Im Sport bringt ein Aufstieg häufig Begeisterung in einen Verein. Er sorgt für Schwung in einer Mannschaft, mit dem man manche Schwäche bisweilen übertünchen kann. Beim VfL Kleinlangheim hat Michael Ludwig seit Rundenbeginn noch nicht viel vom zusätzlichen Elan gemerkt.

Statt dem sportlichen Sonnenschein ist dort Herbststimmung. „Die Euphorie fehlt uns momentan total, das kommt natürlich durch das Abschneiden bisher“, muss der Spielertrainer nach vier Punkten und 23 Gegentoren aus den ersten sieben Spielen feststellen.

So kehrte beim 34-Jährigen, der den VfL im Vorjahr gleich in seiner ersten Saison zum Aufstieg verhalf, eher Ernüchterung ein. In manchen Bereichen sei die von vorne herein als schwierig eingeschätzte Situation „noch krasser eingetroffen, als ich es erwartet habe“, so Ludwig. Er beklagt sich vor allem über die missliche personelle Lage. Zuletzt reiste die erste Garnitur mit gerade einmal elf Spielern nach Stammheim, zwei weitere erschienen später noch. „Die Leute sind nicht da, wenn du sie brauchst“, sagt er.

Das liegt an Verletzungen wie etwa bei Sascha Bader oder Florian Friedel. Manch einer melde sich kurzfristig am Spieltag ab, wieder andere müssten nahezu ohne Training auskommen. Dazu kommt, dass Torhüter und Leistungsträger Manuel Tippmann nahezu jede zweite Woche wegen seines Polizeiberufs passen muss. „Wenn der 'Tippi' nicht da ist, gehen schon in der Besprechung bei einigen Spielern die Köpfe runter“, schildert Ludwig.

Der Trainer, der auf dem Platz die Löcher stopft, je nachdem, wo Personal gebraucht wird, der rackert und antreibt, vermisst in solchen Situationen Tugenden wie Kampf oder Mut. Diese Woche habe er beim VfL eine Trainingseinheit gestrichen, „damit die Spieler den Kopf vielleicht mal frei kriegen.“ Ludwig will ihnen „Bedenkzeit geben, damit sie sich mal hinterfragen, ob wir uns gegen den Abstieg wehren wollen oder ob wir es so hinnehmen“, erhofft er mit seinen deutlichen Worten eine Trotzreaktion.

Natürlich sei die Kreisliga für viele seiner im Schnitt recht jungen Akteure eine Umstellung. „Sie haben schon gemerkt, dass es schneller zugeht, dass die Fehler einfach viel schneller bestraft werden. Und wir machen zu viele Konzentrationsfehler“, beklagt Ludwig vor allem das Defensivverhalten.

Zudem sei die Mannschaft teilweise zu zaghaft in den Zweikämpfen. Für die Sorgen hinten drin besitzt er eine simple Erklärung. Zu viele Wechselspiele gebe es gerade in der Abwehr, was nicht optimal sein könne. Zum Derby gegen Geesdorf muss Ludwig wieder umstellen, weil Abwehrspieler Christian Höhn zuletzt die Rote Karte bekam.

Trotz der schwierigen Voraussetzungen könnte für den VfL der eine oder andere Zähler mehr auf der Habenseite stehen, beklagt Ludwig weiter. „Komplett und mit der richtigen Einstellung“ wäre gegen jede Mannschaft etwas zu holen, musste er feststellen.

Kampflos will sich Michael Ludwig auch gegen seinen Exverein, den FC Geesdorf, nicht geschlagen geben. Die Himmelsstürmer bezogen zuletzt gegen Herlheim ihre erste Saisonniederlage, kommen dennoch mit der Favoritenrolle nach Kleinlangheim. Zumindest einen Punkt hätte er gerne. „Geesdorf hat eine gute Mannschaft, sie haben zuletzt durch den Pokal etwas Kraft gelassen. Bei uns werden sie anders auftreten, als noch gegen Herlheim.“ Er muss es wissen, schließlich kennt er den Gegner nach vier Jahren und zwei Aufstiegen, die er dort erreichte, bestens.