So sieht wohl ein Stück aus dem absurden Fußball-Theater aus: Drei Elfmeter werden der SpVgg Gülchsheim vorigen Sonntag während der ersten Halbzeit des Kreisklasse-Spiels gegen den SV Willanzheim zugesprochen. Zweimal fliegt der Ball neben das Tor, einen wehrt der Torwart ab (erst der Nachschuss sitzt). Für Spielertrainer Sven Krönlein spiegelt sich in diesen neunzig Minuten Gülchsheims aktuelle Misere.

Frage: Haben Sie in dieser Woche Elfmeterschießen geübt?

Sven Krönlein: Nein, natürlich haben wir kein Elfmeterschießen geübt. Ralf Dehm ist eigentlich ein sicherer Schütze, der nicht viele Elfmeter verschossen hat.

Aber vergangenen Sonntag hat er gleich zwei neben das Tor gesetzt – und David Hegwein einen dritten. Ist das noch mit Pech zu erklären?

Krönlein: Das ist der Wahnsinn! So etwas habe ich selbst noch nie erlebt. Aber selbst der FC Bayern verschießt schon mal vier Elfmeter nacheinander, wie man vergangene Saison beim Pokalspiel gegen Dortmund gesehen hat.

Die Pointe an dieser bizarren Geschichte ist, dass der SV Willanzheim dann in der Nachspielzeit noch ausgleicht – per Elfmeter!

Krönlein: Naja, solche Geschichten schreibt der Fußball. Wir können zur Halbzeit 5:0 oder 6:0 führen, und da muss man noch nicht einmal die Elfmeter hinzuzählen, so dominant waren wir, so sehr hatten wir den Gegner im Griff. Aber was in der zweiten Halbzeit abläuft, ist echt eine Katastrophe.

Wenn der Gegner zum Schluss vor dem Elfmeterpunkt steht . . .

Krönlein: . . . ist dir in diesem Moment und in so einem Spiel klar, dass er das Ding reinhaut. Eigentlich war der Ball ja schon vorher im Tor, aber unser Spieler klärt ihn mit der Hand auf der Linie und sieht dafür die Rote Karte.

Was geht einem als Trainer in so einem Spiel durch den Kopf?

Krönlein: Ich dachte mir nur: Wieso bin ich nicht selbst hin und habe geschossen! Aber David Hegwein fühlte sich sehr sicher, als er zum Elfmeter angetreten ist. Er hatte ja vorher aus dem Spiel heraus schon zwei Tore gemacht.

Wie waren die Reaktionen unmittelbar nach dem Spiel?

Krönlein: Da war nur Fassungslosigkeit. Keiner konnte sich erklären, wie wir auf diese Weise zwei Punkte herschenken. Wir hatten ja auch in der zweiten Halbzeit noch Chancen zum 3:1 oder 4:1.

Gab es Schadenfreude?

Krönlein: Die Willanzheimer haben sich über den Punkt gefreut, aber es war ein bisschen übertrieben. Da war sicherlich auch etwas Schadenfreude dabei.

Passt so ein Spiel zu Gülchsheims gegenwärtiger Situation?

Krönlein: Ja. Keiner weiß, woran es derzeit liegt. Wir trainieren gut, sind engagiert bei der Sache. Aber wir stecken in einem Loch. Ich kann nicht sagen, wie wir da wieder rausfinden. So etwas wie am Sonntag darf nicht passieren, vor allem mit unseren Ansprüchen.

Sie sprechen von der Meisterschaft, vom Wiederaufstieg?

Krönlein: Von Meisterschaft spricht in Gülchsheim gerade keiner mehr. Wir müssen sehen, dass wir bis zum Winter an Sonderhofen dranbleiben. Es sind jetzt sechs Punkte Rückstand. Aber wenn wir Spiele so verdummen wie zuletzt, haben wir vorne nichts zu suchen.