Handball-Bayernliga Männer

Viel leichter als befürchtet

Beim deutlichen Rödelseer Heimsieg überragen Torwart Thomas Paul und Linksaußen Andre Deis
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Herausragend: Rödelsees Neuzugang Andre Deis. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

In die Knie gingen die Rödelseer Handballer erst nach der Partie gegen den TSV Haunstetten. Souverän und mit 37:27 (21:10) deutlicher, als erwartet, bezwangen sie ihre Gäste aus dem Augsburger Vorort und behielten ihren Vier-Punkte-Vorsprung auf Verfolger TSV Lohr.

Die Fans hatten die Rödelseer Spieler auf die Knie gebeten, um noch einmal ein gemeinsames Liedchen zum Feiern anzustimmen. Mit auf den Boden war auch Andre Deis gegangen, der mit seiner bisher stärksten Leistung aufwartete, seit er zu Beginn der Runde nach Rödelsee gewechselt war. Als Vertreter des verletzten Andreas Paul bekleidete der von der badischen HG Königshofen-Sachsenflur gekommene 27-Jährige die Linksaußen-Position, was sich als richtiger Schachzug erwies. Nicht nur zu Beginn nutzte Deis den Platz, den Haunstettens offensive Abwehr den Außenspielern ließ. Neun Tore standen am Ende für Deis auf dem Zettel – die beste Quote, seit er beim TSV spielt. „Das war keine Notlösung mit ihm auf Außen. Die Position liegt ihm, er spekuliert nicht und hat so eine Fackel! Zudem hat er gut trainiert“, lobte Rödelsees Trainer Dusan Suchy seinen tauberfränkischen Neuzugang.

Der Gelobte gönnte sich hinterher, als alles vorüber war, erst einmal eine Zigarette in kurzen Hosen im Freien. Da machte auch die leichte Erkältung nichts mehr aus, die ihm – wie manch anderen auch – zuletzt etwas zugesetzt hatte. „Das war gut heute, vorne vor allem. Linksaußen geht so, ich hätte es mir schlimmer vorgestellt“, meinte er zu der Variante. Bereits letzte Woche in Unterhaching hatte Deis diese Position ausgefüllt.

Die kompletten 60 Minuten hatte Trainer Suchy seinem Schützling das Vertrauen geschenkt, wofür sich dieser bereits mit fünf Treffern im ersten Abschnitt bedankte. Recht konzentriert waren nicht nur Deis, sondern auch seine Mitspieler die ersten Minuten der Partie angegangen, was sich auszahlte. Bereits nach etwas mehr als vier Minuten legte Haunstettens Trainer Udo Mesch sein grünes Kärtchen auf den Tisch der Offiziellen, um beim Stand von 5:1 für Rödelsee seine Mannen in einer Auszeit zur Räson zu rufen.

Das nutzte in der Folge nur bedingt etwas, was auch daran lag, dass Rödelsees Torhüter Thomas Paul einen Sahnetag erwischt hatte. Mit sieben, acht erstklassigen Paraden gegen frei vor ihm auftauchende Gegner entnervte er Haunstetten regelrecht. Nur zehn Tore gelangen den Schwaben vor der Pause. „Die Abwehr war das wichtigste. 'Pauli' hielt dann auch die Bälle, die er nicht halten muss“, analysierte Rödelsees Dusan Suchy später lobend. Nur einmal musste sich der Trainer aufregen, als gegen seinen Bruder Radovan die zweite Zeitstrafe ausgesprochen wurde. Angeblich habe er Sekunden zu früh wieder das Spielfeld nach der ersten Strafe betreten. Nach nur 39 Minuten und der nächsten Zeitstrafe war für ihn der Samstags-Einsatz beendet.

Doch auch ohne Radovan Suchy und trotz der nachlassenden Kräfte bei manch anderem Akteur marschierte Rödelsee als Mannschaft munter weiter. Rechtsaußen Gabor Csorba bedankte sich für den großzügigen Platz auf seiner Seite, Micky Tonar mimte mehr den unauffälligen Vorlagengeber, als selbst ins Rampenlicht zu rücken. Der Nachwuchs durfte im Lauf des Spiels vorne wie hinten ran, Franz-Xaver Hetterich, Bastian Demel und Andre Deis bildeten später einen ungewohnten Mittelblock.

