FUSSBALL: BAYERNLIGA

Wie der TSV Abtswind das Monster zähmte

Von der befürchteten Wucht Gebenbachs ist diesmal wenig zu spüren. Das liegt auch an einer Abtswinder Elf, die dazugelernt hat – und eine verlustreiche Schlacht als Sieger verlässt.
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Mit Köpfchen wehrt sich der Abtswinder Nicolas Wirsching (links) gegen den etwas verblüfft wirkenden Gebenbacher Oliver Gorgiev. Foto: Foto: Hans Will

TSV Abtswind – DJK Gebenbach 2:1 (2:0). Es gibt Fußballspiele, aus denen nach kurzer Zeit die Luft raus ist. In Abtswind traf dies am Samstag allein auf den Ball zu: Nach 34 Sekunden hatte es Pfft! gemacht, und er war platt. Als knapp zwei Stunden später, um 17.54 Uhr und sieben Minuten Nachspielzeit, Schluss war, hatten die Abtswinder „50 Prozent mehr Alkoholika verkauft“, wie Teammanager Christoph Mix nachher in der Pressekonferenz sagte – „weil es so spannend war“.

In der Tat hatte sich der TSV Abtswind nach seinem Doppelschlag in der 21. und 23. Minute nie ganz sicher sein dürfen, dass es gegen die DJK Gebenbach zum Erfolg reichen würde. „Leider fiel der Anschlusstreffer zu spät“, sagte Gästetrainer Faruk Maloku mit Blick auf den einzig lichten Moment seiner Elf in der 89. Minute.

Maloku gab sich am Ende so wie im Spiel zuvor: als fairer Sportsmann und sympathischer Verlierer. Er gratulierte der Heimmannschaft zum „nicht unverdienten Sieg“ – und gab selbst einem Einwand Recht, Gebenbachs Stil sei an diesem Tag wenig konstruktiv gewesen.

Zwei Spieler mit blutenden Wunden

Es war eine verlustreiche Abtswinder Schlacht: Binnen zehn Minuten hatten erst Christian Steinmetz und dann Christopher Lenhart das Spiel stark blutend verlassen – Platzwunde im Gesicht! Vor allem der Ausfall Lenharts traf die Abtswinder spürbar. Er hatte nicht nur den Luftraum bis dahin sicher beherrscht, sondern auch am Boden solide Verteidigungsarbeit geleistet. Gebenbach bot sich bis dahin kaum die Gelegenheit, bis in die gefährliche Zone vors Tor vorzudringen. „Heilfroh“ zeigte sich Abtswinds Trainer Mario Schindler gegen „eine solche Monster-Mannschaft wie Gebenbach“ bestanden zu haben. Doch von Monstern konnte diesmal keine Rede sein.

Anders als in den zwei Begegnungen der vergangenen Saison, die für Abtswind jedes Mal in einer Niederlage endeten (1:3, 1:4), waren die Oberpfälzer an diesem Samstag kein Gegner zum Fürchten. „Wir versuchten, präsent zu sein, den Faden aufzunehmen und Leichtigkeit reinzubekommen“, sagte Trainer Maloku. Schöner Gedanke, nur blieb es beim Versuch, weil die gebrannten Abtswinder Vorkehrungen getroffen hatten, das vermeintliche Monster zu zähmen.

Aus dem Hinterhalt schlägt Abtswind zu

Von der robusten, abgezockten Spielweise Gebenbachs hatten sie sich voriges Jahr noch überrumpeln lassen. Auch Schindler war noch vor der neuerlichen Begegnung schwer beeindruckt von jener „präzisen Wucht“, die Gebenbach wie kaum ein zweites Team in dieser Liga auszeichne. Er ließ seine Kämpfer folglich nicht mit Hurra angreifen, sondern verordnete ihnen erst einmal kluge Vorsicht. Sollte das Monster sich erst einmal die Hörner abstoßen. Sein Team werde bei Gelegenheit schon zuschlagen – aus dem Hinterhalt.

Und so kam es.

Anfällig waren die Oberpfälzer bei schnellen, direkten Angriffen, wie sie die Abtswinder von Zeit zu Zeit in ihr Spiel einstreuten. In der 21. Minute hatte sich Christopher Lehmann auf der linken Seite davongemacht, und mit einem wuchtigen Schuss traf der 23-Jährige aus spitzem Winkel. Zwei Minuten später tauchten die Gastgeber nach ein paar kurzen, flinken Pässen erneut vor dem Gebenbacher Tor auf, diesmal besorgte den krönenden Abschluss Markus Thomann, der vor der Saison vom TSV Aubstadt gekommen war. Zwei Wirkungstreffer binnen so kurzer Zeit – „ein hartes Brett, das man erst einmal verdauen muss“, sagte Maloku.

Ein Elfmeter wäre möglich gewesen

Es lag den Seinen lange schwer im Magen. Zu statisch und unbeweglich wirkte nun ihr Spiel, nachdem sie bis dahin noch Biss und Appetit gezeigt hatten. Mit etwas Wohlwollen hätte man Elfmeter pfeifen können, als der Abtswinder Karl Ekollo Nico Becker am rechten Sechzehnereck zu Boden warf. Doch sonst kam nicht viel herum bei ihren langen Flugbällen aufs Tor. Schindler war klar, dass das nicht so bleiben würde. „Wir wussten, dass es eine schwierige zweite Halbzeit für uns wird gegen ein körperlich so präsentes Team.“

Tatsächlich nahm der Druck nach gut einer Stunde zu. Die Gebenbacher hatten in Marco Seifert nun einen zweiten Brecher auf dem Feld neben Benjamin Epifani und die Abtswinder mit Christopher Lenhart ihren Stabilitätsanker verloren. Dem neuen Innenverteidiger-Duo Nicolas Wirsching und Adrian Graf fehlte zuweilen die Abstimmung – auch wenn es echte Bedrohungsszenarien selten gab.

Spannende Schlussphase mit Nachspielzeit

Ein Eckball eröffnete Marco Seifert die Gelegenheit, auf 2:1 zu verkürzen; und der von Abtswind völlig aus den Augen verlorene Gebenbacher nutzte sie entschlossen, um eine spannende Schlussphase einzuläuten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Gastgeber die Partie bis dahin hätten entscheiden können – allein Torschütze Lehmann boten sich drei Chancen. Zufrieden durfte er dennoch sein mit dem dritten Sieg im vierten Spiel. An diesem Mittwoch soll noch ein Nachschlag folgen beim ASV Cham. „Wir werden da hinfahren und drei Punkte holen“, sagte er auf der Pressekonferenz. Und die Leute im Vereinsheim klatschten.

Die Statistik des Spiels

Abtswind: Reusch – Ekollo, Steinmetz (61. Dußler), Lenhart (71. Schmitt), Hillenbrand – Graf, Wirsching – Lehmann, Thomann, Dietl (86. Ruft) – Endres.

Gebenbach: Nitzbon – Böhm, Ceesay, Biermeier, Gorgiev – Fischer – Kohler (58. Pirner), Keilholz (52. Seifert), Becker (78. Freisinger) – Haller, Epifani.

Schiedsrichter: Knauer (Isling). Zuschauer: 240. Tore: 1:0 Christopher Lehmann (21.), 2:0 Markus Thomann (23.), 2:1 Marco Seifert (89.).

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