Fußball

Tippmann drückt Kleinlangheim die Daumen

Der VfL Kleinlangheim kann an diesem Sonntag in der Kreisklasse sein Meisterstück bauen, aber einer derer, die in dieser Runde engagiert mit Hand angelegt haben, wird nicht dabei sein: Torhüter Manuel Tippmann.
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Der VfL Kleinlangheim kann an diesem Sonntag in der Kreisklasse sein Meisterstück bauen, aber einer derer, die in dieser Runde engagiert mit Hand angelegt haben, wird nicht dabei sein: Torhüter Manuel Tippmann. Der 28-Jährige muss Dienst bei seinem Arbeitgeber schieben, der Polizei in München. Er fehlt seiner Mannschaft im vielleicht entscheidenden Spiel. Mal wieder, denn die Situation ist für Tippmann nicht neu. „Natürlich ist das ärgerlich, ich wäre schon gern dabei. Aber so ist das in dem Beruf, es geht mir ja fast jedes zweite Spiel so.“

Statt seiner wird am Sonntag beim Auswärtsspiel in Fahr wieder Alexander Baum im Kleinlangheimer Kasten stehen, mit dem sich Tippmann ganz gut versteht und arrangiert hat, was die Einsätze im Tor betrifft. Hat Tippmann dienstfrei, dann spielt er auch. Wenn nicht, vertritt ihn Baum. „Ich bin wirklich froh, dass es so klappt.“ Diesen Sonntag erwartet Tippmann auch ohne Einsatz für sich ziemlich unangenehme neunzig Minuten, in denen er nur in Gedanken bei seinen Kollegen vom VfL sein kann. „Das ist das Schlimmste. Aber ich werde nicht alle paar Minuten anrufen und mich erkundigen, wie es steht, das wäre zu nervenaufreibend“, sagt er mit Blick auf das Duell beim härtesten Widersacher.

Beim nächsten Mal, am kommenden Samstagabend im Heimspiel ge-gen den TV Oberndorf, werde er wie-der im Tor stehen. Dann wäre es ihm am liebsten, wenn die Meisterschaft schon feststünde. „Ich hoffe, es wird ohne mich klappen. Je früher wir es schaffen, umso besser.“ Manuel Tippmann gibt sich da ganz selbstlos und sagt: „Was zählt, sind der Erfolg, der Verein, die Mannschaft. Das ist das Entscheidende.“ Überhaupt ist Tippmann, zuletzt der drittälteste Akteur mit 28 Jahren nach Spielertrainer Michael Ludwig und Sven Radler, von der jungen Kleinlangheimer Mannschaft angenehm überrascht. Dass es so gut funktioniere und der VfL drei Spieltage vor Schluss den Titel gewinnen könne, damit habe kaum einer gerechnet.

Zumal von den wenigen erfahrenen Kräften im Team Florian Friedel wegen eines Kreuzbandrisses bereits seit längerer Zeit pausiert. „Die Truppe ist recht jung, es sind aber wirklich gute Fußballer für ihr Alter. Da ziehe ich wirklich den Hut“, verteilt Tippmann Komplimente. Er selbst hat inmitten der jungen Rasselbande keine Probleme. Als Torwart im besten Alter sieht er seinen ohnehin schon ausgeprägten Ehrgeiz von den Mitspielern, die teils noch im Teenageralter sind, eher noch angestachelt. „Ich komme prima mit ihnen klar, das ist ja keine Frage. Von den jungen Burschen lasse ich mir nichts vormachen“, sagt der Platzhirsch, und er muss ein bisschen schmunzeln.

Noch besser verstehe es Spielertrainer Michael Ludwig, der seit Anfang der Runde in Kleinlangheim tätig ist. Er könne „unheimlich gut“ mit den Jünglingen umgehen, was für Tippmann ein Geheimnis des Erfolges in dieser Runde ist. „Ich wäre vielleicht etwas zu streng mit ihnen, aber er hat das Gefühl für sie. Er hat die richtige Mischung zwischen Zuckerbrot und Peitsche.“ Der Coach übernehme vor allem auf dem Spielfeld eine Vorbildrolle.

Überhaupt ist und war Tippmann als Torhüter schon immer ein recht ehrgeiziger Zeitgenosse auf dem Feld. Fragt man ihn nach seinem Vorbild auf seiner Position, dann kommt die Antwort wie ein Reflex auf der Linie: „Oliver Kahn! Ich bin Bayern-Fan, er war der Torwart, zu dem ich in meiner Jugend aufsah. Kahn ist emotional, will nicht aufgeben und ist ein schlechter Verlierer. Ich glaube, das deckt sich mit mir“, sagt er mit Blick auf den längst abgetretenen Torwart-Titanen.

Anders als viele seiner Teamkollegen weiß Tippmann, welcher Wind eine Spielklasse höher in der Kreisliga weht. Zwei Abstiege, zwei Aufstiege und das bei insgesamt vier Jahren in der nun wieder angepeilten Spielklasse hat er als Schlussmann bereits mitgemacht. „Es ist ein Riesensprung von der Kreisklasse in die Kreisliga, die Jungs werden sich umschauen. In der Kreisklasse gibt es dieses Jahr keine Übermannschaft – auch wir sind das nicht. Hier entscheidet oft die Tagesform“, gibt er seine Einschätzung wieder.

In der Kreisliga dagegen könne es schon sein, dass man auch mal „abgeschossen“ werde, weil dort stellenweise abgezockte Spieler und Mannschaften vertreten sind – und doch sieht Tippmann, der von klein auf in Kleinlangheim spielt, das Potenzial beim VfL, um sich oben zu halten. Das ist erst der nächste Schritt. Zuvor stehen im Ort einige Festtage auf dem Programm. Neben dem alljährlichen Weinfest am nächsten Wochenende sieht es ganz nach einer Meisterfeier aus.

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