Den Vergleich mit Wilhelm Tell, der seinem Sohn einst mit der Armbrust einen Apfel vom Kopf schoss, wird Jasmin Gebhard schon oft gehört haben. Doch die Waffe ist heute kaum noch mit früher zu vergleichen, sie hat sich im Lauf der Zeit zu einem hochmodernen Schießgerät gewandelt. So eines besitzt auch die 20-Jährige aus Hettstadt, die sich nun sogar als Weltmeisterin rühmen darf. Gebhard gewann bei den Titelkämpfen in Frankfurt/Main gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen Michaela Walo aus München und Bianca Glinke (Hessisch Oldendorf) Gold im Zehn-Meter-Armbrust-Schießen. Hinter dem erfolgreichen deutschen Trio landeten Titelverteidiger Frankreich auf Rang zwei und die Schweiz auf Platz drei.

Besonders aufgeregt über die erste WM-Teilnahme im eigenen Land war Gebhart nicht. „Am Anfang war ich schon ein bisschen nervös, aber das bekomme ich dann eigentlich immer ganz gut unter Kontrolle.“ Auch was die Konzentration angeht, hat sie keine Probleme. Im Gegensatz zu vielen Konkurrentinnen: „Viele bekommen schon ganz schön Angst vor einem Wettkampf.“ Die Zuschauerkulisse in Frankfurt war allerdings überschaubar. Kleine Hallen und eine schlechte Sicht auf die Zielscheiben sind allgemein keine sonderlich guten Voraussetzungen für ein großes Publikum. Gebhard bedauert dies, ist aber auch Realistin: „Armbrustschießen ist halt eine Randsportart, die für Zuschauer oft nicht sonderlich gut präsentiert wird.“

Die maximale Punktzahl, die man beim Zehn-Meter-Armbrustschießen erreichen kann, sind 400 Punkte bei 40 Schuss. Der Ring für die höchste Punktzahl, nämlich zehn, ist nur 0,5 Millimeter im Durchmesser groß. Genau diesen Ring gilt es möglichst oft zu treffen. Das gelang den drei deutschen Schützinnen um Gebhard bei der WM hervorragend. 1164 getroffene von 1700 möglichen Ringen verbuchten sie am Ende.

Großen Anteil am Mannschaftserfolg hatte Glinke. Sie stellte mit 393 Ringen einen neuen Weltrekord auf. Gebhard verpasste das Finale mit 382 Ringen nur knapp und landete im Einzelwettbewerb auf Rang 13. Insgesamt schnitt die deutsche Nationalmannschaft bei diesen Titelkämpfen stark ab. Die Junioren wurden ebenfalls Mannschaftsweltmeister und stellten auch den Einzelsieger.

Finanzielle Förderung erhalten die Schützen jedoch fast keine, nur eine kleine Entschädigung für die Fahrtkosten und den Zeitaufwand gibt es vom Verband. Dieser Aufwand ist gerade vor einem Großereignis enorm, dann trainiert Gebhard täglich. Sonst absolviert sie ein bis zwei Einheiten die Woche. Mit der Uni ist ihr Sport gut zu vereinbaren. Sie studiert Geografie und Französisch auf Lehramt in Würzburg und hat sichtlich Spaß daran.

Erst vergangene Woche nahm Gebhard an den deutschen Meisterschaften in München teil, die jedoch nicht ganz so gut liefen, lediglich im Luftgewehrschießen mit der Mannschaft wurde sie Dritte. Kommendes Jahr gibt es eine weitere Möglichkeit, sich zu beweisen. Jährlich steht ein internationales Turnier an, Europameisterschaft und Weltmeisterschaft im Wechsel.

Weil Olympische Spiele und WM aber nicht im gleichen Jahr stattfinden sollen, könnte bereits 2015 die nächste Weltmeisterschaft in Sibirien stattfinden. „Wenn es in Sibirien ist, wollen wir natürlich unbedingt hin. Man versucht einfach, jedes Jahr wie-der dabei zu sein“, sagt Gebhard. Früher war das große Ziel, an den Erfolg ihres Vaters, der selbst deutscher Vizemeister im Armbrustschießen war, heranzukommen. „Mittlerweile“, so sagt sie schmunzelnd, „bin ich schon besser.“