Sport-Tagebuch

Wie aus „Pius“ Jogi wurde

Wahrsager Mahler. Vorbild Nationalmannschaft. Das Gute im Menschen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sport-Tagebuch: In der Sauna mit Rafael Nadal

SONNTAG

Peter „Pius“ Mahler arbeitet als Organisationsleiter bei der Überlandzentrale in Lülsfeld. Er könnte auch als Wahrsager sein Geld verdienen, zumindest was die Leistungsmöglichkeit seiner Volkacher Handballerinnen betrifft. Vor dem Derby bei Dettelbach/Bibergau unterhalten wir uns kurz über die Aussichten. Meiner positiven Vorhersage hält er eher eine negative entgegen. Das bei 6:0-Punkten, 65:39-Toren und dem ersten Platz im Vergleich zum Gegner (0:6, 51:68, 10.). Mit der flapsigen Bemerkung, wenn er Recht behalten sollte, würde ich ihn ab sofort Jogi nennen, beenden wir das Gespräch.

Ja, nun, lieber Jogi, warum die 12:13-Niederlage? „Weil einfach nichts gepasst hat. Ein Teil meiner Spielerinnen hat am Nachmittag in Münchberg bereits ein Spiel absolviert. Andere waren beim 'Tag der offenen Tür' einer Bank in Volkach im Einsatz. Dann hat sich meine beste Torschützin und einzige Linkshänderin nach wenigen Spielsekunden am Knie verletzt. Außerdem erwischte unsere Torfrau Katharina Knoppe, ansonsten unser großer Rückhalt, einen schlechten Tag, den ich ihr aber zugestehe.“ Schon war's passiert. Der Gegner habe im Rahmen seiner Möglichkeiten taktisch sehr klug gespielt und verdient gewonnen. „Selbst ein Unentschieden wäre unverdient gewesen“, gesteht der grundehrliche Mahler, ob nun als Pius oder als Jogi.

MONTAG

Wenn man den Begriff „Alter Schwede“ auf keine konkrete Person bezieht, gilt er als Ausdruck des Erstaunens. Da passte der vergangene Dienstag (16. Oktober) voll ins Bild, als die deutsche Fußballnationalmannschaft (Altersdurchschnitt: 25,4) gegen die Schweden (27,1) alt aussah und nach 4:0-Führung noch 4:4 spielte. Weil die Nationalmannschaft Vorbildcharakter auf den Amateurfußball zu haben glaubt, taten es ihr auch manche Vereine unseres Verbreitungsgebietes mehr oder weniger gleich. Beispielsweise der A-Klassist SV Tückelhausen/Hohestadt, der nach 3:0-Führung gegen Gülchsheim II den Ausgleich kassierte, aber doch noch mit 4:3 gewann. Oder der TSV Röttingen, dessen 2:0-Pausenführung zu einer 2:3-Niederlage wurde.

 

DIENSTAG

Nennen Sie es naiv oder wie auch immer. Es gibt jedenfalls selbst in unserer dopingverseuchten Zeit Leute, die – neben verbotenen stimulierenden Substanzen – auch noch an das Gute im Mitmenschen glauben. Zumindest solange, bis sie eines Besseren belehrt werden. Gerade für diese unverbesserlichen Optimisten muss die endgültige Entlarvung Lance Armstrongs als Doping-Sünder wie ein Schlag ins Gesicht sein. Er, der nette Amerikaner mit dem strahlenden Lächeln und dem gemeisterten persönlichen Schicksalsschlag einer Krebserkrankung. Er, der erfolgreiche Sportler, der mit seiner Krebs-Stiftung anderen Menschen hilft, ausgerechnet er soll der größte (überführte) Betrüger in der Radsportgeschichte sein?

Unvorstellbar?! Was mag in einem Menschen vorgehen, der – vom Hodenkrebs genesen – seinen Körper mit Dopingmitteln vollpumpt? „Glauben Sie, ich sei so dumm und würde nach all dem, was ich durchgemacht habe, Wachstumshormone nehmen?“ Diese Gegenfrage stellte er 2001 während der Tour de France, angesprochen auf Doping-Gerüchte. Man hat es ihm geglaubt, weil für alles andere die menschliche Vorstellungskraft nicht reichte.

Doch auch in diesem Fall hieß „glauben nicht wissen“. Niemand wollte es gerade in diesem Fall wahrhaben, dass es Menschen gibt, die sportlichen Erfolg ohne Rücksicht auf gesundheitliche Verluste anstreben. „Ich wollte nicht einfach nur gewinnen, ich wollte auf eine bestimmte Weise gewinnen“, schreibt Armstrong in seiner 2000 erschienen Autobiografie „Tour des Lebens“. Traurige Erkenntnis: Wenigstens das ist ihm gelungen.

Verwandte Artikel

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.