Abtswind

Trainerwechsel in Abtswind: Jetzt spricht Manager Christoph Mix

Wie ist es wirklich gelaufen mit der Entlassung von Mario Schindler in Abtswind? Was wirft der Klub dem Trainer vor? Antworten im Interview mit Christoph Mix.
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Der bisherige Abtswinder Mario Schindler (links) und Klubmanager Christoph Mix bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Eltersdorf Ende September. Foto: Hartmut Hess
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Anfang dieser Woche hat der TSV Abtswind in der Fußball-Bayernliga auf eine Serie von elf sieglosen Spielen reagiert: Trainer Mario Schindler musste gehen . Von seiner Entlassung erfuhr der 42-Jährige auf einer Geschäftsreise in Brasilien. Sein Nachfolger steht bereits fest: Uwe Neunsinger (48), der sich auskennt in der Bayernliga. Im Interview räumt Abtswinds Teammanager Christoph Mix mit manchem Vorwurf auf und legt den Weg des Vereins zur Entscheidungsfindung detailreich offen.

Nach Petr Skarabela vor anderthalb Jahren hat der TSV Abtswind nun den zweiten Trainer in Folge entlassen. Warum?

Christoph Mix: Wir saßen – genau wie damals – zusammen und haben das gemeinsam entschieden. Zu Skarabela hatten sich noch einige Spieler geäußert, aber wir hätten das damals auch ohne deren Zutun so entschieden. Diesmal hat kein einziger Spieler auch nur einen Ton gesagt, und doch gab es mehrere Gründe für die Entlassung.

Sie haben auch unsere Berichterstattung kritisiert. Dabei haben wir die Entscheidung, den Trainer zum jetzigen Zeitpunkt zu entlassen, doch gar angezweifelt.

Mix: Nein, aber warum wird das Thema Skarabela dann noch einmal aufgegriffen?

Weil es in einer gewissen Tradition steht und ein Muster zeigt: der zweite Trainer in Folge, der vorzeitig gehen musste, davor zog sich 2009 schon Dirk Dorbath freiwillig zurück, und vor ihm wurde Thomas Latteier im November 2006 gefeuert. Warum hat man es als Trainer in Abtswind so schwer?

Mix: Man muss sich doch nur die Ergebnisse anschauen. Wir standen in der Winterpause schon mal an erster Stelle – und haben dann den Aufstieg verspielt. Bei Skarabela war es wieder so: wichtige Spiele verloren, Unentschieden gegen den Tabellenletzten. Wir sahen unsere Felle wegschwimmen. Dass es anders geht, sah man ja daran, dass Thorsten Götzelmann sie uns gerettet hat, als er von Skarabela den Posten übernommen hatte. Wir haben nur noch gewonnen – das war im vergangenen Sommer unser Aufstieg.

Sie kritisierten, unsere Berichterstattung basiere auf „halbseidenen Recherchen“ und nebulösen Einlassungen. Was meinen Sie damit?

Mix: Schon diese Formulierung „Der Klub hatte über Sportleiter Thorsten Götzelmann ausrichten lassen, man werde sich beratschlagen.“ Das klingt so, als wäre er unser Botschafter oder Überbringer schlechter Nachrichten. Thorsten wurde von Ihrer Redaktion gefragt, und daraufhin sagte er seine Meinung.

Er hat doch die Botschaft Ihres Vereins überbracht.

Mix: Aber das hört sich an, als hätten wir ihn dazu genötigt, etwas zu überbringen.

Lassen wir das Formale mal beiseite und bleiben bei Inhalten.

Mix: Gut. Sie schreiben weiter: „Was der Klub Schindler konkret vorwirft, geht aus der Online-Meldung nicht hervor.“ Daraus geht, wie ich meine, genug hervor. Und noch etwas: Wir gaben keinerlei Zusicherung, ihn bis zur Rückkehr von seiner Reise auf seinem Posten zu belassen. Am Montag vor seiner Abreise hatten wir mit ihm ein Gespräch. Und an diesem Abend erfuhren wir, dass er vier Tage später geschäftlich für zwei Wochen nach Brasilien muss. Das Freitags-Training konnte er also schon nicht mehr machen.

