Handball

Wenn die Mama zum Ansporn wird

Lena Drum spielt zusammen mit ihrer Mutter Alexandra bei der SG Dettelbach/Bibergau in der Bezirksoberliga.
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Wenn die Mutter mit der Tochter: Alexandra (rechts) und Lena Drum spielen in der Bezirksoberliga für die SG Dettelbach-Bibergau. Foto: Foto: Hartmut Hess

Die eine soll Tore werfen und die andere welche verhindern. So weit wie ihre Aufgaben bei den Handballerinnen der SG Dettelbach-Bibergau auseinander liegen, so unterschiedlich ist auch das Alter der 18-jährigen Lena Drum und der 42-jährigen Alexandra Drum. Wie die Namen schon vermuten lassen, sind sie zwei der wenigen Mütter und Töchter in der hiesigen Handballszene, die gemeinsam in einer Mannschaft stehen.

„Natürlich war es für ein Ansporn, gemeinsam mit meiner Mutter zu spielen“, meint Lena, schränkt aber gleichzeitig ein, dass es unerheblich sei, wer hinter ihr im Tor stehe wenn es um die Abwehrarbeit geht. Dass der Apfel nicht weit vom Stamm fiel, überrascht nicht, denn Alexandra Drum erzog ihre Tochter und brachte ihr als Mini-Trainerin auch das Handballspiel bei. Zusätzlich gab die 1,75 Meter große Mutter ihrer Tochter auch die Statur mit. Mit zwei Zentimeter mehr Körpergröße sind Lena Drums Voraussetzungen für die Aufgaben im Rückraum gut. Lena Drum spielte als Jugendliche mal kurz im Tor, wechselte aber rasch ins Feld zurück, da sie dort ihre Berufung sah. „Die Mama ist eher impulsiver als ich und sagt uns schon manchmal, wo es lang geht“, verrät Lena Drum.

Die Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten im Landratsamt weiß die Erfahrung ihrer Mutter zu schätzen. Denn sie gebe nicht nur in den Punktspielen den jungen Handballerinnen Sicherheit, mit ihrer Ruhe, die sei ausstrahlt. Zudem verteilt die routinierte Torsteherin der nächsten Generation auch wertvolle Tipps im Training. „Es kommt vor, dass Mama sagt, sie habe schon vorher gewusst, wohin ich schießen würde“, erzählt die 18-Jährige. Dadurch können die jungen Mitspielerinnen lernen, ihr Wurfbild möglichst zu variieren und abwartender im Abschluss zu agieren. Alexandra Drum, einst unter ihrem Mädchennamen Alexandra Maag aktiv, bringt einen riesigen Erfahrungsschatz mit, stellt sie sich doch schon stolze 36 Jahre gegnerischen Angreiferinnen. Sie machte nur kurze Babypausen nach den Geburten ihrer Töchter Lena und Hanna, die in der A-Jugend spielt. Vor zwei Jahren war es dann so weit, Lena war schon für die Aktiven freigemacht worden, und so stand sie erstmals vor ihrer Mutter in der Abwehr. „Das war nichts Außergewöhnliches für mich“, maß Alexandra Drum dem besonderen Ereignis keine große Prägekraft zu.

Im vergangenen Jahr wollte Alexandra Drum aufhören, weil sie der Rücken und die Achillessehne plagten. Doch sind die Schmerzen inzwischen aus der Welt geschafft, und im November 2011 handelte sich die etatmäßige SG-Torfrau Judith Keilholz große Schmerzen durch einen Kreuzbandriss ein. Auf die Bitte von Trainerin Slavica Roganovic überlegte die 42-Jährige nicht lange und schritt zum Comeback, um ihren Beitrag zum Klassenerhalt in der Bezirksoberliga zu leisten. „Egal ob 18 oder 42 Jahre, nur die Leistung zählt“, sagt die Verkäuferin, die sich als eher weniger emotionalen Menschen charakterisiert. Ihr Naturell kennt ein weibliches Zicken überhaupt nicht, vielmehr stellt sie sich in den Dienst der Mannschaft und würde Sepp Herbergers legendären Satz „Elf Freunde müsst ihr sein“ bedingungslos unterschreiben.

„Mein Herz schlägt für Bibergau und Dettelbach“, bekennt die Frau des Geburtsjahrgangs 1969, deshalb verschwendete sie vor Jahren einen keinen einzigen Gedanken für Anfragen von höherklassigen Vereinen wie Bergtheim. „Die Jugend wird so, wie wir es ihr vorleben“, ist sich Alexandra Drum der Vorbildfunktion von Eltern und Trainern bewusst. Daher verwundert es nicht, wenn Lena Drum nicht von Titeln träumt, sondern in der Zukunft einfach Spaß am Handball haben und mit der SG Dettelbach-Bibergau noch bessere Platzierungen in der Bezirksoberliga erreichen will. „Unser Leben hat schon immer mit Handball zu tun“, sagt Alexandra Drum, nicht selten verbringen sie halbe Tage in Handballhallen. Doch zuhause ist Handball nicht das zentrale Thema, da ist die Sportart, das was sie auch bleiben soll: die schönste Nebensache der Welt.

Die 42-Jährige fühlt sich keineswegs zu alt für den Bezirksoberliga-Handball und das Grinsen auf ihren Wangen deutet an, wie sehr der Torfrau der Handball immer noch Spaß bringt. Die historische Option, gar noch mit beiden Töchtern in einer Mannschaft stehen zu können, treibt Alexandra Drum nicht um, denn nach dieser Runde plant sie nur noch dritte Mannschaft zu spielen. Doch Hanna Drum wird heuer noch 16 Jahre alt und kann dann für die Aktiven freigemacht werden, braucht dann nur noch eine Torfrau bei der ersten Mannschaft auszufallen – schon wäre der gar nicht so abwegige Fall eingetreten und die geballte Weiblichkeit der Familie Drum auf dem Spielfeld vereint.

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