Fussball: A-Klasse 1 Würzburg

Winterhausen erlebt den dritten Frühling

Zwei Fehlversuche hat Winterhausen hinter sich. Im dritten Anlauf scheint es mit dem Aufstieg in die Kreisklasse zu klappen. Der Verein hat dafür im Sommer zu einer List gegriffen.
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Fußball, Kreisklassen-Relegation: TSV Gerbrunn - FC Winterhausen
Trost in schwerer Stunde: Bernd Wenkheimer richtet Winterhausen nach zwei verpassten Aufstiegen erfolgreich wieder auf. Foto: Foto: Heiko Becker

Es war das Bild des Abends, eines Abends im Juni 2015. Gegen 21 Uhr verabschieden sich die Fußballer des FC Winterhausen von einem Traum – jeder auf seine Weise. Einer kniet auf dem Rasen und blickt in schier endlose Leere. Einer sitzt im Gras und lächelt seinen Frust hinweg. Einer liegt auf dem Rücken, zu Boden gerissen von der Wucht der Ereignisse. Nur einer steht halbwegs aufrecht: Bernd Wenkheimer. Der Trainer lässt sich nichts anmerken, versucht Trost zu spenden, wo nur Enttäuschung ist, versucht Mut zu machen, wo nichts als Bitterkeit ist. Die Mannschaft hat ein Fußballspiel verloren, aber nicht irgendein Spiel und nicht auf irgendeine Weise. Sie hat das entscheidende Spiel um den Sprung in die Kreisklasse verloren, und das mit 4:5 nach Elfmeterschießen. Bilder des Scheiterns, sie sind in Winterhausen schon zum Dauerbrenner geworden, und es gibt nur eine Chance, sie möglichst rasch aus dem Gedächtnis zu löschen: Die Mannschaft muss endlich aufsteigen, egal wie.

„Wir wollten mal neue Gegner kennen lernen. Dieses Unbekannte war noch einmal ein Anreiz.
Bernd Wenkheimer über den „Umzug“ der Winterhäuser

Zweimal war der Verein schon fast am Ziel: mit Punkten wie im Akkord, mit Treffern wie am Fließband. Doch in der Relegation, in der sich das Geschehen einer ganzen Saison auf ein, vielleicht zwei Spiele verdichtet, hat sich die so famose Aussicht auf einen schmalen Spalt reduziert. Zweimal ist der Verein zuletzt an dem Versuch gescheitert, sich hindurchzuquetschen. Ist das nur Augenblicksversagen oder schon Torschlusspanik einer Mannschaft, die ja bewiesen hat, dass sie es kann?

Für Wenkheimer spielt das keine Rolle. Er hat sich nicht lange mit Selbstzweifeln aufgehalten. Schon in der Stunde der Niederlage blies er zur Offensive, wie es sonst der Stil seines Teams ist: „Jetzt müssen wir nächste Saison wieder voll angreifen“, sagte er damals in einer Mischung aus Trotz und Mut. Das war leicht gesagt. Doch Wenkheimer schaffte es tatsächlich, die Spieler hinter sich zu scharen und auf das gemeinsame Vorhaben einzuschwören.

Vielleicht lag das auch an einer Art List, einem taktischen Kniff, den sich der Verein im Sommer erdacht hatte. Er wechselte kurzerhand das Milieu: von der A-Klasse 2 in die A-Klasse 1, vom Ochsenfurter Gau in die Metropolregion Würzburg. Möglich geworden war der Wechsel durch den Aufstieg der zweiten Mannschaft von der B- in die A-Klasse. In der selben Klasse dürfen zwei Mannschaften eines Vereins nicht spielen, Winterhausen zog mit seiner ersten Garde um. Bewusst, wie Wenkheimer sagt: „Es hatte sich alles eingespielt. Wir wollten einfach mal neue Gegner kennenlernen. Und dieses Unbekannte war noch einmal ein Anreiz.“

Dreizehn Runden hatte der FC keinen einzigen Punkt abgegeben, dann kam vergangenen Sonntag die Partie in Reichenberg. Mit 7:0 hatten sie die Reserve des Kreisligisten im Hinspiel besiegt, wie sie die Konkurrenz überhaupt nach Lust und Laune vor sich hergespielt hatten. Aber diesmal entwickelte sich die Sache etwas anders als gedacht. „Du spielst, du gewinnst und irgendwann fehlen halt mal ein paar Prozent“, sagt Wenkheimer milde. In der Nachspielzeit trifft Winterhausen zum 4:4, rettet den Punkt auf irgendwie typische Weise. So spektakulär der FC gewinnt, so spektakulär scheitert er.

Diese Mannschaft ist im-mer auf Krawall gebürstet, geht gern aufs Ganze und verliert sich zuweilen im eigenen Angriffswirbel. Wenkheimer war dieser Wesenszug nach eigenen Worten gar nicht so bewusst, als er im Sommer 2013 als Trainer kam, aber rasch lernte er das Temperament seiner Spieler kennen. „Diese Mannschaft wird nie auf 0:0 spielen können“, sagt er. Sie spielt lieber 4:3 oder 10:5 – und liefert dabei beste Unterhaltung.

Neu ist, dass sie sich auch zu verteidigen weiß. Die Spiele gegen die DJK Würzburg (2:0) oder Lindleinsmühle (5:1), Rivalen im Kampf um den Aufstieg, gewann der FC auch dank einer soliden Abwehr. Wenkheimer hat die stürmische Attitüde seines Teams in einem 4-2-3-1-System zu kanalisieren versucht, das eigentlich ein 4-3-3 ist, so offensiv wie die beiden Flügelflitzer im Mittelfeld auftreten. 103 Tore hat Winterhausen vergangene Saison in 28 Spielen erzielt, im Jahr zuvor sogar 137. Jetzt sind es schon 79 Treffer nach vierzehn Spielen. Wenkheimer will den Sturm und Drang nicht stoppen. Er würde die Marke Winterhausen beschädigen und das Team seiner Identität berauben.

Beim FC spielen die beiden erfolgreichsten Schützen der Klasse: Fabian Mainberger (24 Tore) und Michael Morawietz (19), und dass sie trotz konstant hoher Quote noch immer in Winterhausen kicken und nicht längst in einer höheren Liga, ist laut Wenkheimer dem gewachsenen Charakter der Mannschaft geschuldet. „Die Spieler unternehmen auch privat viel miteinander“, erklärt der Trainer. „Das Mannschaftsgefüge ist gefestigt.“

Elf Punkte Vorsprung hat der FCW in der Tabelle angehäuft – was soll da schon groß passieren auf dem Weg in die Kreisklasse? „Was passieren kann, hat man am Sonntag gesehen“, sagt Wenkheimer. Doch vor dem letzten Spiel des Jahres am Sonntag gegen die dritte Garde der Würzburger Kickers weiß auch der Trainer, dass sich sein Team „eigentlich nur selbst schlagen kann“.

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