Frauenfußball

Trainer Gernot Haubenthal will Geschenk auspacken

Der TSV Frickenhausen muss im Aufstiegsspiel zur Bayernliga auf Sandra Abersfelder verzichten
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Weiß, was er will: Unter Trainer Gernot Haubenthal haben Frickenhausens Fußballerinnen an Qualität zugelegt. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

„Unverhofft kommt oft“, man sich in Frickenhausen denken. Denn nach der Niederlage gegen Tabellenführer Leerstetten war der Aufstieg in die Bayernliga in weite Ferne gerückt. Doch vor einigen Wochen entschied der bayerische Fußballverband, die Landesligazweiten um den Aufstieg spielen zu lassen. So haben Frickenhausens Frauen unerwarteterweise doch noch die Möglichkeit, in Bayerns höchste Liga vorzurücken.

Als Geschenk bezeichnet TSV-Übungsleiter Gernot Haubenthal das Entscheidungsspiel gegen den FC Augsburg: „Die Partie ist die Belohnung für unsere gute Saison, die wir gespielt haben. Denn wir haben lange um die Meisterschaft gekämpft.“ So hätte die Entscheidung um Platz eins auch durchaus für die Kickerinnen aus dem Weindorf fallen können. Allerdings verloren sie das direkte Duell bei Meister Leerstetten deutlich mit 0:3 und ließen auf der Zielgeraden Punkte gegen Reitsch und im letzten Spiel gegen Weinberg II liegen.

Besonders die Niederlage gegen die Bundesligareserve wurmte Haubenthal: „Sie haben uns den Schneid abgekauft und uns gezeigt, dass man mit Kampf und Willen vieles erreichen kann.“ Dennoch schmälert das Negativergebnis gegen Weinberg keineswegs die „phänomenale Entwicklung“ seiner Mannschaft, zeigte aber deutlich, dass die Kraftreserven nach einer langen Spielzeit fast ausgeschöpft sind. Trotzdem freuen sich Trainer und Spielerinnen auf den unerwarteten Saisonhöhepunkt.

Denn selbst nach Bekanntgabe, dass der Landesligazweite über den Umweg Relegation dem Meister in die Bayernliga folgen kann, änderte sich an der Trainingsintensität kaum etwas. „Besonders seit dem letzten Spieltag habe ich vermehrt auf spielerische Elemente gesetzt und auch Standardsituationen trainiert“, berichtet Haubenthal, der es eher unglücklich findet, dass das Relegationsspiel nicht direkt nach Rundenende, sondern erst zwei Wochen nach der letzten Partie stattfindet. „Dadurch fehlt der Spielrhythmus, und einige Spielerinnen sind bereits im Urlaub.“

So muss der Frickenhäuser Trainer neben Manuela Schlör auch auf Toptorjägerin Sandra Abersfelder verzichten. Ob Tina Stark zur Verfügung steht, entscheidet sich kurzfristig. „Diese Ausfälle sind schwer zu verkraften. Aber wir werden es so verändern, dass die Mannschaft es schafft“, glaubt Haubenthal fest an einen Erfolg seiner Mädels. Denn auch während der Saison standen nicht immer alle Stammspielerinnen zur Verfügung. Die Mannschaft hat die entstandenen Lücken trotzdem mit Bravour geschlossen. Wie seine Lösungen diesmal ausschauen werden, verrät Haubenthal aber nicht.

Während der Übungsleiter von seiner Startformation klare Vorstellungen hat, weiß er zum kommenden Gegner kaum etwas. Lediglich, dass der FC Augsburg als Aufsteiger prompt Platz drei erreichte und nur aufgrund des Verzichts von Saaldorf an der Relegation teilnehmen darf. „Ich weiß nur, dass sie Neuling sind, was vielleicht ein kleiner Vorteil für uns ist. Möglicherweise sind sie dem Druck nicht gewachsen“, orakelt der ehemalige Trainer des ETSV Würzburg, der – wie seine Frauen – auf große Fanunterstützung hoffen kann. Denn die Frickenhäuser wissen, was sie an ihrem Aushängeschild haben. Deshalb chartern sie einen Fanbus, um die Grünweißen im mittelfränkischen Ehingen, wo das Entscheidungsspiel stattfindet, lautstark zu unterstützen. Denn das Geschenk muss schließlich erst noch ausgepackt werden.

FC Augsburg – TSV Frickenhausen (Samstag, 16 Uhr, Ehingen/Mittelfranken)

Die Frauenmannschaft des FC Augsburg will in die zweite Bundesliga, wie Trainer Markus Thrämer – allerdings in einem anderen Zusammenhang – den Kollegen der Augsburger Allgemeinen Zeitung verriet. Die hatten sich mit Verantwortlichen ihrer Frauenmannschaften über die derzeit stattfindende Weltmeisterschaft in Kanada und einen möglicherweise daraus resultierenden Boom unterhalten.

Augsburgs Trainer Markus Thrämer sagt: „Wir sind beim FCA voll akzeptiert. Wenn ich Hilfe brauche, bekomme ich sie.“ Dazu gehören beispielsweise ein Kunstrasenplatz für das Training im Winter oder Beratung bei Verhandlungen mit Sponsoren. Finanziell aber seien die Fußballerinnen komplett eigenständig: „Wir bekommen kein Budget vom FCA, sondern finanzieren uns selbst und haben eigene Sponsoren.“ Das sei kein Problem.

Sportlich haben die Frauen noch die Chance in der Relegation gegen TSV Frickenhausen in die Bayernliga aufzusteigen. Für die Spiele möchte sich Thrämer Anregungen bei der Frauen-WM holen. „Ich versuche, die Spiele anzuschauen, um zu sehen, wie die internationalen Teams spielen. Vielleicht kann ich bei uns ein paar Laufwege oder Spielzüge einbauen.“ In der Bayernliga soll noch lange nicht Schluss sein für den FC Augsburg. Thrämer hat ehrgeizige Ziele: „Ich möchte mit der Mannschaft die Nummer eins in Schwaben werden und langfristig in der zweiten Bundesliga spielen.“

Auch für Augsburgs Trainer kommt das Relegationsspiel überraschend. „Der Fußballgott scheint irgendwie zu wollen, dass wir in die Bayernliga aufsteigen", freute er sich über das unerwartete Geschenk. Weil vor einer Woche die Torhüterin und auch die Mannschaftsführerin geheiratet haben, hat Thrämer den Verband um eine Spielverlegung auf den 13. Juni gebeten. Aber auch dann wird er nicht auf den ganzen Kader zurückgreifen können. Die frisch verheirateten Spielerinnen sind in Flitterwochen, und auch andere haben schon Urlaub gebucht. In der Favoritenrolle sieht er seine Mannschaft nicht.

Auch wenn Überkreuzvergleiche hinken, liefern wir ein bisschen Zahlenmaterial (Spiele – Tore – Punkte) der beiden Konkurrenten:

Tabelle

2. TSV Frickenhausen 21 – 51:28 – 40

3. FC Augsburg 22 – 52:44 – 39

Erfolgreichste Torschützinnen

Sandra Abersfelder (TSV) 19

Felicitas Mayr (FC) 15

Text: wro

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