Marktbreit

Was Marktbreit im Endspurt Hoffnung macht

Sieben Spiele bleiben Marktbreit/Martinsheim, um im Abstiegsrennen die Kurve zu kratzen. Mut geben Trainer Mache die stabile Abwehr, sein Torwart und neuerdings ein Rückkehrer.
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Für Daniel Mache ist die FG Marktbreit/Martinsheim die erste Station als Trainer. Selbst spielen mag er seitdem nicht mehr. Foto: Foto: Hans Will

Es gibt manches zu bereden bei der FG Marktbreit/Martinsheim: die ungenügende Trefferquote, die akute Abstiegsgefahr und die sich allmählich zuspitzende Lage auf den hinteren Plätzen der Bezirksliga West bei nur noch sieben Spielen bis Toresschluss. Doch der Trainer hat erst mal ein anderes Anliegen. Daniel Mache, 34 Jahre, beim Fußballportal transfermarkt.de mit dem Status „Karriereende“ gelistet. Bevor er am Telefon über all das spricht, fragt er, ob man sich nicht duzen möchte. Ihm ist das ein Bedürfnis.

Im vergangenen Sommer hat Mache die Fußballer aus Marktbreit und Martinsheim übernommen – zuversichtlich und in der festen Hoffnung, diesmal nicht bis zum Schluss um die Zugehörigkeit zur Bezirksliga bangen zu müssen. Gut neun Monate später muss er erklären, warum genau dieser Fall eingetreten ist: warum der Klub erneut vor einer Zitterpartie steht, deren Ausgang höchst ungewiss ist. Im achten Jahr gehört die FGM mittlerweile zum unterfränkischen Fußball-Adel, so lange wie kein anderer Klub des Landkreises. Doch auch in Adelskreisen wie diesen gibt es heute mindestens zwei Klassen, und als Mache kam, wusste er, worauf er sich einlassen würde, denn der Standort Marktbreit ist nicht bekannt dafür, dass die Spieler im Porsche vorfahren, wie ein anderer Klubfunktionär kürzlich mit Blick auf die Szenerie am Untermain sagte.

Boomende Talentschmiede

Die große Stärke in Marktbreit war immer die konsequente Nachwuchsarbeit. Jedes Jahr kamen neue Kräfte aus der klubeigenen Talentschmiede, Leute wie Adam Jabiri, der später zumindest als Halbprofi in Schweinfurt und Würzburg spielte. Nicht dass der Jungbrunnen versiegt wäre, aber die Marktbreiter kämpfen heute mit den gleichen gesellschaftlichen Problemchen wie die meisten anderen Klubs im Land – auch wenn vor der Saison wieder ein halbes Dutzend Jünglinge nachkam.

Mache ahnte schon beim Einstieg, dass es schwierig werden dürfte, seine Mission zum Erfolg zu führen, wenn nicht regelmäßig alle Leistungsträger verfügbar sind. Und die Sorge wuchs zur selbst erfüllenden Prophezeiung. Dass es zu Saisonbeginn nicht lief wie gewünscht, konnte Mache noch dem Umstand zuschreiben, dass er neu in diesem Amt als Cheftrainer war und sich beide Seiten erst aneinander gewöhnen mussten. Doch die FG kam auch in der Folge nicht über die Rolle des Hinterbänklers hinaus. Die ganze Zeit war das kein Problem. Es blieben genügend Stationen, den Kurs zu korrigieren und die gefährliche Kurve zu kratzen; doch die Gelegenheiten werden weniger, sieben Auftritte noch in dieser Saison, dann wird sich der Weg weisen: weiterhin Bezirksliga oder zurück in die Kreisliga, wo 2010/11 der Aufstieg begann.

Mache darf getrost feststellen, dass der Trend nach oben geht: vier Spiele in diesem Jahr, und keines hat Marktbreit verloren. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die Mannschaft trotz zweier Siege und zweier Unentschieden in der Tabelle noch immer unter dem Strich steht, also auf einem Abstiegsplatz, weil auch die Konkurrenz aus Schweinheim im Winter zu wundersamer neuer Kraft gekommen ist. So bleibt Mache nichts anderes übrig, als weiter die eigenen Stärken zu beschwören und den Richtungswechsel in der Leistungskurve zu betonen.

Es ist weiterhin Licht am Ende des Tunnels – das ist die Botschaft, die er aus den vergangenen Spielen mitnimmt. Mut macht vor allem, wie sich seine Elf zu verteidigen weiß. „Wir stehen defensiv exzellent“, sagt Mache angesichts von nur 29 Gegentoren in bisher 23 Saisonspielen, einem der Bestwerte der Liga. In Benjamin Stör weiß das Team zudem einen „herausragenden Torwart“ hinter sich. Das Manko war bislang die Offensive mit erst 22 Treffern.

Rückkehrer mit Qualitäten

Mehr Wucht erhofft sich der Trainer von Daniel Endres, der nach seinen Wanderjahren in Kitzingen und Höchberg vor vier Monaten zurückgekehrt ist. Dass der 26-Jährige nichts verlernt hat, zeigen seine drei Treffer in vier Einsätzen. Mindestens ebenso wichtig aber sind die Qualitäten, die sich nicht auf den ersten Blick offenbaren. „Er führt unsere Spieler, bindet den Gegner und macht auch mal aus keiner Chance ein Tor“, sagt Mache.

Endres kam in ein Team, das in der Winterpause „noch enger zusammengerückt“ ist, wie der Trainer mit Blick auf den Aufschwung erklärt. Bis Ostern lebt die Hoffnung der Marktbreiter auf jeden Fall. Nach dem Gastspiel an diesem Sonntag in Hösbach warten zwei Heimspiele binnen zwei Tagen: gegen Uettingen und Rottendorf, zwei Teams aus der oberen Tabellenhälfte.

Danach könnte Mache wissen, ob er in der nächsten Spielzeit einen Bezirksligisten oder einen Kreisligisten betreuen wird. Selbst wenn es runtergehen sollte, kann dies seiner Freude an der im Sommer übernommenen Aufgabe kaum schaden. Lange war er selbst Spieler gewesen, neun Jahre für den FC Schweinfurt 05, dann kam die Anfrage aus Marktbreit, und er hing die Schuhe an den Nagel, weil er vom Modell Spielertrainer nicht viel hält.

Mache konzentrierte sich lieber ganz auf das eine, lässt seinen „360-Grad-Helikopterblick“ kreisen und rotiert an den Spieltagen selbst an der Linie. Inzwischen sei er „angekommen“ im neuen Amt, der Verein habe ihm den Einstieg erleichtert und den Rücken gestärkt. Eine seiner ersten Handlungen: seinen Schützlingen das Du anzubieten.



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