Wiesentheid

Wiesentheid reift im Stil einer Banane

Der neue Trainer Thomas Latteier gesteht seinen jungen Schützlingen in der Theorie Fehler zu. Doch in der Praxis sind sie für den 50-Jährigen kaum auszuhalten.
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Auch in schwierigen Zeiten hat Thomas Latteier seine Zuversicht nicht verloren.

Thomas Latteier führt in Scheinfeld einen größeren Lebensmittelmarkt, Typ Vollsortimenter mit Tausenden von Artikeln im Angebot. Seit Kurzem betreut Latteier als Trainer auch wieder eine Fußball-Mannschaft: den TSV/DJK Wiesentheid in der Bezirksliga. Müsste er sein junges Team vermarkten, was wäre es dann? Vielleicht eine Banane? Produkt reift beim Kunden. Als Latteier es vor drei Monaten übernahm, war es arg grün. Aber wie sollte es auch anders sein in einem Verein, der sich nunmehr seit Jahrzehnten für seine jungen Früchtchen feiert.

Drei Spiele hatte sich Latteier angesehen, bevor er seine Mission antrat. Man kauft schließlich nicht die Katze im Sack. Danach war Latteier, nun ja, soll man sagen angetan? Er erkannte, wozu die Mannschaft reifen könnte. „Großes Potenzial“ bescheinigte er ihr zu seinem Amtsantritt. Und von dieser These will er auch heute nicht abrücken, auch wenn er in acht Spielen bisher nur an der Oberfläche gekratzt und nur einen Bruchteil dieses Potenzials freigelegt hat. Was noch alles in der Tiefe schlummert – man weiß es nicht.

Das Dilemma des Trainers

Latteier steckt in einem Dilemma. Er weiß, dass er in seiner Startelf bisweilen „sechs, sieben Spieler“ stehen hat, die gerade ihre erste oder zweite Saison bei den Männern absolvieren, „sehr junge, unerfahrene Spieler, die Leistungsschwankungen offenbaren und erst lernen müssen, sich durchzusetzen“. Spieler, die Zeit brauchen, sich zu entwickeln, und mit denen er Geduld haben müsse. Aber diese Zeit hat Latteier nicht. „Als neuer Trainer willst du schnell Erfolg haben“, sagt er über die eigenen Ansprüche.

Dazu kommt noch die Erwartungshaltung von außen, die in Wiesentheid – trotz der zunehmend schwierigeren personellen Situation – immer noch recht hoch ist. Latteier soll und muss Ergebnisse liefern, zumindest für den Verbleib in der Bezirksliga. Dieses Spannungsverhältnis auszuhalten sei für einen Trainer „sehr schwierig“: einerseits den jungen Leuten Fehler zuzugestehen, wie er es vor der Saison in der Theorie ankündigte, andererseits draußen stillzuhalten, wenn sich diese Fehler in der Praxis aneinanderreihen wie jüngst beim 3:4 gegen Unterspiesheim.

Latteier hat seinen Weg gefunden, mit diesen Situationen umzugehen. Schon beim TSV Abtswind oder Bayern Kitzingen gab er sich auch in der Krise eher als jovialer Gesprächspartner. „Es bringt ja nichts, dazwischenzuhauen und die Spieler noch mehr zu verunsichern“, sagt er auch heute. Reagiert hat Latteier auf den ausbleibenden Erfolg mit nur einem Sieg in acht Spielen bereits mit einer Abkehr von seinem bevorzugten System. Angetreten war er mit der Idee, offensiven Fußball spielen zu lassen.

Doch schnell wurde ihm klar, dass dies „so nicht umsetzbar“ sein würde. „Man muss sich unseren Kader anschauen. Unser bester Schütze hat vergangene Saison sieben Tore erzielt. Wir haben nicht den typischen Torjäger“, stellt Latteier fest. Spieler wie Martin Seitz, Christian Enzbrenner und Alexander Ruppert verkörpern die wenige Erfahrung im Team.

Erfolg des neuen Systems

Die herben 0:3-Niederlagen zu Rundenbeginn in Thulba und gegen Altbessingen zeigten außerdem, dass die Mannschaft nicht ausbalanciert war. Mit einem 3-6-1-System versucht der Coach seither das Gleichgewicht wiederherzustellen, was bei drei Unentschieden und dem bislang einzigen Saisonsieg Ende August in Bad Kissingen leidlich gelungen ist. Der jüngste Auftritt in Unterspiesheim darf indes als Rückschritt auf dem Weg der Besserung gewertet werden. So sieht das auch Latteier, und obwohl er den Begriff zunächst meidet, spricht er dann doch von einem „verkorksten Saisonstart“. Mit einem Sieg hätte Wiesentheid den dunkelsten Teil des Kellers verlassen.

Den Weg ans Licht hofft Latteier in den kommenden Heimspielen zu finden. Bislang hat seine Mannschaft in sechs von acht Fällen reisen müssen. Und immer hatte der Trainer andere Spieler dabei. „Ich konnte nicht einmal mit derselben Aufstellung wie in der Vorwoche spielen.“ Das alles soll sich ändern. Wie es ausgerechnet an diesem Sonntag gegen die schon wieder Richtung Spitze geeilte DJK Oberschwarzach klappen soll, hat er sich schon ausgemalt: „Wir müssen einen guten Tag erwischen – dann können wir auch Oberschwarzach schlagen.“ Dazu muss es sein Team schaffen, vor allem die Offensivwucht der Gäste zu zügeln. Gelingt das, bekämen Latteiers noch junge Früchtchen einiges an Farbe.



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