„Fair-Play-Liga“ nennt sich die Spielklasse, in der Fußballer im Alter bis neun Jahre ohne Schiedsrichter spielen, und eines vorneweg: Es funktioniert (fast) ohne Probleme. Praktisch Fußballspielen, wie früher auf der grünen Wiese, nur mit richtigen Toren und ohne Pullover als Torpfosten.

Die verantwortlichen Betreuer und Trainer der SpVgg Giebelstadt haben sich dem Pilotprojekt des BFV angeschlossen – und sind mittlerweile absolute Verfechter dieses Spielsystems. Verantwortliche beider Teams stehen in einer Coaching-Zone nebeneinander und geben nur dezente Hinweise zum System. Die Eltern und die Zuschauer müssen einen Abstand von mindestens 15 Metern zum Spielfeld halten. Auf diese Weise will man verhindern, dass allzu laute und verbale Einflüsse das Spiel der kleinen Kicker stören.

Das klappt nicht immer, aber im-mer öfter, wie man beim Auftritt der Giebelstädter gegen den SC Heuchelhof beobachten kann. Gleich zu Beginn ein offensichtliches Handspiel eines Gästespielers. Er selbst schreit ganz erschrocken „Hand“, bleibt stehen und unterbricht seinen Lauf. Er übergibt ganz selbstverständlich den Ball an den Gegner, damit der die Begegnung mit Freistoß fortsetzt. Diese Szene wiederholt sich, und zwar auf beiden Seiten.

„Manchmal hat man den Impuls zu schreien.“
Eine Spielermutter über den ungewohnten Abstand zum Feld

Da wird auch schon mal bei einem Kopfballversuch etwas von hinten gedrückt. Beide Trainer sehen dies, verhalten sich aber ruhig. Es geht ganz einfach weiter, und keiner regt sich auf. Eine Mutter aus Giebelstadt sagt dann auch zur Halbzeit, sie finde das System ganz toll. Es klappt nicht immer, doch verbale Ausfälle sind eher die Seltenheit. Die Kinder haben mit der Abwesenheit des Schiedsrichters überhaupt kein Problem.

Sie wissen ganz genau, wann ein Regelverstoß vorliegt, und verhalten sich entsprechend. Auch der Umstand, dass die Eltern so weit weg stehen, findet diese Mutter in Ordnung. „Manchmal hat man doch den Impuls zu schreien: Mach dies, mach das. Mit diesem Abstand wird das unterbunden. Für das Spiel der Kinder kann das nur gut sein.“

Der Vater eines Spielers vom Heuchelhof hält den Geist der Fairplay-Liga ebenfalls für gut, wenngleich der Abstand zum Spielfeld ihm etwas zu groß ist. Dennoch sagt, er, dass dies Sinn mache, da der Spielfluss der Kinder nicht gestört werde. Er hat bisher drei solcher Begegnungen verfolgt und seinen Gefallen daran gefunden. Zum Ende des Spiels werden die Zurufe der Trainer etwas lauter, jedoch bleibt dabei alles im erlaubten Rahmen. Der Sieg steht schon im Vordergrund. Das wird wohl auch nicht abzustellen sein.

Und dann kurz vor Schluss ein rüdes Foul eines Giebelstädter Spielers. Sein Mitspieler macht einfach weiter und wird nun vom „Täter“ zurückgerufen: „Halt, ich habe da ein Foul gemacht, die anderen haben Freistoß.“ Einfach toll! Und dann geht der Freistoß knapp vorbei. Die Gäste-Eltern klatschen Szenenapplaus, ermutigen ihn, dass es beim nächsten Mal besser klappen werde.

Und was sagt Heimtrainer Michael Neige dazu: „Ich finde die Sache sehr positiv. Die Kinder regeln alles untereinander. Es ist richtig schöne Ruhe am Sportplatz. Ich finde, das hat Zukunft. Das sollte auch so fortgeführt werden.“ Bleibt zum Schluss die Feststellung, dass die Vereine dem System auf fast allen Kreistagen des BFV zugestimmt haben. Im Spielkreis Würzburg etwa sprachen sich 72,9 Prozent dafür aus, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die „Fair-Play-Liga“ bald flächendeckend eingeführt wird.

Das meinen andere

Andreas Stöckinger (Juniorenleiter des TSV/DJK Wiesentheid): Im Spiel der U9 ohne Schiedsrichter gibt es immer wieder Situationen, bei denen die Kinder nicht so recht wissen, ob es ein Foul war oder nicht. Da schnappt sich dann einer den Ball, der älter und cleverer ist als die Mitspieler, und macht einfach weiter, egal ob sein Team nun Freistoß hat oder Einwurf. Die anderen spielen auch einfach weiter. Sicherlich schafft man mit der Fair-Play-Liga eine gewisse Grundeinstellung zur Fairness im Spiel. Aber bei acht-, neunjährigen Kindern passiert sowieso kaum ein absichtliches Foul, und spätestens ab der U13 müssen die Kinder dann ohnehin mit einem Schiedsrichter und mit dessen Entscheidungen zurecht kommen. Die können auch mal falsch sein. Gut ist, dass die Eltern einen recht großen Abstand zum Spielfeld halten müssen. Das schafft Ruhe.

Burkhard Straßberger (ehemaliger Jugendleiter Bayern Kitzingen): Der Gedanke ist richtig, die Kinder werden von klein auf in die Verantwortung genommen. Das geht wieder in Richtung Straßenfußball. Wir haben uns, als wir klein waren, auch vier-, fünfmal in der Woche zum Bolzen getroffen. Da gab es nie einen Schiedsrichter, wir haben das immer untereinander geregelt. Die Kinder wissen doch selbst am Besten, ob es ein Foul oder nicht – manchmal sieht der Schiedsrichter das gar nicht. Es gibt viel zu viele Beteiligte, die das zu verbissen sehen. Je weniger da von außen reinkommt, um so besser. Es ist schon gut, dass in der U9 und U11 die Tabellen abgeschafft wurden. Die Kinder sollen sich doch als Persönlichkeit entwickeln; da werden sie nicht besser und nicht schlechter, wenn sie mal 1:2 verlieren.