Sie wussten vorher überhaupt nichts von dieser Reise?

Mix: Nein. Er meinte uns gegenüber, sein Chef habe das kurzfristig so angewiesen.

Und diese Zusicherung, dass er im Amt bleiben werde . . .

Mix: . . . gab es nicht. Wir hatten uns innerhalb des Vereins darauf verständigt, das Spiel an diesem Samstag in Großbardorf abzuwarten und erst danach eine Entscheidung zu treffen. Aber dann haben sich in den vergangenen Tagen immer mehr Leute gerührt, und es sind einige andere Dinge passiert.

Was meinen Sie mit „anderen Dingen“?

Mix:  Nach unserem schlechten Spiel in Vilzing Anfang Oktober wurde das erste Training unter der Woche abgesagt. Dann sollte am spielfreien Wochenende trainiert werden, das fand auch nicht statt, weil der Co-Trainer in Berlin war. Thorsten Götzelmann hätte sich sicherlich zur Verfügung gestellt, aber er wurde nicht gefragt. Wenn man so schlecht steht, muss doch der Trainer alle Hebel in Bewegung setzen. Wir haben uns gewundert, dass am spielfreien Wochenende kein Testspiel ausgemacht wurde. Aber dann hieß es, einige Spieler seien verletzt, andere hatten sich rechtzeitig Urlaub genommen. Wenn man das alles sieht und von vielen Seiten hört, dass so etwas in der Bayernliga eigentlich nicht geht, müssen wir im Verein uns hinterfragen. Das haben wir getan.

Mario Schindler fehlte schon in der Vorbereitung zwei Wochen.

Mix: Er hat Familie, zwei kleine Kinder, dafür hatten wir Verständnis. Er war auch beim Training einige Male nicht da – aus geschäftlichen Gründen. Er hat halt einen Job, für den er viel unterwegs ist. Alles in Ordnung, Beruf geht vor. Aber wir mussten uns irgendwann die Frage stellen: Kann er beides noch miteinander vereinbaren?

Wäre die Entscheidung früher gefallen, wenn Sie im September nicht selbst für neun Tage auf Geschäftsreise gegangen wären?

Mix: Glaube ich nicht. Thorsten Götzelmann war auch der Meinung, wir sollten mit einer Entscheidung noch warten. Wir hatten ja immer gute Gespräche.

Gute Gespräche sind das eine, schlechte Ergebnisse das andere. Wenn der Trainer nach acht sieglosen Spielen, nach einem 0:2 zu Hause gegen Don Bosco Bamberg, von „guter Stimmung“ spricht, was denken Sie da?

Mix: Dass das natürlich nicht zusammenpasst, klar. Aber dann gibt es andere Leute, die auch was von Fußball verstehen und die meinen: Was kann der Trainer dafür, wenn die Stürmer nicht treffen?

Aber, mit Verlaub, das waren doch bloß Symptome der eigentlichen Probleme, die weitaus tiefer lagen.

Mix: Richtig. Irgendwann gehen die Argumente aus, und das war jetzt der Fall.

Auch die Stimmung in der Mannschaft soll nicht die beste sein.

Mix: Die Stimmung ist in meinen Augen gut. Ich habe nichts Gegenteiliges vernommen. Auch unser Kapitän Michael Herrmann sagt das. Er lässt gar nichts über die Mannschaft kommen. Aber klar: Erfolge braucht man auch.

Fanden Sie denn die häufigen Wechsel in der Aufstellung, oft ohne Not, stringent? Klar, der Trainer hatte 28 Mann im Kader, die er unterbringen und bei Laune halten musste.

Mix: Zu der angeblich „missglückten Transferpolitik“, wie es in Ihrem Artikel hieß, wollte ich auch noch etwas sagen. Mario war da total eingebunden, diese Politik hat er mit gestaltet. Bei einigen Transfers war er sogar der Treiber.