Es schien an diesem Tag fast alles zu gelingen beim TSV Rödelsee, der Haunstetten auch sportlich ausradierte. Vergessen hatten die Verantwortlichen den Gast diesmal auch im Heimspiel-Heftchen, in dem weder ein Foto, noch Informationen über den Gegner zu finden waren. Ein Detail, das aber irgendwie zum späteren Spielverlauf passte. Ganz am Ende bot die Partie noch einen Aufreger, als ein wohl enttäuschter Johannes Wiesner eine Aktion von Lukas Demel unnötig und unfair bremste, so dass er sich noch die Rote Karte abholte.

Das Fazit von Haunstettes Trainer Mesch blieb eindeutig. „Rödelsee war von Anfang an die bessere Mannschaft. Wir hatten einfach zu viele Verletzte zu ersetzen. Dazu hatten wir nie die erforderliche Spannung und das, was sonst dazu gehört. Die ersten Tore fielen ja ohne Körperkontakt.“ Seinem Gegenüber Dusan Suchy sollte es recht sein. „Dass es so klar wird, hätte ich nicht gedacht. Wir haben uns heute deutlich gesteigert im Gegensatz zu den letzten drei Spielen“, stellte er nüchtern fest. Umso besser gelaunt können die Rödelseer nun den Fasching feiern.

Bayernliga Männer

TSV Simbach – TB 03 Roding 19:31  
HaSpo Bayreuth – DJK Waldbüttelbrunn 28:38  
TSV Rödelsee – TSV Haunstetten 37:27  
TSV Lohr – TuS Fürstenfeldbruck 36:27  
TG Landshut – HC Erlangen II 32:29  
TSV Ottobeuren – TSV Rothenburg 18:19  
HSC 2000 Coburg II – TSV Unterhaching 27:33  

1. (1.) TSV Rödelsee 17 16   1 558 : 469 32 : 2  
2. (2.) TSV Lohr 17 13 2 2 471 : 406 28 : 6  
3. (5.) DJK Waldbüttelbrunn 17 10 2 5 499 : 467 22 : 12  
4. (3.) HC Erlangen II 17 10 2 5 470 : 436 22 : 12  
5. (4.) TuS Fürstenfeldbruck 17 10 1 6 528 : 477 21 : 13  
6. (6.) TSV Haunstetten 17 8 2 7 517 : 497 18 : 16  
7. (7.) TSV Rothenburg 17 9   8 443 : 439 18 : 16  
8. (8.) TG Landshut 17 9   8 463 : 490 18 : 16  
9. (9.) TB 03 Roding 17 7 1 9 486 : 491 15 : 19  
10. (10.) TSV Unterhaching 17 7   10 477 : 482 14 : 20  
11. (11.) HSC 2000 Coburg II 17 6   11 478 : 512 12 : 22  
12. (12.) TSV Ottobeuren 17 4   13 434 : 502 8 : 26  
13. (13.) TSV Simbach 17 3   14 423 : 498 6 : 28  
14. (14.) HaSpo Bayreuth 17 2   15 442 : 523 4 : 30  

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – TSV Haunstetten 37:27 (21:10)

Rödelsee: Thomas Paul, Maximilian Steppan, Jan Kästner (2), Franz-Xaver Hetterich, Gabor Csorba (6), Lukas Demel, Julius Weinhardt (2), Andre Deis (9), Christian Häckner (3), Radovan Suchy (3), Bastian Demel (2), Michal Tonar (4/2), Maximilian Häckner (4).

Haunstetten: Alexander Rothfischer, Daniel Fischer, Stefan Tischinger (7), Simon Lodemann (6/3), Fabian Fischer, Maximilian Schnitzlein (3), Florian Elsinger, Florian Zimmerly (7), Alexander Horner (2), Ronald Rieber, Johannes Wiesner (2).

Schiedsrichter: Matthias Pernet (TSV Röthenbach)/Michael Pernet (TV Roßtal).

Zuschauer: ca. 280.

Zeitstrafen: 3x Radovan Suchy, 3x Maximilian Häckner, Csorba – Schnitzlein, Elsinger, Zimmerly.

Rote Karten: Suchy (39.), Häckner (59., nach drei Zeitstrafen) – Wiesner (60.).

Siebenmeter: 2:6 (2:3 verwandelt).

Spielfilm: 5:1 (4.), 8:2 (10.), 11:5 (14.), 15:8 (23.), 18:9 (27.), 21:10 - 23:11 (34.), 25:16 (45.), 29:21 (50.), 33:21 (54.), 35:25 (59.), 37:27.

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