Handball

Volkachs Frauen mit Vollgas zum Derbysieg

Peter Mahlers harte Trainingsmethoden zahlen sich bei seinen Schützlingen im Spiel gegen Dettelbach/Bibergau aus
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Engagiert bei der Sache: Volkachs Trainer Peter Mahler. Links im Bild sein Schützling Luca Wild. Foto: Foto: Hartmut Hess

„Ich bin mit meiner Mannschaft schon wesentlich weiter gekommen als ich vor der Saison gedacht hatte“, meinte Trainer Peter Mahler im Nachgang des 21:18 (12:8)-Erfolges seiner HSG Volkach am Sonntag im Derby bei der SG Dettelbach/Bibergau. Es war der erste Sieg überhaupt, der den Volkacherinnen gegen Dettelbach gelang und eine wichtige Weichenstellung für den Saisonendspurt, denn die HSG kämpft weiterhin auf Augenhöhe mit Marktsteft und Großlangheim um den zweiten Platz.

Vom Anpfiff weg gab Volkach Gas, und nach nur fünf Minuten hechelten die Gastgeberinnen einem 0:4-Rückstand hinterher. Die Volkacher Überlegenheit drückte sich auf der Anzeigetafel zwar markant aus, doch auf dem Spielfeld waren die Machtverhältnisse nicht so krass. Die Gastgeberinnen agierten nur zu nervös, so dass die Mainschleifen-Truppe nur auf gegnerische Fehler warten musste, um diese reihenweise mit Kontertoren zu bestrafen. Volkach strahlte eine gewisse Reife aus und offenbarte eine Ballsicherheit, die für BOL-Verhältnisse bemerkenswert ausfiel.

Die Gäste operierten mit einer sattelfesten 6:0-Formation, die Dettelbach/Bibergau oftmals wie ein Buch mit sieben Siegeln vorzukommen schien. Freilich ist auch Volkach nicht mit Rückraumschützinnen gesegnet, doch agierten sie ausgefuchster. Mit sechs Treffern wurde Rechtsaußen Teresa Werner zur erfolgreichsten Spielerin der Partie, und Julia Wagner setzte als verlängerter Arm des Trainers fruchtbare Impulse. Während Dettelbach/Bibergau Überraschungsmomente abgingen, brach Wagner immer wieder aus Spielzügen aus und stellte die SG-Defensive vor knifflige Aufgaben. „Wir haben als Mannschaft einige Fortschritte gemacht“, bescheinigte SG-Trainerin Slavica Roganovic ihren Schützlingen unverändert Entwicklungspotenzial. Sie zielt in jeder Begegnung auf einen Sieg ab, erkannte aber bald die Vorteile der Gäste an.

Was beide Mannschaften auch noch unterschied, waren die Torhüterinnen. „Unsere haben Angst vor der Volkacher Torfrau Katharina Knoppe“, entfuhr es dem Gatten der SG-Trainerin, Radoslav Roganovic im Nebel der Halbzeit-Zigarette. Slavica Roganovic stellte ihrer Mannschaft dennoch ein gutes Zeugnis aus, zumal sie ungeachtet eines Dauer-Rückstands mit zwei kleinen Ausnahmen nie aufsteckte. Kaum leistete sich Volkach nach dem Seitenwechsel einen Durchhänger, waren die Gastgeberinnen zur Stelle und egalisierten nach dem 8:13-Zwischenstand zum 13:13-Ausgleich. Dabei entdeckte Dettelbach/Bibergau sogar das Konterspiel, und zunehmend zeichnete sich Lena Drum als Werferin aus der zweiten Reihe und Antreiberin mit einem großen Aktionsradius aus.

Peter „Pius“ Mahler nahm beim 14:14 sein Team-Time-Out und bewahrte die Seinen vor falschem Aktionismus. „Mädels, es steht 14:14 und es ist nichts passiert“, beruhigte er seine Mannschaft und forderte: „Wir müssen nur anfangen, wieder hinten zu stehen.“ Im Wissen um die HSG-Stärken mit der massierten Defensive und bester Physis, ging Mahlers Taktik auf, auch wenn Dettelbach/Bibergau die zweite Hälfte 10:9 gewann. „Meine harten Trainingsmethoden zahlen sich aus, und die Mädels spüren, dass sie engagiert über 60 Minuten gehen können“, beschied der HSG-Trainer. Zugleich machte er den Gastgeberinnen ein Kompliment dafür, wie sich ins Spiel zurück gekämpft hatten. Das war Mahler recht so, denn das ergab einen „Stresstest für meine Mannschaft“, den die HSG bestand und mit dem 20:15 endgültig auf die Siegerstraße einbog. Volkachs Trainer rügte sein Ensemble, „nicht in eine Endzeit-Euphorie verfallen“, was seine Damen diszipliniert beherzigten und souverän ihr Werk vollendeten.

