Endstation Achtelfinale: Deutschlands Handballer haben sich bei der Weltmeisterschaft in Katar etwas unglücklich dem Team des Gastgebers geschlagen geben müssen. Obwohl die Spiele erstmals nur beim Bezahlsender Sky zu verfolgen waren, schauten viele Handball-Fans zu, wie die DHB-Auswahl am Mittwoch mit 24:26 gegen die Retortenmannschaft Katars verlor. Die Bilanz der von uns am Tag nach dem Scheitern befragten regionalen Experten fällt gar nicht so negativ aus, wenngleich es auch einige Kritik gab.

Steffi Placht (Trainerin des Bayerischen Handballverbandes und des Bezirksligisten SV Michelfeld): Es ist schon traurig, dass im Fernsehen ein Vierliga-Fußballspiel übertragen wird und die Handball-Weltmeisterschaft nicht. So viel sehen konnte ich deswegen diesmal nicht. Was mich geärgert hat: Wir sind gegen eine zusammengekaufte Mannschaft rausgeflogen. Da hat man gesehen, dass Geld doch Tore wirft. Ich finde diese ganze Entwicklung, was Katar und den Sport betrifft, bedenklich. Auch das Zuschauerinteresse dort ist schwach. Die deutsche Mannschaft hat mich nicht überrascht, Trainer Sigurdsson hat die richtige Mischung gefunden. Gefreut haben mich die Leistungen von Steffen Weinhold und Carsten Lichtlein, die ich beide ja persönlich kenne.

Peter Mahler (Trainer HSG Volkach): Ich habe seit August vergangenen Jahres Sky und habe jetzt fleißig geschaut. Nach dem etwas faden Beigeschmack durch die Umstände der WM-Teilnahme (nachträgliche Starterlaubnis durch den Weltverband als Reaktion auf verpasste Qualifikation) hat unsere Nationalmannschaft eine positive Sache daraus gemacht. Das Abschneiden war ein positiver Schub für den deutschen Handball, das Medieninteresse war nach den Erfolgen schon groß. Auch die Main-Post hat die Handballer auf die Titelseite genommen.

Radovan Suchy (Spielertrainer des TSV Rödelsee): Ich habe auf Sky sämtliche Spiele gesehen, und es hat mir gefallen, wie die deutsche Mannschaft gespielt hat – in Sachen Disziplin, Kampf und Taktik, aber auch, wie sie von der Bank aus mitgingen. So macht das Spaß. Katar war an diesem Tag nicht zu schlagen. Ich will die Niederlage nicht an den Schiedsrichtern festmachen. Leider hatten bei den Deutschen ein paar wichtige Spieler einen schlechten Tag, die Torwartleistung fehlte. Vorne darf man Patrick Groetzki keinen Vorwurf machen, weil er zwei wichtige Bälle verworfen hat. Schade ist, dass es diesmal im K.o.-System weiterging und nicht wie sonst in der Gruppenphase. Da entscheidet eben die Tagesform. Aber ich sehe die Entwicklung insgesamt positiv.

Norbert Senft (Trainer beim TV Marktsteft): Ich finde es schade, dass alles nur noch ums Geld geht, auch beim Fernsehen. Eine Weltmeisterschaft, egal in welchem Sport, müsste im öffentlich-rechtlichen Programm kommen. Ich konnte nur zwei Spiele schauen, weil ich Sky nicht habe. Mit dem deutschen Abschneiden muss man zufrieden sein, wir haben verdient verloren, weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Ich hätte zudem die Abwehr viel früher umgestellt. Ich schätze mal, dass wir gegen Kroatien verlieren. Das kommt wieder zur unmöglichen Uhrzeit (diesen Freitag, 14 Uhr). Wer soll denn das schauen?