Riege des ABC Lowhouse St. Helens.

Frieder Dollinger: Boxer, Trainer, Abteilungsleiter und Vereinschef

Ab 1963 endeten Boxwettkämpfe durch die Anreisen von Gastboxern meist mit einem finanziellen Defizit, doch der seit 1959 als Abteilungsleiter fungierende Frieder Dollinger zog die Veranstaltungen in seinem eigenen finanziellen Risiko durch. Dollinger war von 1956 bis 1969 aktiver Boxer und prägte mehr als ein halbes Jahrhundert die Boxabteilung, die er von 1959 bis 2013 führte. Darüber hinaus wirkte er von 1975 bis 1982 als 2. Vorsitzender des Hauptvereins und stand von 1989 bis 2013 als Vereinschef an der KSV-Spitze. Er lebte für das Boxen als Funktionär, Trainer, Punktrichter und Organisator von über 100 Wettkämpfen sowie Vorstandmitglied im Bezirk Unterfranken des Bayerischen Amateursportverbandes. Er erwarb sich herausragende Verdienste bei der Erweiterung der Walter-Schneider-Sporthalle in den Jahren 1991/92 auf die heutige Größe. Daneben gelang es dem Repperndorfer, seinen sehnlichsten Traum zu verwirklichen, die Einrichtung eines eigenen Trainingsraums mit 200 Quadratmetern Größe im Keller der Florian-Geyer-Halle, wo die Boxer seit 1994 ihr Domizil haben.

Nach dem Tod von Frieder Dollinger im Jahr 2013 trat Maik Dreßler dessen Nachfolge an, baute die Abteilung auf heute 250 Mitglieder aus und hat inzwischen auch den Trainerschein in der Tasche. Dreßler war von 2014 bis 2018 auch Bezirksjugendwart und kann aktuell mit Stolz verkünden, dass die Abteilung derzeit eine Gruppe mit rund 30 Damen – so viele wie nie zuvor – aufweisen kann.

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