Nicht zu vergessen war die Schwächung der SG durch den Verlust von Laura Senft, die sich aus beruflichen Gründen in der Muskatzinen-Stadt verabschiedet hat. Eine solche Leistungsträgerin kann keine Bezirksoberliga-Damenmannschaft gleichwertig ersetzen. Wie auch Peter Mahler, trauerte Slavica Roganovic erschwerten Trainingsbedingungen seit Monaten wegen den Hallenbelegungen und beruflichen Einschränkungen von Spielerinnen nach. Die 38-malige Nationalspielerin Jugoslawiens sieht noch viel Arbeit vor sich und hat eine relativ junge Mannschaft, die sie weiterhin formen will.

„Meine erste Sieben stellt sich praktisch vom Training her selbst auf“, zeigt Peter Mahler auf und sieht jetzt drei Begegnungen mit Mannschaften aus unteren Tabellenregionen entgegen, erhob aber noch im schönen Gefühl des Sieges den Zeigefinger. Jedes Spiel sei erst zu gewinnen, egal gegen welchen Gegner.

Bezirksoberliga, Frauen

TV/DJK Hammelburg – SpVgg Giebelstadt 17:15  
TV Marktsteft – TSV Lohr 19:21  
TG Höchberg – SG Dipbach-Bergtheim 23:21  
SG Dettelbach/Bibergau – HSG Volkach 18:21  
SV Oberpleichfeld – TV Großlangheim 27:30  

1. (1.) TSV Lohr 14 12 1 1 335 : 282 25 : 3  
2. (3.) TV Großlangheim 14 10 0 4 306 : 288 20 : 8  
3. (2.) TV Marktsteft 15 10 0 5 313 : 278 20 : 10  
4. (4.) HSG Volkach 14 9 1 4 293 : 251 19 : 9  
5. (7.) TG Höchberg 14 6 1 7 316 : 306 13 : 17  
6. (5.) SG Dettelbach/Bibergau 13 6 0 7 266 : 254 12 : 14  
7. (6.) SpVgg Giebelstadt 14 5 2 7 255 : 285 12 : 16  
8. (8.) SG Dipbach-Bergtheim 13 4 0 9 279 : 296 8 : 18  
9. (9.) SV Oberpleichfeld 14 2 3 9 294 : 333 7 : 21  
10. (10.) TV/DJK Hammelburg 15 1 2 12 283 : 367 4 : 28  

Die Statistik zum Spiel

SG Dettelbach/Bibergau – HSG Volkach 18:21 (8:12)

Dettelbach/Bibergau: Cornelia Horn, Alexandra Drum; Eva Heusler 2, Maria Hack 2, Christin Apfelbacher, Linda Schnabel, Franziska Gehring 1, Anne Hering 3/2, Melanie Straßberger 2, Theresa Stockmann 4/1, Lena Drum 3, Stefanie Geis 1, Hanna Rüthlein, Miriam Apfelbacher.

Volkach: Katharina Knoppe: Hanna Werner 4/3, Luca Wild 2, Laura Pauli 1, Sophie Werner, Ellen Hünting 3, Julia Wagner 2, Julia Zängler 2, Sophie Krämer 1, Teresa Werner 6, Michi Müller, Linda Wirsching.

Schiedsrichter: Jürgen Thein (TV Königsberg).

Zuschauer: 60.

Zeitstrafen: 2:4 Minuten (Lena Drum; Hanna Werner, Krämer).

Siebenmeter: 4:4 (3:3 verwandelt).

Spielfilm: 0:4 (5.), 2:7 (10.), 3:9 (17.), 7:9 (24.), 7:12 (29.), 8:12 (HZ), 10:13 (36.), 13:13 (40.), 14:17 (49.), 15:20 (52.), 18:21 (Endstand).

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