Fußball

Weiter Kritik am Pokalmodus: Quatsch für Amateure

Zu große Belastung, zu wenig Personal: Die wenigsten Vereine sind glücklich mit dem neuen Pokal-Modus. Und so könnte der Wettbewerb schon nächste Saison wieder reformiert werden.
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Fußball, Fußball, Fußball: Die Reform der Ligen und des Pokalwettbewerbs beschert den Kickern in diesem Jahr eine Vielzahl an Spielen. Gerade in der Urlaubszeit ist das für viele Klubs schwierig. Foto: Foto: Thinkstock

Als der Fußballverband den neuen Modus für die Toto-Pokalrunde der Saison 2013/14 vorstellte, gab es innerhalb der Vereine Bedenken. Im neuen Spielsystem, erstmals angewendet in der zweiten Qualifikationsrunde, werden Turniere ausgetragen. Jeder gegen jeden, zweimal 20 Minuten. Die 24 Sieger der mit je vier Teilnehmern besetzten Turniere spielen im Fußballkreis Schweinfurt in einer dritten Runde am 5. September zwölf Sieger aus, die mit den vier Bezirksliga-Klubs VfL Euerbach, SSV Gädheim, TSV Gochsheim und TSV Forst das Achtelfinale auf Kreisebene austragen. Das soll nach Worten von Kreisspielleiter Jürgen Pfau vor dem Start der Rückrunde Anfang März gespielt werden.

Das ist die graue Theorie, und wie sah die Praxis aus? „Dieser Modus ist Quatsch für Amateure“, sagt Jochen Landgraf als Trainer des Kreisligisten DJK Dampfach. „Der Aufwand ist zu hoch für die kleinen Mannschaften. Ich hatte Probleme, eine Mannschaft zusammenzubekommen.“ Das sieht auch Grettstadts Spielertrainer Jarek Krygowski so: „Es ist schwachsinnig, die Qualifikationsturniere mitten in der Saison durchzuführen. Der K.o.- Modus ist deutlich besser für die Vorbereitung.“

Positiv steht der Neuerung Murat Akgün, Spielertrainer bei Türkiyemspor 12 Schweinfurt, gegenüber. „Es ist mal etwas anderes. Das Turnier ist eine gute Trainingsmöglichkeit. Wir als A-Klassen-Team können uns mit höherklassigen Mannschaften messen. Und wir können eher eine Überraschung landen, da die Spielzeit kürzer ist. In einem normalen Spiel ha-ben höherklassige Gegner meist Konditionsvorteile, die aber nicht so sehr ins Gewicht fallen.“ Aber auch er findet, wie seine Kollegen, dass der Verband einen zu frühen Zeitpunkt gewählt habe, um die zweite Runde für den Pokalwettbewerb der kommenden Saison auszutragen. Dafür findet Jochen Landgraf deutliche Worte: „Es ist ein totaler Witz. Sportlich hat das keinen Wert und ist keine vernünftige Regelung.“

Auch in Steinsfeld, wo am vergangenen Wochenende eines der 24 Turniere stattfand, sieht man den neuen Modus als „nicht optimal“. Der Aufwand ist laut Sportleiter Manuel Werner hoch, da unter anderem für jede Partie ein eigener Spielberichtsbogen erstellt werden müsse. „Wir würden den K.o.-Modus bevorzugen. Es sind nur wenige Zuschauer gekommen“, so Werner. „Wenn es ein direktes Duell gegeben hätte, wären sicher mehr Leute da.“ Auch im Hinblick auf die Teilnehmerzahl gibt es Kritik: „Man muss während des Qualifikationsturnieres 120 Minuten spielen. Da müssen manche Spieler an ihre Substanz gehen.“ Sinnvoller sei es, das Teilnehmerfeld auf drei Mannschaften zu beschränken.

Im Fußballkreis Würzburg wurden die Qualifikanten nicht an einem Tag in Turnierform ermittelt, sondern in einem System aus Halbfinal- und Final-Paarungen über zwei Tage – und auch hier gab es deutlich vernehmbare Kritik. „Wir sind immer noch Amateure, und irgendwann wird die Belastung einfach zu groß“, sagt Helmut Schmitt, der sportliche Leiter des FV Karlstadt.

Als Bezirksligist hat seine Mannschaft nichts mit dem Kreispokal zu tun, aber die Situation spiegelt das Dilemma vieler Vereine bei der derzeitigen Terminflut. „Wir haben das Bezirkspokalspiel gegen den TSV Güntersleben abgesagt, weil uns durch Verletzungen, Urlaub und berufliche Umstände einfach zu viele Spieler gefehlt haben. Das Ärgerliche ist, dass wir die Partie gerne verlegt hätten, was aufgrund des übervollen Spielplans aber nicht möglich war. Jetzt erwartet uns ein Sportgerichtsurteil mit anschließender Strafe“, so Schmitt.

Ähnlich ergeht es in der Kreisliga dem SV Heidingsfeld. Trainer Frank Wettengel sagt: „So viele Termine in der Urlaubszeit sind sehr ungünstig. Ich hatte auch darüber nachgedacht, das Spiel abzusagen.“ Tatsächlich absagen musste die DJK Würzburg ihre Partie gegen den Kreisliga-Klub TSV Grombühl. „Wir hatten das Spiel auf Donnerstag verlegt, weil wir am Wochenende alle beim Weinfest mithelfen müssen. Am Montag kam die Absage der DJK wegen Spielermangels“, erklärt TSV-Trainer Oliver Bieber und setzt fort: „Ich bin eigentlich immer offen für neue Konzepte, aber dieser Spieltag ist nun ein wenig ungünstig, da er uns aus dem Rhythmus bringt. Schließlich nehmen diesen Wettbewerb nicht alle Mannschaften ernst.“ Wohl wahr.

Dominik Friesacher, Trainer der FT Würzburg, hatte vor dem Auftritt seiner Mannschaft angekündigt: „Wir werden ein paar Spielern, die bisher kaum zum Zug gekommen sind, die Möglichkeit geben, etwas Spielpraxis zu sammeln.“ Wie der Pokalmodus nächste Saison aussehen wird, steht noch nicht fest: Der Bayerische Fußballverband stellt es den Kreisen frei, wie sie ihre Sieger ermitteln. Abzusehen ist jedoch, dass der Terminstress in diesem Jahr die Ausnahme bleiben wird.

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