Morgens um halb elf an diesem Sonntag ist für Bayern Kitzingens zweite Mannschaft die Fußballwelt noch halbwegs in Ordnung. Das Aufgebot für das Kreisligaspiel gegen Versbach besteht zu dieser Zeit noch aus dreizehn Mann – nicht viele, um sich gegen den Tabellensiebten etwas auszurechnen, genug immerhin, um überhaupt anzutreten. Zwei Stunden später ist aus dem knappen Reservoir ein Häuflein zehn Aufrechter geworden – zu wenig, um sich der Aufgabe in Versbach zu stellen. Vor allem weil zwei von diesen zehn „nicht neunzig Minuten durchgehalten hätten“, wie Burkhard Straßberger erklärt. Die Kitzinger riefen in Versbach an, warben um Verständnis für ihre Notlage und sagten letztlich ab. Ein Vorgeschmack auf das, was da die nächsten Wochen droht?

Straßberger, offiziell Juniorenleiter des Klubs, hat dieser Tage wieder einmal alle Hände voll zu tun, den Fußball-Spielbetrieb am Bleichwasen aufrechtzuerhalten – oder sollte man sagen: die sportliche Krise eines Teams zu moderieren, das ohne große Hoffnung in die Saison gestartet war? Der 51-Jährige tut das nach außen so, wie man es gewohnt ist: sachlich, unaufgeregt, ohne jeden Zweifel am Erfolg seiner Mission.

Die Frage ist nur: Woran bemisst sich dieser Erfolg? Schon daran, dass der Klub die zweite Garde heil durch die Saison bringt? Dass er nicht weitere Spiele wegen Personalnot absagen muss? Oder dass er sich wider allen Trends doch in der Klasse hält?

Straßberger antwortet darauf nicht direkt, aber natürlich ist auch er, der notorische Optimist, sich darüber im Klaren, dass es schon eines „kleinen Wunders“ für die Bayern bedürfe, um bei neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz den Klassenverbleib zu schaffen. Wichtiger als kurzfristige Erfolge sind dem Bayern-Fossil ohnehin die Perspektiven des Teams – und da wärmt sich Straßberger schon jetzt an der Aussicht, dass sich spätestens im Winter etwas ändern werde an der personellen Enge in der Reserve.

Drei, vier Spieler hätten sich angeboten zu kommen. Namen nennt Straßberger nicht, aber von manchen der Kandidaten weiß man, dass sie schon einmal für die Bayern gekickt haben und bei ihren derzeitigen Klubs nicht sonderlich glücklich geworden sind. Die Parole heißt also: durchhalten bis ins neue Jahr.

Solange gilt es am Bayernplatz, die Zähne zusammenzubeißen und sich zu behaupten – so gut das eben geht mit einer Schar herrenloser Jugendlicher und einer Handvoll, nun ja, Altmeister. Burkhard Straßberger, Detlev Gold oder Robert Geitz, alle weit über 40, waren zuletzt die Alternativen auf der Bank. „Für zwanzig Minuten geht das schon mal“, sagt Straßberger, der sich das Zusammenspiel mit seinen Söhnen Benedikt (26) und Felix (22) unter angenehmeren Umständen gewünscht hätte. „Es kann ja nicht der Sinn sein, dass Spieler jenseits der 40 dauerhaft in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommen.“

Aber was will der Verein machen nach dem großen Aderlass im Sommer, der das Zeug dazu hatte, das Team in seiner Substanz zu treffen. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, hat Straßberger nicht überrascht. „Da sind Leute gegangen, die in der ersten Mannschaft immer bloß die Nummer 13, 14 oder 15 waren. Die möchten ihr Können auch einmal in der ersten Mannschaft beweisen.“

„Die Kreisklasse ist auch keine so unattraktive Liga.“
Burkhard Straßberger über die Folgen eines Abstiegs

Ein harter Kern von zehn bis zwölf Mann war den Bayern für die Reserve geblieben. Regelmäßig musste Benedikt Straßberger, nach dem Abschied des entnervten Andreas Karl als Trainer installiert, improvisieren, um Lücken zu stopfen. 41 Spieler hat er dazu generationenübergreifend seit August berufen, eine konstante Elf aber nicht gefunden – auch weil er immer wieder Personal an die erste Garde in der Landesliga verlor. Diejenigen, die nachgerückt sind, müssen sich an die Finten und Finessen der Kreisliga erst gewöhnen. „Für manche“, sagt Straßberger „ist das ein Tick zu hoch.“

Unschwer abzulesen war das an den Ergebnissen: 0:5 in Giebelstadt, 0:7 ge-gen Sieboldshöhe Würzburg, zuletzt ein 0:11 gegen Hettstadt. „Wenn wir aus dem erweiterten Kader der ersten Mannschaft niemanden bekommen, sind wir in der Kreisliga chancenlos“, stellt Straßberger fest. Ein Abstieg, so ist seinen Worten zu entnehmen, sei zwar nie schön, würde den Klub, der die letzte Zeit ganz anderen Fährnissen getrotzt hat, aber nicht in seinen Grundfesten erschüttern. „Die Kreisklasse ist auch keine so unattraktive Liga.“