Das mag schon sein, aber ein Kader von 28 Mann . . .

Mix: Ja, das ist üppig. Aber von diesen 28 haben uns drei verlassen, zwei kamen wieder dazu – und unter diesen jetzt 26 sind Spieler wie Jona Riedel, dem wir weiter die Chance geben wollen, in die Bayernliga hineinzuschnuppern. Roman Hartleb ist nach seinem Kreuzbandriss immer noch nicht zurück, ein Frank Hartlehnert war länger als ein Jahr weg, Michael Herrmann und Marcel Ruft fehlten ebenfalls für längere Zeit. Wir haben noch verzweifelt nach einem Stürmer gesucht.

Wann hatten Sie den Eindruck gewonnen, Mario Schindler könne nichts mehr bewirken?

Mix: Die letzten drei, vier Spiele kamen uns Zweifel. Ich war bei den Ansprachen in der Kabine nicht dabei, aber was ich gehört habe, war: Seine Ansprachen vor dem Spiel seien super gewesen. Aber das nützt ja am Ende nichts. Wir haben es uns nicht leicht gemacht, hatten großes Vertrauen in Mario und elf Spiele ohne Sieg abgewartet.

Dabei hatte die Saison ja mit drei Siegen aus den ersten vier Spielen verheißungsvoll begonnen. Im Nachhinein aber muss man fast zum Schluss kommen, das waren Irrläufer.

Mix: Wir haben aus der vergangenen Saison sicherlich einiges mitgenommen, aber was mir schon in unseren ersten Spielen auffiel: Wir hatten ein Problem mit dem Toreschießen. Max Hillenbrand, unser bester Torschütze des ersten Bayernliga-Jahres, arbeitet nun im Schichtbetrieb, er kann nicht mehr so häufig trainieren. Das merkt man. Auch Adi Dußler kam nicht in Form. Wenn die Treffsicherheit fehlt, wirkt sich das auf die gesamte Mannschaft aus.

Jetzt darf sich Uwe Neunsinger als Trainer versuchen. Er gilt in der Branche als nicht gerade pflegeleicht. Warum haben Sie sich trotzdem für ihn als Nachfolger entschieden.

Mix: Er hat Erfahrung in höheren Ligen, weiß, wie man in einer solchen Situation den Karren aus dem Dreck zieht, er hat eine gute Ansprache, ich war in dieser Woche bei einer dabei, mit der er die Spieler auch begeistern konnte. Mir haben auch einige Trainer aus Landes- und Bayernliga mitgeteilt, dass er uns in dieser Situation am ehesten hilft.

Und diese Vorgeschichten haben Sie alle ausgeblendet. Er wird als schwierig und dominant beschrieben, soll auch schon mit einem Stadionsprecher aneinandergeraten sein. In Karlburg musste er 2016 nach nur dreieinhalb Monaten und offener Kritik an der Personalpolitik des Vereins gehen.

Mix: Nein, die haben wir nicht ausgeblendet, sondern eingehend besprochen, wir sind uns einig, dass wir solche Sachen durch gute Organisation vermeiden können – etwa dadurch, dass ein Trainer nicht gleichzeitig der Teammanager ist, sondern sich ganz auf seinen Aufgabenbereich konzentrieren kann.

Die Abtswinder Trainer seit 2009
07/2009 bis 09/2009: Dirk Dorbath (hat von sich aus aufgehört)
09/2009 bis 05/2012: Carsten Weiß (hat von sich aus aufgehört)
07/2012 bis 06/2014: Jochen Seuling (hat von sich aus aufgehört)
07/2014 bis o5/2016: Thorsten Götzelmann (hat von sich aus aufgehört)
06/2016 bis 04/2018: Petr Skarabela (wurde entlassen, danach Götzelmann bis Saisonende)
06/2018 bis 10/2019: Mario Schindler (wurde entlassen)
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