Handball: Bezirksoberliga Männer

Volkach will den Fahrstuhl stoppen

Rauf und runter, immer munter: Die HSG Volkach hat in den letzten Jahren kaum Halt gefunden. Jetzt will Stefan Knötgen dem Team Orientierung geben.
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Klare Richtung: Stefan Knötgen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Volkachs Handballer in der Bezirksoberliga zu etablieren. Foto: Foto: Hartmut Hess

Im Normalfall wäre Stefan Knötgen derzeit Trainer in der Handball-Landesliga der Männer. Mit dem TV Gerolzhofen gewann er mehr als souverän den Titel der Bezirksoberliga. Der TVG kassierte nur eine einzige Niederlage und hatte zum Schluss elf Punkte Vorsprung vor dem Tabellenzweiten. Das Training in Gerolzhofen hatte schon begonnen, dann setzten sich Spieler und Vereinsverantwortliche noch mal zusammen – und entschieden, den Aufstieg sein zu lassen und ganz unten, quasi von vorne, anzufangen.

Das war Mitte August, als Knötgen seiner Mannschaft wegen der Ferien noch einmal eine Trainingspause gegönnt hatte. „Aus der Landesliga zurückziehen und dabei freiwillig zwei Klassen runtergehen ist nicht mein Denken – auch von der Motivation her“, sagt der 40-Jährige. „Ich habe dem Verein gesagt, für die Bezirksliga braucht ihr mich nicht.“ Im Sommer erklärte Knötgen enttäuscht seinen Verzicht und seinen Ausstieg. Dabei wären Spielerkader, Verein und auch Fans seiner Meinung nach in jedem Fall landesligatauglich gewesen. „Mit dem Schwung aus dem Aufstiegsjahr hätten wir in der Landesliga locker mithalten können“, sagt er. Die aktuelle Hallen-Problematik – die Gerolzhöfer Turnhalle ist wegen dort untergebrachter Flüchtlinge für den Sport gesperrt – hat laut Knötgen zu dieser Zeit keine Rolle bei der Entscheidung gespielt.

Vielmehr passte dem einen oder anderen Leistungsträger der steigende Aufwand für die höhere Spielklasse nicht, einige wollten sich nicht quälen. Was blieb dem Verein da für eine Wahl?

Kein langes Zaudern

Nur wenige Tage saß Stefan Knötgen vereinslos auf dem Sofa, bis sich die HSG Volkach meldete. Beim Aufsteiger in die Bezirksoberliga war der Trainerposten frei. Knötgen sagte zu. Es musste schnell gehen, schließlich blieben nur noch wenige Wochen bis zum Saisonauftakt. „Wir hatten konditionell einiges aufzuholen, deshalb kam das Spielerische etwas zu kurz“, sagt er mit Blick auf die bisher magere Punkteausbeute. „Trotzdem haben wir es schneller geschafft, als ich erwartet habe.“

Nach den zuletzt errungenen beiden Siegen gegen die Landkreis-Rivalen von der HSG Mainfranken und dem TV Großlangheim liegt Volkach mit sechs Zählern im Mittelmaß, auf Rang sieben. Nach schwierigem Auftaktprogramm sagt Knötgen: „Was die Punkte angeht, sind wir im Soll. Aber bis zum Winter wollen wir noch drei bis vier Zähler holen, um dann mal durchzuschnaufen.“ Seine Mannschaft sieht Knötgen auf einem guten Weg – sie ziehe mit und habe das Beste aus den Startproblemen gemacht.

Nachdem die HSG Volkach in den vergangenen Jahren einige Auf- und Abstiege vollzogen hat, ist es vorrangiges Ziel, den Fahrstuhl diesmal in der höheren Etage anzuhalten. Das weiß auch Knötgen. „Wir wollen drin bleiben, ich denke aber längerfristig. Ich habe eine Mannschaft, die in dieser Besetzung noch in den nächsten Jahren spielen kann.“

Hierbei hat der 40-Jährige, der für den TV Marktsteft, die DJK Waldbüttelbrunn oder andere höherklassige Vereine spielte, auch die Routiniers Thorsten Klinger (35) und Torwart Johannes Vietz (33) auf der Rechnung, deren Wert er für die Mannschaft herausstellt. „Gegen beide habe ich ja noch gespielt. Sie sind verdammt wichtig, sie gehen voran. Was sie sagen, wird auch gemacht. Das sind Führungsfiguren. Die Jungs können sich an ihnen hochziehen“, sagt Knötgen. Beide brauche Volkach „auf jeden Fall“.

In der Mannschaft wie im Verein wittert Knötgen Potenzial für die Zukunft. Noch sei auch Nachwuchs da, auf längere Sicht könne es durchaus darauf hinauslaufen, mit einem anderen Verein zusammenzuarbeiten. Das sei eben der Lauf der Zeit „wenn es so weitergeht mit den motivierten Jugendlichen“. Aktuell, so sagt Knötgen, müsse er bei seinem Team noch an der Kondition feilen, da fehle es noch ein wenig. „Wir sind auf gutem Weg, aber wir haben noch Luft nach oben.“

Feierfreudige Gemeinschaft

Ansonsten sieht er in der ausgeglichenen Liga „keine Übermannschaft, auch Heidingsfeld nicht. Da kann jeder jeden schlagen.“ Gewinnen will Knötgen an diesem Samstag zu Hause gegen die zweite Mannschaft des TSV Rödelsee, um voranzukommen. Eine weitere Besonderheit hat Knötgen in Volkach registriert. Dort werde viel Wert auf Gemeinschaft gelegt. „Das ist nicht nur ihr Slogan. Sie leben das auch und machen es richtig gut, das hat mich positiv überrascht“, sagt er über die feierfreudige Gemeinschaft.

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